Pannenserie ICE wird für die Bahn zum Imagekiller

Der ICE war einst der Hoffnungsträger der Bahn, nun erweist er sich als Imageproblem. Kaputte Achsen, Kältechaos im Winter, Hitzekatastrophe im Sommer: Der Pannenzug sorgt immer wieder für negative Schlagzeilen. Dabei hätte die Bahn die meisten Probleme verhindern können.

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ICE in Zürich: ICE demoliert erneut den Ruf des Staatskonzerns
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ICE in Zürich: ICE demoliert erneut den Ruf des Staatskonzerns


Berlin/Frankfurt am Main - "Allrad"-Antrieb, geringer Stromverbrauch und nochmals mehr Komfort für die Passagiere: Bei der Vorstellung des neuen Hochgeschwindigkeitszugs ICE namens Velaro D Ende April sparten die Festredner nicht mit Lob.

Bemerkenswert aber waren die Worte von Bahn-Technikvorstand Volker Kefer, weil sie so gar nicht zur allgemeinen Euphorie passten. Wenn der Zug ab Ende 2011 in Dienst gestellt werde, sei eine deutlich verringerte Störanfälligkeit zu erwarten, versprach der Manager nüchtern.

Der 54-Jährige Ingenieur weiß, wovon er redet: Schicke Sitze und Geschwindigkeit interessieren die Kunden nicht, solange sie darum bangen müssen, ihr Ziel zu erreichen. Sei es, dass der Zug auf offener Strecke liegen bleibt, oder - wie in diesen Tagen - die Klimaanlage der Hitze nicht gewachsen ist.

In einigen Zügen versagte sie am Wochenende gleich ganz. Bei Innentemperaturen von bis zu 50 Grad erlitten Fahrgäste einen Kreislaufkollaps, einige mussten sogar in ein Krankenhaus eingeliefert werden.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Bahn für Negativ-Schlagzeilen sorgt. Und immer wieder ist es der Hightech-Zug ICE, der dem Konzern zu schaffen macht - und zum Imagekiller avanciert.

Die Hitzekatastrophe vom Wochenende ist nur der jüngste einer ganzen Reihe von Skandalen, mit denen die Deutsche Bahn in den vergangenen Jahren kämpfen musste. So entgleiste im Sommer 2008 ein ICE, kurz nachdem er den Hauptbahnhof in Köln verlassen hatte, wegen eines Achsbruchs (siehe Fotostrecke). Dass niemand zu Schaden kam, war reines Glück.

Der Grund für den Unfall war ein Materialfehler, wie sich später herausstellte. Für diesen trug die Bahn einem Gutachten zufolge zwar keine Verantwortung - trotzdem sind die Folgen gravierend. Weil bei Dutzenden Zügen Untersuchungen angestellt, Prüfintervalle verkürzt und Achsen ausgetauscht werden müssen. Ein Mammutprojekt.

Fotostrecke

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Technik bei der Bahn: Pleiten, Pech und Pannen

Neben den Problemen beim ICE wurden im Sommer vergangenen Jahres auch ungeheuerliche Zustände bei der Berliner S-Bahn bekannt, einer Bahntochter, wo über Jahre Kontrollen und Sicherheitsmaßnahmen vernachlässigt wurden (siehe Fotostrecke). Im Winter schließlich sorgten Frost und Schnee für einen monatelangen Ausnahmezustand auf den Schienen im Nah- und Fernverkehr. Die Bahn entschuldigte sich auch diesmal - mit einem Schreiben an Stammkunden und mit Gutscheinen.

Schneegriesel im Kabelkasten

Der jüngste Skandal um den ICE demoliert nun erneut den Ruf des Staatskonzerns. Die Bahn scheint mit dem Zug, der einst als Hoffnungsträger gefeiert wurde, einfach kein Glück zu haben. Denn Ärger macht er schon lange. Seit zehn Jahren empören immer wieder defekte und verstopfte Toiletten die Passagiere, etwa in den ICE der dritten Generation, oder defekte Kupplungen legen den Betrieb lahm. Kürzlich riss bei voller Fahrt eine Tür aus der Verankerung. Ein einmaliger Vorfall, so hieß es später bei der Bahn. Und trotzdem einer, der Angst macht.

Vor allem in Extremsituationen erweist sich der weiße Pfeil als labiles Gefährt. Nicht nur im Sommer, wie am vergangenen Wochenende. Im Winter etwa, bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und weit darunter, mussten Bahn-Kunden lange warten, weil viele ICE wegen Triebwagenschäden oder vereisten Oberleitungen Verspätung hatten - oder überhaupt nicht kamen.

