Bieterkampf um Klinikkette Zwei Milliardäre ringen um Paracelsus

Im Bieterkampf um die insolventen Paracelsus-Kliniken steht der Verkauf kurz bevor. Der Asklepios-Konzern und ein Industriellensohn liefern sich ein Rennen. Mitarbeiter haben einen klaren Favoriten.

Paracelsus-Klinik Osnabrück
DPA

Paracelsus-Klinik Osnabrück

Von


Der Verkauf der insolventen Klinikkette Paracelsus ist zum Bietergefecht zweier Milliardäre geworden. Um das Unternehmen ringen nach SPIEGEL-Informationen mittlerweile nur noch der Krankenhauskonzern Asklepios von Eigentümer Bernard große Broermann und die Beteiligungsfirma von Felix Happel, Sohn des in der Schweiz lebenden Industrieunternehmers und Multimilliardärs Otto Happel. Sie haben sämtliche andere Kaufinteressenten, darunter den Klinikbetreiber Helios und Finanzinvestoren, ausgestochen.

In Kürze wird bei Beteiligten eine Entscheidung erwartet. Schon jetzt aber machen Mitarbeiter von Paracelsus mobil - gegen Asklepios. Viele hoffen auf einen Zuschlag für die Beteiligungsfirma Porterhouse des Mittdreißigers Felix Happel. Dessen Großvater hatte einst den Maschinenbaukonzern GEA gegründet, den sein Vater lange weiterführte.

Felix Happels Investmentholding aus Luzern wirbt damit, bei ihr stehe "nicht die kurzfristige Gewinnmaximierung, sondern die langfristige Begleitung und Entwicklung unserer Unternehmen im Sinne unserer mittelständischen Tradition" im Vordergrund. Happel, so berichten Kenner der Familie aus der Schweiz, gilt als agiler und zugleich vertrauenswürdiger Investor.

Milliardärsspross Felix Happel gewinnt Belegschaft für sich

Damit hat er offenbar auch das Vertrauen der Paracelsus-Betriebsräte gewonnen. In einer Sonderinformation für die Beschäftigten betonte der Gesamtbetriebsrat: "Der Investor Porterhouse ist durch die Häuser gegangen und hat auch mit den Beschäftigten gesprochen. Das hat einen guten Eindruck gemacht, da der Investor Interesse an den Beschäftigten gezeigt hat." Porterhouse werde den Konzern langfristig eigenständig weiterentwickeln und stehe laut eigener Aussage auch für Tarifverträge.

Etwa 5200 Menschen beschäftigt die Klinikkette aus Osnabrück, die in mehr als 40 Einrichtungen und an 23 Standorten, darunter Akutkrankenhäuser und Rehakliniken, arbeiten. Nun fürchten viele von ihnen, dass Asklepios Paracelsus übernimmt und intern aufspaltet. Das wäre genau das, was der Sachwalter und die Betriebsräte bislang zu verhindern versuchen.

Die Paracelsus-Kliniken mussten wegen Zahlungsunfähigkeit einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung stellen. Kurz vor Weihnachten erfuhren die Mitarbeiter von der desolaten Lage. Mehrere Klinikstandorte hatten hohe Verluste angehäuft, die das Unternehmen nicht verkraftete.

Dennoch zählt Paracelsus zu den interessantesten Übernahmekandidaten. Denn es werden kaum noch Kliniken privatisiert und es sind kaum verkäufliche Klinikbetreiber auf dem Markt. Einen dreistelligen Millionen-Euro-Betrag müssen Interessenten bereitstellen, damit die Gläubiger zumindest zum Teil abgefunden werden können.

Skepsis an Plänen von Asklepios

Nicht ohne Grund dürfte sich der Milliardär große Broermann gerade in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" nach langer Zeit öffentlich geäußert und dabei kräftig Eigenlob betrieben haben. In dem Gespräch ließ der Asklepios-Eigentümer Sätze fallen wie: "Wir sind langfristig orientierte Käufer mit einer langen und erfolgreichen Geschichte im 'Turnaround-Management' von Kliniken."

Im Krankenhaus seien die Gehälter, gemessen an der Arbeitsbelastung, zu niedrig, monierte der Asklepios-Eigentümer sogar. Die Schuld allerdings liege an der Gesundheitspolitik. Es sei mehr Geld nötig, um die Pflegekräfte besser zu bezahlen. Konzerninsider wundern sich über diese Ansichten. Asklepios sei wirtschaftlich durchaus in der Lage, bessere Löhne zu zahlen - das passiere nur nicht, heißt es dort.

