Fusion Bertelsmann schafft den weltgrößten Buchverlag

Die Megafusion von Random House und Penguin ist besiegelt: Unter der Führung von Bertelsmann entsteht der größte Buchverlag der Welt, mit drei Milliarden Euro Umsatz und 15.000 Neuerscheinungen pro Jahr. Zuletzt musste noch ein eher kleinlicher Streit beigelegt werden.

Bücher von Random House und Penguin: Weltgrößter Buchverlag entsteht
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Bücher von Random House und Penguin: Weltgrößter Buchverlag entsteht


Gütersloh - Die Fusion von Random House und Penguin zum größten Publikumsverlag der Welt ist besiegelt. Seit dem 1. Juli sind die unterzeichneten Verträge gültig, wie Bertelsmann am Montag in Gütersloh mitteilte. Das Medienunternehmen hält 53 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen mit dem Namen Penguin Random House. Penguin-Mutter Pearson hat 47 Prozent.

Der Verlag umfasst alle Einheiten der bisherigen Töchter in den USA, Kanada, Großbritannien, Australien, Neuseeland und Indien. Das Random-House-Geschäft in Spanien fließt ebenso in den Verlag ein wie die Penguin-Aktivitäten in Asien und Südafrika. Nicht betroffen ist dagegen das Deutschland-Geschäft von Random House.

Vorstandsvorsitzender des neuen Großverlages ist Markus Dohle. Er führt fast 11.000 Mitarbeiter mit einem Umsatz von drei Milliarden Euro. Dohle bleibt auch Chef der unabhängigen deutschen Sparte.

Bertelsmann-Vorstandschef Thomas Rabe sprach von einem historischen Datum für das Unternehmen. "Vor 178 Jahren hat alles mit dem Buch angefangen. Seit dem 1. Juli 2013 führen wir den größten Buchverlag der Welt. Das ist kein normaler Tag für uns", sagte Rabe in Gütersloh.

Bertelsmann hat alle Fäden in der Hand

Das neue Unternehmen wird mehrheitlich von Bertelsmann geführt und fließt auch komplett in die Bilanz ein. "Und wir haben das Recht, den Vorstandsvorsitzenden zu benennen sowie die Mehrheit im Aufsichtsrat. Somit können wir fast alle Entscheidungen auch ohne Pearson fällen", sagte Rabe. Er schränkte aber sofort ein und betonte, wie wichtig ihm einvernehmliche Lösungen seien.

Der letzte offene Punkt bei den Fusionsgesprächen sei der Name des neuen Unternehmens gewesen. "Für mich war das kein Punkt, an dem unsere Gespräche gescheitert wären. Außerdem hat die Marke Penguin gerade im englischsprachigen Raum einen Bekanntheitsgrad von 70 Prozent. Warum sollte der Name dann nicht vorne stehen?", sagte Rabe.

Random House Deutschland bleibt weiterhin eigenständig. Rabe schloss aber für die Zukunft nicht aus, dass die Sparte mit in das jetzt fusionierte Unternehmen einfließt. "Zusammen mit Random House Deutschland wäre unser Anteil einfach zu groß gewesen. Das konnte Pearson so nicht stemmen", sagte der Bertelsmann-Chef. Zwischen beiden Partnern sei für die Fusion kein Geld geflossen.

Für die Integration der beiden Verlagsteile hat Markus Dohle zwei bis drei Jahre Zeit. "Hier haben wir keinen Zeitdruck", so Rabe. Das neue Unternehmen ist in 23 Ländern vertreten. Pro Jahr bringt es mit seinen 250 Verlagstöchtern 15.000 neue Titel auf den Markt. Mehr als 70 Nobelpreisträger stehen bei Penguin Random House unter Vertrag. Darunter Günter Grass (1999), Orhan Pamuk (2006) und Mo Yan (2012). Bestsellerautoren sind unter anderem Dan Brown, Patricia Cornwell, Ken Follett, John Updike und John Grisham.

ade/dpa



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insgesamt 3 Beiträge
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diorder 01.07.2013
1. Neoliberale aller Länder
vereinigt Euch. Nicht nur das Internet ist fest in der Hand der Neoliberalen. Nun auch noch die Verlagswelt, d.h. die bisherigen Mit-Träger der Kultur und der Information. Wichtiger als das, was sie veröffentlichen wird das sein, was gar keine Chance mehr hat vor den Interessen des Multis. Doch davon werden wir gar nichts merken. Die Einheits"kultur" ist nicht weit.
albert schulz 01.07.2013
2. Im Westen nichts Neues
Zitat von diordervereinigt Euch. Nicht nur das Internet ist fest in der Hand der Neoliberalen. Nun auch noch die Verlagswelt, d.h. die bisherigen Mit-Träger der Kultur und der Information. Wichtiger als das, was sie veröffentlichen wird das sein, was gar keine Chance mehr hat vor den Interessen des Multis. Doch davon werden wir gar nichts merken. Die Einheits"kultur" ist nicht weit.
Die Medienkultur ist längst Einheitsbrei. Gerade wird nur der Deckel draufgeschraubt. Es wird keine Medien mehr geben, die dem verordneten Mainstream entgegenlaufen, schon lange nicht mehr. Es handelt sich um Goebbels 2.0, unheimlich progressiv. Irgendwie muß man die Ansichten und Überzeugungen doch in den Griff bekommen, und zwar absolut freiwillig. Was Provider und Verlage seit Jahren im Netz veranstalten an Gleichrichtung ist nachgerade bewunderungswürdig. Dagegen sind die Kommunisten inkompetente Vollidioten gewesen, blutige Anfänger.
quark@mailinator.com 01.07.2013
3. Wer die Köpfe kontrolliert ...
... schon toll, die liebe Konzentration aller Dinge in immer weniger, immer monströseren Konzernen. Hat jemand mal herausgefunden, ab welcher Stufe die Konzerne die reale Macht endgültig haben ? Aber diese Frage ist ja sicher verboten :-(.
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