Im vergangenen Winter kam es noch aus anderen Gründen zu massenhaften Zugausfällen: Feiner Schneegriesel hatte laut ARD-Magazin "Kontraste" in den Kabelkästen am Unterboden für Kurzschlüsse gesorgt, weil die Belüftungsöffnungen verstopft waren, die das Kondenswasser ableiten sollen. Ein Problem, das nach Einschätzung von Experten hätte vermieden werden können - entweder durch eine bessere Konstruktion oder durch häufige Wartung.

Die Probleme sind bekannt

Identifiziert sind viele Schwachstellen längst. Probleme mit Klimaanlagen etwa sind längst bekannt. Fatal in Hitzezeiten: Wenn die Anlage ihren Dienst einstellt, wird die Lüftung des betroffenen Waggons insgesamt gestoppt - der heizt sich dann entsprechend schnell auf. Fenster können aber nicht geöffnet werden.

Noch gefährlicher sind die Probleme mit den Achsen. Sie sind aus hochfestem Stahl gefertigt, damit der Durchmesser der Radsatzwelle geringer gehalten werden kann. Das spart Gewicht. Die Achsen sind trotzdem stabil - so lange alles normal läuft. Bei Schäden durch einen Steinschlag oder Rost aber breiten sich Risse schneller aus.

Nach dem Achsbruch im Hauptbahnhof Köln musste die Bahn die Inspektionsintervalle deshalb drastisch verkürzen, um etwaige Haarrisse rechtzeitig aufzuspüren. Der Konzern erklärte damals, dass er sich Regressansprüche gegen das Herstellerkonsortium vorbehalte.

Haarrisse stellten die Kontrolleure laut ARD-Magazin "Kontraste" vom Januar mehrmals auch an den Bremsscheiben mancher ICE fest. Ein Mangel, den die Bahn nach Recherche der Autoren teils mit problematischen Mitteln behebt: Angeblich wird die entsprechende Bremse stillgelegt und die Höchstgeschwindigkeit anschließend limitiert. Die Bahn bestritt die Vorwürfe nach Ausstrahlung der Sendung vehement. Es würden nur sichere Züge die Werke verlassen, hieß es. Allenfalls sogenannte Komfortreparaturen, beispielsweise das Instandsetzen defekter Kaffeemaschinen, würden in Einzelfällen zugunsten der Fahrzeugverfügbarkeit zurückgestellt.

Geschwindigkeit vermindern für mehr Sicherheit

Auf Nachfrage der Fernsehjournalisten sagte der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Klaus-Dieter Scheurle (CDU), zu dieser Vorgehensweise jedoch: "Dem wird, glaube ich, Rechnung dadurch getragen, dass eben die Geschwindigkeit vermindert wird, so dass die Sicherheit wieder eingehalten werden kann. Die Sicherheit hat wie gesagt, Vorfahrt, es bedingt aber natürlich eine entsprechende Verspätung des Zuges."

Hehre Versprechen, wütende Warnungen

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Kay Mitusch vom Karlsruher Institut für Technologie glaubt, dass bei der Bahn immer wieder improvisiert werden muss. "Seit Bekanntwerden des Achsproblems und der verkürzten Inspektionsintervalle kommen die Werkstätten mit der Arbeit kaum nach", erklärt Mitusch. Die Flotte der Bahn sei entsprechend ausgedünnt. Und damit steige der Druck erheblich, "umso mehr, wenn man in Rechnung stellt, dass jetzt Hauptreisezeit ist". Vor allem "die Wartungsarbeiten an den nicht-sicherheitsrelevanten Aggregaten wird nicht selten zurückgestellt, um den Zug wieder in Dienst stellen zu können", sagt Mitusch unter Berufung auf Aussagen von Technikern der Bahn. Der Konzern selbst weist diese Darstellung zurück. Alle Züge würden stets korrekt kontrolliert.

Nie so viele Zugausfälle erlebt

Die Fahrgastvereinigung Pro Bahn behauptet, auch das jüngste Hitzedesaster habe sich seit Tagen angekündigt, ohne dass der Konzern reagierte. Bereits seit Beginn der Hitzewelle seien Klimaanlagen in ICE-Zügen zwischen Berlin, Köln und Düsseldorf ausgefallen. "Den Zugbegleitern war das längst bekannt. Am Samstagabend freute sich eine Zugbegleiterin in Berlin richtig, dass nur ein Wagen nicht gekühlt war und genügend Platz für alle Fahrgäste vorhanden war", erzählt Pro Bahn-Vertreter Rainer Engel. Auch die Werkstätten wüssten vermutlich sehr genau über den schlechten Zustand der Züge Bescheid.

