Peter Bofinger: Wirtschaftsweiser fordert Lohnplus von fünf Prozent
"Deutschland muss teurer werden": Wirtschaftsexperte Peter Bofinger verlangt im SPIEGEL kräftige Zuwächse bei Löhnen, Renten und Hartz-IV-Sätzen. Das deutliche Plus soll dabei helfen, die Euro-Krise zu entschärfen.
Berlin - Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger hält kräftige Gehaltssteigerungen in Deutschland für unerlässlich. "Fünf Prozent Plus über alle Branchen hinweg sollten es schon sein", sagte der Professor mit Blick auf die anstehende Tarifrunde dem SPIEGEL. In Bofingers happiger Forderung ist ein zweiprozentiger Zuschlag zur Euro-Rettung enthalten.
Eigentlich ergibt sich aus dem Produktivitätszuwachs und der Inflation laut Bofinger nur eine dreiprozentige Lohnsteigerung. "Aber wir können bei Tarifverhandlungen nicht länger so tun, als lebten wir auf einer Insel." Zwar kämen die südeuropäischen Staaten, die seit der Euro-Einführung kräftige Einkommenszuwächse verzeichneten, um Sparmaßnahmen und Reformen nicht umhin. Zwangsläufig würden dort auch die Löhne gekürzt werden. Durch eine kräftige Lohnsteigerung könnten die Deutschen ihrerseits den notwendigen Anpassungsprozess abfedern.
Hintergrund der Forderung: Deutschland würde mit einer solchen Maßnahme an Wettbewerbsfähigkeit verlieren, wodurch Länder wie Italien, Spanien und Frankreich aufschließen könnten. Denn dort sind hohe Gehälter ein massives Problem für die internationale Konkurrenzfähigkeit der Unternehmen. Die unterschiedliche Wettbewerbsfähigkeit einzelner Euro-Staaten gilt als einer der Auslöser für die aktuelle Krise.
Damit Bofingers Projekt "Deutschland muss teurer werden" auch funktioniert, fordert der Wirtschaftsweise ein Fünfprozentplus auf breiter Front. Die Renten müssten genauso zulegen wie die Hartz-IV-Sätze.
Im Hinblick auf einen möglichen Aufschrei angesichts seiner Forderungen sagte Bofinger: "Wir haben nur die Wahl zwischen hässlichen Alternativen: entweder eine zeitweise höhere Inflationsrate bei uns oder eine Deflation in Südeuropa."
Um Verdienstzuwächse in Deutschland war in den vergangenen Wochen eine Debatte entbrannt. Der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Gert Wagner, hatte für Abschlüsse von "im Durchschnitt vier Prozent oder mehr" geworben. Wolfgang Franz hingegen, der Vorsitzende des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, plädierte für niedrigere Lohnabschlüsse im Bereich von zwei Prozent.
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