Personalnot bei der Bahn In Niedersachsen und Westfalen drohen neue Zugausfälle

Harte Geduldsprobe für Bahn-Kunden: Mehr als 30 Regionalzüge sind in Niedersachsen und Westfalen seit Heiligabend schon ausgefallen. Jetzt droht auch noch die Lokführergewerkschaft GDL mit Streiks.

Geschlossene Bahnschranke: "Krankmeldungen nicht leicht zu kompensieren"
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Geschlossene Bahnschranke: "Krankmeldungen nicht leicht zu kompensieren"


Berlin - Kurzfristige Krankmeldungen, Urlaube von Lokführern über die Feiertage: Seit Heiligabend fallen bei der Bahn auf wichtigen Regionalstrecken wegen Personalengpässen zahlreiche Züge aus, erklärte eine Bahnsprecherin am Freitag. Sie reagierte damit auf einen Bericht der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Betroffen sind Strecken in West-Niedersachsen und im angrenzenden Nordrhein-Westfalen.

Zwischen Rheine und Münster fielen der Sprecherin zufolge allein am Donnerstag fünf Züge aus, am Freitag waren es zwei auf der Strecke Emden-Münster. Die Bahn will die Situation zügig verbessern. "Wir sind derzeit dabei, neue Lokführer auszubilden, um gegensteuern zu können", sagte die Sprecherin.

Dem Bericht zufolge sind seit Heiligabend auf der sogenannten Emslandstrecke zwischen Nordseeküste und Münster insgesamt mehr als 30 Regionalexpress-Züge gestrichen worden. Dazu trägt auch bei, dass zahlreiche Bahn-Mitarbeiter derzeit den Arbeitgeber wechseln. Denn ab Dezember 2015 wird die Strecke nicht mehr durch die Deutsche Bahn, sondern durch die Bielefelder Westfalenbahn bedient.

"Kurzfristige Krankmeldungen sind vor diesem Hintergrund nicht so leicht zu kompensieren", sagte die Bahnsprecherin. Für den Ausfall und die Verspätung von Zügen gebe es Entschädigungen.

Lokführergewerkschaft droht mit Streiks ab 15. Januar

Erschwert wird die Lage der Bahn durch eine Streikdrohung der Lokführergewerkschaft GDL. Sie droht mit einem "Arbeitskampf" vom 15. Januar an, um Forderungen der Lokführer nach einem speziellen Versicherungsschutz gegenüber der Deutschen Bahn durchzusetzen. Zudem will sie von der Bahn die Garantie, dass Lokführer nicht mehr in andere Regionen versetzt werden können.

Umstritten ist in den Verhandlungen zwischen beiden Seiten ein sogenannter Demografie-Tarifvertrag. Während die dem Deutschen Gewerkschaftsbund angehörende EVG den Vertrag bereits unterschrieben hat, fordert die zum Deutschen Beamtenbund zählende GDL eine Lizenzverlustversicherung für alle Lokführer. Wer zum Beispiel durch einen Selbstmord auf den Gleisen traumatisiert sei und nicht mehr fahren könne, müsse geschützt werden, forderte GDL-Chef Claus Weselsky.

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) kritisierte hingegen die Streikdrohung der kleineren Lokführergewerkschaft GDL als unsachlich. "Damit versucht die GDL lediglich, Machtpolitik zu betreiben, statt vernünftige Tarifverträge für die Beschäftigten zu vereinbaren", sagte der EVG-Vorsitzende Alexander Kirchner der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Da die GDL inhaltlich nicht punkten könne, lenke sie mit Krawall und "Nebelkerzen" von diesem Problem ab. "Die GDL will Aufmerksamkeit erheischen, auch im Hinblick auf die im Mai stattfindende Betriebsratswahl", sagte Kirchner dem Blatt.

Der Demografie-Tarifvertrag, den die EVG mit der Bahn geschlossen hat, gilt seit April 2013. Der Vertrag biete Bahn-Mitarbeitern eine lebenslange Beschäftigungsgarantie, sagte Kirchner und fügte hinzu: "Das ist einzigartig in Deutschland." Die GDL setze dagegen lieber auf Konfrontation, "statt diese wegweisenden Vereinbarungen auch für die von ihr vertretenen Lokführer abzuschließen".

bos/dpa/AFP



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insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
robert.c.jesse 03.01.2014
1. Alles gut.
Nicht verzagen. Schon jetzt Profalla fragen. Schon ist das Problem vom Tisch.
tomymind 03.01.2014
2. Kurzfristige Krankmeldungen?
Wie läuft das sonst bei der Bahn ab? Kann am 3.02. nicht arbeiten, da ich krank sein werde, Dauer ca 4 Arbeitstage? Ach ja, man beachte das es im Winter zu erhöhten Krankmeldungen kommen kann.
norman.schnalzger 03.01.2014
3. Nützlich machen
Da hat ja der Pofalla eine Anschlussverwendung gefunden oder er könnte auch den Personalengpass fü beendet erklären
hostie64 03.01.2014
4. Wieviele Bahnangestellte bekommt man für einen Pofalla?
Das werden sich sicher viele fragen. Wenn der unsympathische Herr Pofalla neun mal mit der Bahn verhandelt hat, wird er sicher ein unverschämt überzogenes Gehalt ausgehandelt haben. Dieses geteilt durch das Durchschnittsgehalt eines Zugführers ist die Anzahl der Mitarbeiter die man quasi zum Nulltarif haben könnte.
horstr 03.01.2014
5. Kein Problem
Pofalla wird es schon regeln, bei optimistischer Schätzung wird im November wieder ein Zug pünktlich sein!
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