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Korruptionsskandal in Brasilien: Petrobras macht Milliardenverlust

Petrobras-Logo in Rio de Jeneiro Zur Großansicht
Getty Images

Petrobras-Logo in Rio de Jeneiro

Rekordverlust für Petrobras: Der Staatskonzern meldet den schlechtesten Geschäftsabschluss seit der Firmengründung. Der brasilianische Ölmulti steht im Zentrum einer politischen Korruptionsaffäre.

Der brasilianische Erdölkonzern Petrobras hat 2015 Verluste von umgerechnet 8,6 Milliarden Euro verbucht. Es war der schlechteste Abschluss seit der Firmengründung im Jahr 1953. Schon 2014 hatte Petrobras ein Minus von umgerechnet 6,7 Milliarden Euro verzeichnet.

Abschreibungen in Folge der fallenden Ölpreise, schlechte Bewertungen durch Rating-Agenturen und die Abwertung des Real hätten zum negativen Ergebnis beigetragen, gab das staatlich kontrollierte Unternehmen am Montag bekannt.

Brasilien wird derzeit von einer weitverzweigten Korruptionsaffäre erschüttert, in die dutzende Politiker von Regierung und Opposition verwickelt sind. Ein Großteil der Vorwürfe ist mit den Geschäften von Petrobras verknüpft.

Allein im Zusammenwirken zwischen Petrobras und Baufirmen sollen umgerechnet fast zwei Milliarden Euro falsch ausgewiesen worden sein, um Bestechungszahlungen an Politiker und Parteien abzweigen zu können.

Rousseff soll Spenden von Petrobras-Zulieferern erhalten haben

Die konservative Opposition beschuldigt Präsidentin Dilma Rousseff, ihren Wahlkampf im Jahr 2014 illegal mit Spenden von Petrobras-Zulieferern finanziert zu haben. Auch Rousseffs Vorgänger Luiz Inácio Lula da Silva wird vorgeworfen, in den Skandal verwickelt zu sein. Ihm droht eine Anklage wegen Korruption und Geldwäsche. Konkret geht es um eine Luxuswohnung und einen Landsitz, mit denen Lula geschmiert worden sein soll.

Rousseff ernannte Lula in der vergangenen Woche zu ihrem Stabschef. Er soll ihr helfen, ihre Regierung zu stabilisieren und ihren drohenden Sturz abzuwenden. Die Opposition verdächtigt die Präsidentin, mit der Ernennung die strafrechtliche Verfolgung ihres langjährigen Weggefährten erschweren zu wollen. Sie strengte dutzende Verfahren gegen Lulas Regierungseintritt an.

Im Parlament befasst sich zudem eine Kommission mit einer Amtsenthebung Rousseffs. Diese geht dem Vorwurf nach, Rousseff habe den Haushalt für das Jahr 2014 und für das erste Halbjahr 2015 geschönt. Am Montag forderte die Opposition, in die Arbeit der Kommission auch die Vorwürfe im Zusammenhang mit Petrobras einzubeziehen. Die Vertreter der Regierungsseite sperrten sich dagegen.

ssu/AFP/dpa-AFX

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