Engel sieht auffällige Parallelen zum ICE der ersten Generation, bei dem sich im Vorfeld einer Grundrevision die Störungen massiv häuften. Eine solche Grundrevision stehe jetzt auch für die aktuell am stärksten betroffenen ICE-2-Züge an. "Wahrscheinlich wollte man die Sachen dann in einem Aufwasch erledigen", schätzt Engel.

Auch diesen Verdacht weist die Bahn entschieden zurück: "Alle Züge werden, bevor sie morgens rausfahren, genau nach Vorschrift überprüft", erklärt Technik-Sprecher Hartmut Sommer. Dass dabei die Wartung der Klimaanlagen ausgespart worden sei, könne er sich nicht vorstellen.

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 141 Beiträge
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Seite 1
inqui 13.07.2010
1. inqui
Ist doch eh alles ein Paradoxon. Da wird sich totgespart in Unterhaltung und Wartung auf der einen Seite und dann sich mit so einem Prestigeobjekt schmücken. ICE aussen hui innen pfui. Fesch sieht er aus allerdings mit unterdimensionierten Klimaanlagen und putzige Räderchen. Die Lobby er Autoindurstrie legt auch kein gesteigerten Wert auf ne erfolgreiche Bahn und damit auch nicht der Verkehrsminister. Dann kommt sowas dabei heraus. Das Volk ist egal. Jetzt noch ein bischen heisse Luft fächern in 1 Woche ist alles vergessen und es bleibt alles beim alten und das Volk kuckt wieder blöd aus der Wäsche.
Beduine, 13.07.2010
2. Genial passend: die Sparkassenwerbung...
... in der zur Kundenggewinnung die Frage diskutiert wird: Service oder bunte Fähnchen. Als die Kosten für den Service vorgerechnet wurden, entschied man sich lieber für die bunten Fähnchen. So scheint es auch bei der Bahn zu sein: Fahren auf Verschleiß. Wartungsintervalle strecken. Kurzfristig Kosten sparen. Stattdessen: Sponsoring hier, Glitzerbahnhöfe da, und Michael Ballack als Testimonial verpflichten. Als ob ich bei meinem Auto die Reifen nicht alle 80.000 Kilometer wechsle, oder wenn das Profil runter ist, sondern erst, nachdem der Reifen geplatzt ist.
Pelayo, 13.07.2010
3. !
Zitat von sysopDer ICE war einst der Hoffnungsträger der Bahn, nun erweist er sich als Imagekiller. Kaputte Achsen, Kälte-Chaos im Winter, Hitze-Katastrophe im Sommer: Der Pannenzug sorgt immer wieder für negative Schlagzeilen. Dabei hätte die Bahn die meisten Probleme verhindern können. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,706073,00.html
Könnte das evtl. mit dem bei der Bahn herrschenden Börsen- und Privatisierungswahn zusammenhängen, der aus dem Unternehmen möglichst viel Profit mit möglichst wenig Aufwand herauspressen möchte?
loncaros 13.07.2010
4. t
Mehdorn hat mehr Menschen von der Schiene auf die Straße befördert als es die Automobilindustrie je zu träumen wagte. Es ist unglaublich wie leer sogar unser RE zwischen NM und N nach Feierabend ist, obwohl die Autobahnanbindung so weit weg ist dass man mit Auto länger fährt.
K1llaH 13.07.2010
5. muhahaha
werde nie die dollen dummdreisten werbesprüche und anekdoten vergessen, die politiker und bahnfuzzies auf und ab geblasen haben, auf die Frage warum man denn nicht den bereits bekannten und fahrenden TGV aus Fr. nicht genommen habe..... 20 Jahre später erntet man eben, was man gesät hat. Persönlcih kann ich nur sagen : Ich mußte mal 12 Monate jedes WE 2 mal mit der Bahn fahren über längere Strecke. Zunächst nur drei Monate mit dem ICE I damals : In drei Monaten schwamm drei mal die Kacke anderer Reisender durch den Flur. Das war echte Weltklasse. Jede dritte Fahrt war mehr als 10 Min. verspätet. Kaum zu Toppen. Der Witz : Die anderen neun Monate Bahnjuckeln liefen dann mit Altzügen ab die zwar klapperten, aber es hat gefunzt, nur drei weitere Verspätungen in neun Moanten. So viel zur umjubelten Siemens-ICE-Technik. Nach den 12 Monaten Zwangsbahnfahren (Bundeswehr&kein Führerschein) bin ich weitere 10 Jahre lang überhaupt keine Bahn mehr gefahren, woran das wohl lag.
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