Computer-Handel Panne bei Goldman löst Flut von Optionsgeschäften aus

Eine technische Panne hat der Investmentbank Goldman Sachs offenbar eine Flut ungewollter Optionsgeschäfte beschert. Ein Computersystem sollte nur Preise ermitteln - stattdessen versandte es Aufträge an die Handelsplätze. Der Schaden könnte mehr als hundert Millionen Dollar betragen.

Goldman-Bereich an der New Yorker Börse: Buchstaben H bis L betroffen
REUTERS

Goldman-Bereich an der New Yorker Börse: Buchstaben H bis L betroffen


New York/Chicago - Die 17 Minuten nach der Handelseröffnung an den US-amerikanischen Derivatebörsen am Dienstag könnten Goldman Sachs noch teuer zu stehen kommen: In dieser Zeit hat die US-Investmentbank wegen einer technischen Panne versehentlich eine riesige Menge von Optionsgeschäften getätigt. Die irrtümlichen Aufträge betrafen Börsenbetreibern zufolge Optionen auf Aktien, deren Handelssymbole mit den Buchstaben H bis L beginnen.

Noch ist völlig unklar, wie viele Geschäfte versehentlich abgeschlossen wurden und wie hoch der Schaden für Goldman Sachs Chart zeigen ausfallen könnte. Die "Financial Times" spekuliert über eine Schadenshöhe von mehr als hundert Millionen Dollar. Goldman selbst teilte lediglich mit, dem Unternehmen drohe kein großer Verlust und lehnte eine weitere Stellungnahme ab. Die Bank könnte aber selbst einen größeren Schaden verkraften: Goldman Sachs hat in diesem Jahr bislang blendende Gewinne gemeldet.

Möglicherweise werden Geschäfte annulliert

Ein Insider führte die fehlerhaften Aufträge auf eine Computerpanne zurück. Diese habe dazu geführt, dass bloße Interessensbekundungen an den Optionen, die die Bank zur Preisermittlung nutzt, irrtümlich als Aufträge an die Handelsplätze versandt worden seien. Branchenexperten zufolge handelte es sich unter anderem um Optionen auf Börsenschwergewichte wie Johnson and Johnson, JPMorgan Chase und Kellogg. Große Derivatebörsen teilten mit, die Geschäfte zu überprüfen.

Die Handelsplätze können rückwirkend Geschäfte annullieren oder die Preise anpassen, falls sie versehentlich ausgeführt wurden. Allerdings würde dies zu einer Art Dominoeffekt führen, da davon auch die Händler betroffen wären, mit denen die versehentlichen Goldman-Deals geschlossen wurden. Um diese abzusichern, haben die Händler oft wiederum weitere Geschäfte abgeschlossen.

Vor rund einem Jahr hatte ein ähnlicher Fall Furore gemacht. Anfang August 2012 störte ein Software-Fehler beim US-Finanzdienstleister Knight Capital Group massiv den Handel an der New Yorker Börse. Eine Dreiviertelstunde lang wurden fehlerhafte Aufträge platziert. Die Verluste für Knight Capital summierten sich auf 440 Millionen Dollar und gefährdete das Unternehmen in seiner Existenz.

fdi/Reuters



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insgesamt 68 Beiträge
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Seite 1
cpberlin 21.08.2013
1. optional
Na ist doch schön, wenn sie sich mit ihrem HF Trading mal ordentlich ins Knie schießen.
karlsiegfried 21.08.2013
2. Weiter so
Mitleid? Nicht angebracht. Hoffentlich jagen sich die Zockerbuden selber in die Luft.
anbue 21.08.2013
3. Der Kreis
Zitat von sysopREUTERSEine technische Panne hat der Investmentbank Goldman Sachs offenbar eine Flut ungewollter Optionsgeschäfte beschert. Ein Computersystem sollte nur Preise ermitteln - stattdessen versandte es Aufträge an die Handelsplätze. Der Schaden könnte mehr als hundert Millionen Dollar betragen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/panne-laesst-goldman-sachs-massenhaft-aus-versehen-mit-optionen-handeln-a-917675.html
derjenigen, von denen sich herausstellt, dass sie mit Geld nicht umgehen können, wird immer größer.
andreas.stalder 21.08.2013
4. Panne?
Wer glaubt, dass eine Software einfach so von heute auf morgen plötzlich Dinge tut, die sie nicht sollte, ist blauäugig. Besonders Banken haben sehr aufwändige Tests, bei denen eigentlich so etwas auffallen würde. Ich gehe deshalb vielmehr davon aus, dass ein Programmierer grosse Wut auf Goldman Sachs hat(te) und sich so erkenntlich zeigen wollte. Interessant ist, dass irrtümliche Geschäfte für Banken rückgängig machbar sind. Versuchen Sie das mal als Privatperson oder Firma. Ich garantiere Ihnen, man wird Ihnen versichern, dass dies unmöglich gehe, egal wie gut Ihre Begründung auch sein mag. Von daher verstehe ich die Wut des Programmierers.
dapmr75 21.08.2013
5. Schon auffällig, oder?
Ist es nicht merkwürdig, dass sich diese Art von Vorfall in den letzten drei bis vier Jahren so häuft? Auch scheint es mir, dass sie Schadenshöhen immer wieder richtig angenehme Höhen erreichen. Wie war das mit dem Vorwurf der Überregulierung nochmal?
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