Personalnot: Bahn-Chef Grube verspricht Besserung

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Die Personalprobleme werden die Bahn noch lange beschäftigen. Das kündigte Konzernchef Rüdiger Grube vor dem Bundestagsverkehrsausschuss an. Auch der Sanierungsbedarf des Schienennetzes ist enorm.

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Bahn-Chef Grube: 600 zusätzliche Fahrdienstleiter bis zum Jahresende

Berlin - Wenige Stunden bevor Vorstandschef Rüdiger Grube zum Rapport in den Verkehrsausschuss des Bundestags eilte, trat eine ganze Armada neuer Auszubildender ihren Dienst an. Zu den Hoffnungsträgern zählen auch 330 angehende Fahrdienstleiter, die helfen sollen, die Misere in den Stellwerken zu beheben.

Angesichts der Millionen von Überstunden sind 330 neue Kräfte zwar nur ein schwacher Trost für die chronisch überlasteten Bahnlotsen, zumal die Neuen erst noch die Ausbildung durchlaufen müssen. Doch an diesem Tag im Verkehrsausschuss waren ohnehin eher Symbole gefragt. Die Personalmisere bei der Bahn kam nicht über Nacht, selbst die Ausschussmitglieder wussten bereits von den sich abzeichnenden Engpässen, wie SPD-Obmann Sören Bartol im Anschluss an die Sitzung einräumte. Sie ist Langzeitfolge des rigiden Sparkurses von Hartmut Mehdorn, der die Bahn zwischen 1999 und 2009 rücksichtslos auf Effizienz trimmte.

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Die Spätfolgen, die Grube jetzt unmittelbar zu spüren bekommt, lassen sich nicht einfach so ausbügeln. Immerhin sollen bereits in diesem Jahr rund 600 zusätzliche Fahrdienstleiter die rund 12.500 Mann starke Lotsentruppe verstärken, um zumindest ein weiteres Zugchaos wie unlängst am Mainzer Hauptbahnhof zu vermeiden. In der Fünfjahresplanung der Deutschen Bahn seien weitere 1500 neue Stellen vorgesehen, betonte der Bahn-Chef noch einmal.

Enormer Sanierungsbedarf

Weil rund die Hälfte der 15 Fahrdienstleiter im Mainzer Stellwerk krank oder im Urlaub waren, mussten im August mehrere Wochen lang Züge umgeleitet werden. Der Bahnhof war zeitweise regelrecht vom Netz abgekoppelt. Tausende Pendler verloren wertvolle Zeit, oder mussten sich gar andere Wege suchen, um zur Arbeit zu kommen. Seit Freitagabend erst läuft der Verkehr wieder nach Plan.

Auch die Investitionen für die Instandhaltung des Netzes sollen jetzt wieder großzügiger bemessen werden. 5,8 Milliarden Euro sind es bisher pro Jahr, dabei wären 7,4 Milliarden Euro notwendig, wie eine Kommission der Länderverkehrsminister jüngst feststellte. Von 34.000 Kilometer Schiene stammen mehr als die Hälfte noch aus dem 19. Jahrhundert, sind also hundert Jahre und älter. Brücken, Tunnel, Weichen - der Sanierungsbedarf ist enorm. Grube plädiert deswegen für die Bildung eines Schienenfonds, in den die Einnahmen der DB Netz fließen könnten, aber auch ein größerer Teil der jährlichen Dividende von derzeit 525 Millionen Euro, die die Bahn an den Bund abführt.

Die Mitglieder des Verkehrsausschusses konnten die Ankündigungen von Grube nur achselzuckend zur Kenntnis nehmen. Jedenfalls mochte im Anschluss an die Sitzung niemand den Manager öffentlich in die Haftung nehmen. Die Attacke auf den politischen Gegner gehört dagegen zum Pflichtprogramm. Der CSU-Abgeordnete Karl Holmeier wies der rot-grünen Regierung und Gerhard Schröder die Schuld für die Langzeitfolgen des mehdornschen Sparkurses zu, Bartol dagegen gibt Ramsauer die Schuld, weil der nicht in der Lage gewesen sei, die 500 Millionen Euro Gewinn der DB Netz gegen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zu verteidigen.

Linke fordern Rücknahme der Bahnreform

Die Linke-Abgeordnete Heidrun Bluhm nahm die Sitzung dagegen zum Anlass, gleich die gesamte Bahn-Politik der vergangenen Jahre zu verdammen. Wenn privatwirtschaftliche Interessen im Spiel seien, kämen die der Allgemeinheit zwangsläufig unter die Räder, das habe die Bahnreform eindeutig gezeigt. Doch mit ihrer Forderung nach mehr Staat blieb sie allein an diesem Tag.

Für die Bahn ist das Thema Bahnhof Mainz auch nach dem glimpflichen Verlauf der Verkehrsausschusssitzung nicht abgeschlossen. Auch wenn die Züge wieder nach normalem Fahrplan rollen, bleibt das Eisenbahn-Bundesamt wachsam. "Das Verfahren ist nicht abgeschlossen", sagte Sprecher Moritz Huckebrink am Montag in Bonn. "Wir lassen uns auch weiterhin von der Bahn informieren, was sie unternimmt, um Zugausfälle wie am Mainzer Hauptbahnhof zu vermeiden."