Bernhard große Broermann
DPA

Bernhard große Broermann

Ver.di lehnt deutschen Klinikkonzern als Käufer ab

Bei der Gewerkschaft Ver.di verfangen die Sprüche daher nicht. Schon lange wird Asklepios zu viel Renditehunger vorgeworfen - auch auf Kosten der Belegschaft. "Wir wünschen den Paracelsus-Beschäftigten nicht, dass ihr Konzern an Asklepios verkauft wird", sagt Ver.di-Bundesvorstand Sylvia Bühler.

Ein guter Arbeitgeber habe einen Tarifvertrag, biete gute Ausbildungs- und Arbeitsbedingungen, bezahle angemessen, agiere im Interesse von Beschäftigten und einer guten Gesundheitsversorgung. "Wenn man das mit der Realität bei Asklepios abgleicht, liegt es auf der Hand: Wenn bei der Auswahl des zukünftigen Eigentümers die Belange der Beschäftigten nicht ausreichend berücksichtigt werden, kommt es voraussichtlich zu einer Abstimmung mit den Füßen."

Zugleich fürchten die Mitarbeiter von Paracelsus, dass Asklepios ihre Firma kaufen und den Reha-Teil in die konzerneigene Tochter Mediclin auslagern dürfte. Damit wäre ein Ziel von Sachwalter Rainer Eckert, der Paracelsus in eine neue Zukunft überführen soll, nicht erreicht. Er will das Unternehmen nach bisherigem Bekunden wenn möglich in Gänze erhalten und eine Mitarbeiterflucht verhindern.

Für Milliardärssohn Happel wäre Paracelsus in Deutschland die erste Plattform, auf der er in den Gesundheitsmarkt hierzulande einsteigen könnte. Für seine Firma Porterhouse würde es daher keinen Sinn machen, die Klinikkette zu zerschlagen - sondern eher, sie zu vergrößern.

Vertrauliche Informationen


insgesamt 51 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
liany 19.04.2018
1. Klinken gehören in die öffentliche Hand
Und sollten nicht zum Spekulationsobjekt verkommen.
paula_f 19.04.2018
2. zu wenige vom Typ Gunter Sachs
humorlose Erben haben heute anscheinend nur ein Hobby Geld verdienen. Und deren Pläne für die Zukunft noch mehr Geld verdienen. Wir brauchen besseren Schutz für die von uns allen bezahlte Infrastruktur und mehr Schutz für Arbeitnehmer vom Assistenzarzt bis hin zum Klinikpersonal. Das Hobby der Erben ist zudem mit wenig Aufwand verbunden - sie lassen es durch Betriebswirte und Anwälte erledigen.
wasistlosnix 19.04.2018
3. @1
Wenn alle Kliniken runtergewirtschaftet sind und sich kein Käufer mehr dafür interessiert, da ja keine Rendite zu erwarten ist. Dann wird wohl die öffentliche Hand einsteigen müssen um die Versorgung aufrecht zu erhalten. Bezahlen tut das dann natürlich der Steuerzahler und nicht diejenigen die Gewinne gemacht haben. Vergleichbares erlebt Europa gerade bei der Wasserversorgung.
xvxxx 19.04.2018
4. Egal welcher Investor...
An den Kernmechanismen wird das nichts ändern: Wenn ein Unternehmen Pleite gemacht hat hatte es entweder zu hohe Kosten oder zu niedrige Einnahmen oder beides. Und nur an diesen Ecken kann ein Investor, welcher auch immer schrauben. Und das Ziel wird immer sein, irgendwie die Gewinnzone zu erreichen.
tombadil1 19.04.2018
5. Kliniken sollten keine Gewinne erwirtschaften müssen
Deshalb gehören sie auch in öffentliche Hand. Zur Not sollte der Staat dann Kliniken unterstützen, wenn sie nicht genug Einnahmen generieren um ihre Kosten zu decken anstatt auf Kosten der Qualität und vor allem auf dem Rücken der Beschäftigten Ärzte, Krankenschwestern und Pflegern Geld zu sparen. Es wird in Deutschland so viel Geld für unnötiges ausgegeben, da wäre es im Gesundheitssystem deutlich besser aufgehoben.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.