Konjunktur Altmaier sieht Deutschland noch 20 Jahre auf Wachstumskurs

Auf Aufschwung folgt Abschwung, so das eherne Gesetz der Konjunktur. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) will die nächste Flaute möglichst lange hinauszögern - und setzt auf einen Pakt mit SPD, FDP und Grünen.

Peter Altmaier
DPA

Peter Altmaier

Von und


Die Konjunkturdaten der deutschen Wirtschaft könnten derzeit nicht besser sein. Ein sattes Wachstum in Industrie, Handel und Dienstleistungen sorgt für sinkende Arbeitslosenzahlen.

Doch die Wirtschaftskonjunktur entwickelt sich in Zyklen, einem Aufschwung folgt innerhalb weniger Jahre ein Abschwung. Dieser Erfahrung zum Trotz glaubt Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) an ein langfristiges Wachstum der deutschen Wirtschaft um 2 bis 2,5 Prozent pro Jahr. "Ich halte es für möglich, dass wir diesen Wachstumspfad noch für mindestens 15 bis 20 Jahre fortsetzen können, wenn wir die Marktwirtschaft erneuern", sagte Altmaier dem SPIEGEL. (Lesen Sie hier das ganze Gespräch im neuen SPIEGEL.)

Peter Altmaier
Getty Images

Peter Altmaier

Dafür schlägt Altmaier eine Charta der sozialen Marktwirtschaft vor, die er gemeinsam mit anderen Parteien im Bundestag für drei bis vier Legislaturperioden festlegen will. "Die Parteien der Großen Koalition sowie die Grünen und die FDP sollten sich dazu verpflichten, dauerhaft einen ausgeglichenen Bundeshaushalt vorzulegen, auf Steuererhöhungen zu verzichten und die Sozialabgaben unter 40 Prozent der Bruttolöhne zu halten", so Altmaier zum SPIEGEL.

Er will die Hartz-IV-Reform des SPD-Kanzlers Gerhard Schröder gegen Reformpläne unter anderem von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) verteidigen. "Ich halte die Diskussion über ein bedingungsloses Grundeinkommen für einen Holzweg der Wirtschaftspolitik, weil es das Leistungsprinzip schwächen würde, auf dem unser aller Wohlstand basiert", sagte Altmaier.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

Was im neuen SPIEGEL steht, erfahren Sie immer samstags in unserem kostenlosen Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von der Chefredaktion oder den Leitern unseres Hauptstadtbüros in Berlin.

insgesamt 100 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
eunegin 30.03.2018
1. Nutzen für wen?
Ein abenteuerlicher Blick in die Kristallkugel. Schauen wir mal. Aber was wichtiger ist: Wachstum und Wohlstand soll JEDEM zugute kommen, nicht bloß den Bestverdienern. Das alles nutzt nichts, wenn der arbeitende Mittelstand nicht teilhaben darf. Dann wird's auch politisch und gesellschaftlich gefährlich.
thoms1957 30.03.2018
2. Wessen Wohlstand??
Altmaier sagt:Ich halte die Diskussion über ein bedingungsloses*Grundeinkommen*für einen Holzweg der Wirtschaftspolitik, weil es das Leistungsprinzip schwächen würde, auf dem unser aller Wohlstand basiert" Neoliberaler Übersetzer: Altmaier meint: Unser (ich und meinesgleichen) Wohlstand basiert auf dem Leistungsprinzip. (Ihr Arbeitnehmer müsst was leisten, damit ihr mit dem zurechtkommt, was wir Euch zugestehen). Dabei sollen dann möglichst alle Parteien von SPD über Grüne und FDP unter Leitung der CDU mitmachen. Im Klartext: Die seit der neoliberalen Schröderwende praktizierte Wirtschafts- und Sozialpolitik soll möglichst weitere 20 Jahre zementiert werden. Und von den leistungslosen ererbten Milliardeneinkünften der Großaktionäre ist natürlich nicht die Rede. Wer Altmaiers Ansatz nicht so versteht, der ist entweder Profiteur - die brauchen wir nicht - oder ihm/ihr ist nicht mehr zu helfen.
fredotorpedo 30.03.2018
3. Endlich mal langfristig
Endlich mal jemand, der langfrist und Parzeiübergreifend planen will und nicht nur von heute auf morgen bzw. für die nächste Wahl. Hoffen wir, dass er Erfolg hat und die demokratischen Parteien eine gemeinsame Basis dafür finden.
Mach999 30.03.2018
4.
Nicht das bedingungslose Grundeinkommen schwächt das Leistungsprinzip, sondern Hartz 4. Beim Bedingungslosen Grundeinkommen lohnt sich die Arbeit ab dem ersten Euro sowohl für den Berufstätigen, als auch für den Staat, da der Staat ab dem ersten Euro Steuern erhält. Bei Hartz 4 lohnt es sich eben nicht, zu arbeiten, da von jedem Euro erstmal 80ct abgezogen werden. Also besteht eine sehr hohe Hürde, überhaupt zu arbeiten. Außerdem lernen Kinder aus Hartz-4-Familien, dass sich Arbeit nicht lohnt, weil auch Gehälter aus Ferienjobs auf Hartz 4 angerechnet werden. So entstehen Hartz4-Dynastien. Ganz zu schweigen davon, dass man mit Hartz 4 lernt, dass sich spraen nicht lohnt. Wer spart, bekommt weniger Unterstützung als der, der das Geld komplett ausgibt. Kurz: Hartz 4 setzt falsche Anreize und hält Menschen von wirtschaftlich vernünftigem Handeln und vom Arbeiten ab. Ein bedingungsloses Grundeinkommen ist deutlich leistungsfördernder als Hartz 4. Da lohnt sich jeder kleine Job. Von den häufig kolportieren 1000 bis 2000€ halte ich allerdings auch nichts. Das bedingungslose Grundeinkommen sollte ein Grundeinkommen sein und die Grundbedürfnisse decken. Da man - im Gegensatz zu Hartz 4 - aber auch mit kleineren Arbeiten unbürokratisch etwas dazuverdienen kann, ist das auch nicht so ein großes Problem.
Planquadrat 30.03.2018
5. Hat Herr Altmaier
da vielleicht aus dem Kaffeesatz gelesen? Ich sehe das durchaus anders. Die Konkurrenz aus Asien, besonders natürlich China, wird uns auf unserem besten Marktsegment, dem Automobilbau bald sehr zusetzen. Sie werden es schaffen, qualitativ gleichwertige Fahrzeuge zu produzieren, dazu haben sie auch bei den alternativen Antrieben schon jetzt aufgeholt, uns sogar überholt. Und der Rest der Wirtschaft wird immer mehr durch Aufkäufe aus dem Ausland, auch hier wieder besonders aus China, mehr und mehr geschwächt. Und ganz vergessen hat Herr Altmaier auch, dass in absehbarer Zeit eine Rezession droht, die alles bisher dagewesene in den Schatten stellen könnte. Und wie Deutschland danach aussehen wird, kann niemand ahnen. Abgesehen von all den innenpolitischen Problemen, angefangen von der Infrastruktur, Digitalisierung, Bildung, innere Sicherheit bis hin zu einer zunehmenden Arbeitslosigkeit dadurch, dass Migranten ohne Ausbildung sich um die wenigen Arbeitsplätze ohne besondere Fertigkeiten streiten werden. Der Rest fällt in das soziale Netz und wird zunehmende Kosten verursachen. Nein, so optimistisch wie Herr Altmaier sehe ich bestimmt nicht in die Zukunft.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.