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1. Besserung?
Trollfrühstücker 02.09.2013
Mit einer deutlichen Besserung rechne ich erst, wenn nach Merkels Duzkumpan Mehdorn auch Merkels Duzkumpan und Wunschkandidat Grube den Posten räumt und wir einen Regierungswechsel bekommen. Denn die Bahn leidet nicht nur unter Mißmanagement, sondern sie hat eine idiotische Vorgabe: pro Jahr soll sie eine halbe Milliarde ihres Gewinns beim Bundesfinanzminister angeben. Das Geld fehlt für Personal, Züge, Klimaanlagen und die Instandhaltung des Netzes. Witzigerweise zahlt die Bahn auch alle Steuern, ganz normal - im Gegensatz zu den Fluglinien. Lufthansa, Air Berlin, Ryanair und Co. bekommen pro Jahr über 11 Milliarden Steuersubventionen: - Mineralölsteuerbefreiung für Kerosin - Mehrwertsteuerbefreiung für Kerosin - Bund und Länder übernehmen die horrenden Verluste der Regionalflughäfen und der Katastrophe BER - Die restliche Infrastruktur von der Flugsicherung über das DLR wird mit Steuern gemästet. Wäre die Bahn in einer ähnlich komfortablen Situation wären deren Fahrkarten wohl billiger als die mit unseren Steuern künstlich heruntersubventionierten Flugtickets.
2. aha
spon-facebook-10000297726 02.09.2013
Lügner !!!! mehr brauch man nicht sagen. wie lange will uns die D(oofe) B(ahn) noch für dumm verkaufen? seit jahren klimaanlage geht nicht hier, kein personal da.. blablabla... notorische ausbeutende lügnerfraktion. ich hoffe solche leute werden irgendwann vom lieben gott bestraft.
3.
Robert_Rostock 02.09.2013
Zitat von TrollfrühstückerMit einer deutlichen Besserung rechne ich erst, wenn nach Merkels Duzkumpan Mehdorn auch Merkels Duzkumpan und Wunschkandidat Grube den Posten räumt und wir einen Regierungswechsel bekommen. ...
Oh nein, bitte nicht! Noch mal Rot-Grün, dann gibt es keine Bahn mehr in Deutschland! Der unsägliche Mehdorn wurde unter Schröder installiert und konnte ungestört sein Unwesen treiben, bekam im Gegenteil mehrere Vertragsverlängerungen. Die Jahre der rot-grünen Regierung waren -abgesehen von den Kriegen- die schlimmsten Jahre in der Geschichte der Eisenbahn in Deutschland. Und das schreibe ich, obwohl ich die damals gewählt habe. (Im Gegensatz zu Merkel, die ich auch diesmal nicht wählen werde).
4. so so
Stabhalter 02.09.2013
Zitat von sysopDie Personalprobleme werden die Bahn noch lange beschäftigen. Das kündigte Konzernchef Rüdiger Grube vor dem Bundestags-Verkehrsausschuss an. Auch der Sanierungsbedarf des Schienennetzes ist enorm. Personalnot: Verkehrsausschuss zitiert Bahnchef Grube zum Rapport - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/personalnot-verkehrsausschuss-zitiert-bahnchef-grube-zum-rapport-a-919938.html)
Besserung ,ich habe wohl etwas verschlafen,der Grube ist doch einer der vielen deutschern Manager die hinten und vorne nichts taugen,mann oh mann ich halts im Kopf nicht aus.
5. Auf Effizienz getrimmt?
Chatzi 02.09.2013
Ich glaub ich lese wohl nicht richtig!? Wird es jetzt "effizient" genannt, wenn tausende Pendler sich andere Wege als den Bahnhof Mainz suchen mussten? Ist es "effizient", wenn Bahner in den Vorruhestand geschickt werden, weil sie zu teuer sind und keine neuen Bediensteten nachkommen, ja der Rest die ganze Arbeit erledigen muss? Ach hören Sie mir doch auf mit dieser Heuschrecken-Rhetorik, ich fang gleich an zu kotzen! Mehdorn war nicht erfolgreich, zumindest nicht für die Bahnkunden! Ja, für die Investoren an der Börse, ja klar, für die und sicher auch für Mehdorn, war der imposante Geldregen auf sich selbst sicher effizient! Nach mir die Sintflut, oder so ähnlich!
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Der Konzern
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Mit einem Umsatz von 39,3 Milliarden Euro und weltweit 285.000 Mitarbeitern ist die Deutsche Bahn einer der größten Konzerne des Landes. 2012 machte die Bahn einen Gewinn von 1,5 Milliarden Euro. Jedes Jahr transportiert die Bahn weltweit fast zwei Milliarden Reisende im Fern- und Nahverkehr.
Die Geschäftsfelder
Die Deutsche Bahn bietet neben dem Personenverkehr auch andere Transport- und Logistikdienstleistungen (DB Schenker) an. Gut ein Drittel des Umsatzes erzielt das Unternehmen mit dem Fern- und Nahverkehr und dem Betrieb von Bussen im Stadtverkehr. Der Bereich DB Schenker, in dem unter anderem der Schiengüterverkehr gebündelt ist, trägt rund die Hälfte zum Gesamtumsatz bei.
Der Chef
REUTERS
Rüdiger Grube ist seit Mai 2009 Chef der Deutschen Bahn. Der Top-Manager hat sich von der Hauptschule über eine Berufsausbildung und ein Studium bis an die Spitze des Logistikkonzerns hochgearbeitet. Vor seinem Wechsel zum Staatsunternehmen war er im Vorstand des Autobauers Daimler für die Konzernentwicklung zuständig. Davor arbeitete Grube mehrere Jahre bei der Daimler-Benz Aerospace (DASA), die später im Luft- und Raumfahrtkonzern EADS aufging.