Insolvente Kette Paracelsus-Kliniken locken hochkarätige Kaufinteressenten

Um die insolvente Klinikkette Paracelsus bahnt sich ein Bieterkampf an. Nach SPIEGEL-Informationen sind Konzerne wie Asklepios und eine Reihe von Investmentfirmen interessiert.

Paracelsus-Kliniken in Osnabrück
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Paracelsus-Kliniken in Osnabrück

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Es war der Schreck für rund 5200 Mitarbeiter: Wenige Tage vor Weihnachten verkündeten die Paracelsus-Kliniken die Insolvenz. Nun scheint eine Rettung nah. Die heruntergewirtschaftete Kette lockt eine Reihe Kaufinteressenten an. Mehr als hundert Investoren sind nach SPIEGEL-Informationen an einer Übernahme interessiert. Es lägen bereits mehrere unverbindliche erste Gebote vor, heißt es in Investmentkreisen.

Der mögliche Bieterkreis ist bunt gemischt. Zu den Interessenten zählen den Angaben zufolge Klinikkonzerne wie etwa Asklepios und Helios, auch Finanzinvestoren wie Carlyle und Cinven schauten sich Paracelsus genau an. Die Unternehmen wollten dies nicht kommentieren.

Milliardärssprössling Happel soll auch Interesse haben

Darüber hinaus hätten mehrere Firmen, die das Vermögen reicher Familien verwalten, Paracelsus ins Visier genommen - darunter eine Beteiligungsfirma aus der Familie des in der Schweiz lebenden Multimilliardärs Otto Happel, einstiger Eigentümer des von seinem Vater gegründeten Maschinenbaukonzerns GEA.

Dessen Sohn Felix Happel investiert mit seiner Luzerner Holding Porterhouse in mittelständische Unternehmen. Nun habe er auch die Paracelsus-Kliniken im Blick, heißt es laut Insidern.

Sie würden gut in Happels Portfolio passen: Er schaut bei neuen Beteiligungen vor allem "auf Unternehmen, die auf menschliche Grundbedürfnisse eingehen" - eines davon sei Gesundheit -, umreißt seine Firma Porterhouse die Investmentziele. Ein Sprecher der Familie Happel lehnte einen Kommentar ab.

Die Paracelsus-Kliniken mussten wegen Zahlungsunfähigkeit Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung stellen. Nun stehen die mehr als 40 Einrichtungen und 23 Standorte, darunter Akutkrankenhäuser und Rehakliniken sowie der Firmensitz in Osnabrück zum Verkauf. Mehrere Klinikstandorte hatten zuvor hohe Verluste angehäuft, die das Unternehmen nicht mehr verkraftete.

Schon zu Jahresanfang war klar geworden, dass ein Stellenabbau in mehreren Kliniken droht. Rund 400 Jobs fallen nach jetzigem Stand weg. Der als Generalbevollmächtigter ernannte Reinhard Wichels, der dem Unternehmen als Interimschef eine Zukunftschance erhalten soll, hatte im Dezember betont: "Das Unternehmen hat das Potential, im Ganzen zusammenzubleiben."

Dreistelliger Millionenbetrag

Schon in den nächsten Wochen erwarten Investoren eine Entscheidung über einen neuen Eigentümer. Erste Einblicke in die Firmenunterlagen seien bereits möglich. Das bestätigte auch eine Sprecherin der Paracelsus-Kliniken. Es gebe zahlreiche Interessenten und die Angebotslage sei gut.

Eigentümer Manfred Georg Krukemeyer will die gesamte Klinikkette in einem Stück losschlagen, denn laut Konzernkennern benötigt er das Geld dringend, um die Gläubiger von Paracelsus auszuzahlen. Mit einem dreistelligen Millionenbetrag könne er rechnen, schätzen Investoren. Die Parcelsus-Kliniken zählen zu den zehn größten privaten Krankenhausbetreibern Deutschlands.

Krukemeyer, Facharzt für Chirurgie, hatte die Paracelsus-Kliniken einst von seinem Vater übernommen, der die Gruppe Ende der Sechzigerjahre gegründet hatte. In Interviews geißelte Krukemeyer oft die zunehmende Geschäftemacherei im Gesundheitswesen. Er rühmte sich auch, Kliniken am Leben erhalten zu haben, obwohl sie unrentabel waren und ihn viel Geld kosteten. Offenbar ist seine Rechnung nicht aufgegangen. Mehrfach musste Krukemeyer schon um die Existenz des Familienkonzerns kämpfen - doch nie war es so weit gekommen wie jetzt.



insgesamt 32 Beiträge
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ex-optimist 04.04.2018
1. Stück für Stück
wird das deutsche Gesundheitssystem verramscht an dubiose Konzerne oder "Finanzinvestoren". Früher gab es gut funktionierende Orts-, Kreis- und Landeskrankenhäuser. Doch seit Jahrzehnten wird das Volk einteignet, damit die Spezls und Auftraggeber der "Politiker" hohe Gewinne erzielen können. Nicht durch den Betrieb, sondern durch billigen Einkauf, Auspressen und zum Schluß Abstoßen per Insolvenz. Ein durch und durch korruptes System.
nic 04.04.2018
2. bahnt sich ein Bieterkampf an
Kann ich mir vorstellen. Wo kann man sonst so einfach abzocken. Ah, bei Kaufhof vielleicht.
Roberto.Geissini 04.04.2018
3. Na wunderbar
Krankenversorgung und Krankenhäuser in den Händen von Heuschrecken....gehts noch perverser? Sowas sollte stattlich verboten werden, kranke Leute zum Spekulationsobjekt von Investoren zu machen.
blabla55 04.04.2018
4.
Das deutsche Gesundheitssystem als Gelddruckmaschine.Es sind ja nicht nur die Kliniken,Pflege,Altenheime usw.Alles wird zu Geld gemacht.Der Mensch als Wert-Objekt.
unky 04.04.2018
5. Bieterkampf der Abzocker
Auf der Strecke bleiben die Patienten, denn die neuen Herren werden maximalen Profit erwirtschaften wollen. Und das kann man nur, wenn man an den ärztlichen Leistungen und an der Pflege massiv spart. Dieses ganze System der Privatisierung des Gesundheitswesens ist pervers und menschenfeindlich. Man kann in einer Gesellschaft nicht alles dem Maximalprofit unterordnen, wenn man sie nicht zerstören will. Unseren Politikern scheint das egal zu sein.
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