Übernahmepläne Peugeot-Chef will mit Merkel über Opel sprechen

Der mögliche Verkauf von Opel an Peugeot stößt bei Bundesregierung und Gewerkschaften auf Skepsis. Peugeot-Chef Tavares will nun persönlich für das Vorhaben werben. Mary Barra, Chefin des bisherigen Besitzers General Motors, ist bereits nach Deutschland gereist.

PSA-Chef Carlos Tavares
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PSA-Chef Carlos Tavares


Der Peugeot-Mutterkonzern PSA Chart zeigen versucht, Zweifel an seinen Übernahmeplänen für Opel zu zerstreuen. PSA-Chef Carlos Tavares sei zu Gesprächen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Gewerkschaften bereit, sagte ein Unternehmenssprecher. Es gehe dem PSA-Chef um eine Öffnung und ein Bündnis. Zuerst hatte die "Bild"-Zeitung über den Vorstoß berichtet.

Bundesregierung und IG Metall hatten sich von den Verkaufsgesprächen zwischen der Peugeot-Mutter PSA und dem Opel-Eigner General Motors (GM) Chart zeigen überrascht gezeigt. Die neue Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) bezeichnete es als "inakzeptabel", dass die beiden Unternehmen vorab Betriebsrat, IG Metall sowie Landes- und Bundesregierung nicht von ihren Plänen informiert hätten.

GM-Chefin Mary Barra wirbt bereits in Deutschland für den geplanten Deal. Barra sei derzeit zu Gesprächen mit dem Opel-Team in der Zentrale in Rüsselsheim, sagte ein Sprecher des Unternehmens am Mittwoch. Dort treffe sie sich mit dem Opel-Aufsichtsratsvorsitzenden Dan Ammann.

Die Konzerne loten nach eigenen Angaben verschiedene Möglichkeiten zur Expansion und Kooperation aus. Es sei jedoch noch ungewiss, ob eine Einigung erzielt werde. Die beiden Autohersteller arbeiten bereits seit 2012 bei verschiedenen Projekten in Europa zusammen und waren zwischenzeitlich auch auf der Kapitalseite miteinander verbunden. Bei einer Übernahme würde PSA zum zweitgrößten Autoproduzenten in Europa hinter Volkswagen Chart zeigen aufsteigen.

Bei Opel stehen nach Einschätzung des Branchenexperten Ferdinand Dudenhöffer Tausende Jobs auf dem Spiel. Vor allem am Stammsitz Rüsselsheim könnten zentrale Einheiten verkleinert oder ganz abgebaut werden, weil ihre Aufgaben im Konzern übernommen werden könnten, betonte Dudenhöffer am Mittwoch. Betroffen wären etwa der Einkauf, der Vertrieb, das Marketing sowie Teile des Entwicklungszentrums. Mindestens ein Drittel der rund 15.000 Jobs in Rüsselsheim stünde bei einer Übernahme zur Disposition.

Verdüsterte Aussichten für deutsche Werke

Die Opel-Produktion würde laut Dudenhöffer voraussichtlich in den ebenfalls nicht ausgelasteten PSA-Autobau eingegliedert. Das lasse sich aus der bisherigen Mehrmarken-Strategie der PSA mit Peugeot, Citroen und DS ablesen. "Es gibt keine Markenwerke, sondern nur Konzernwerke, in denen alle Markenprodukte gefertigt werden", sagte der Direktor des CAR-Instituts der Universität Duisburg-Essen. Die vorhandenen Kapazitäten seien eher zu groß, sodass die Lage für die Opel-Werke in Eisenach und Kaiserslautern sich verschlechtert habe.

Opel hat rund 38.200 Mitarbeiter in Europa, davon mehr als die Hälfte in Deutschland. Das Traditionsunternehmen wurde 1862 in Rüsselsheim gegründet und 1929 vom US-Konzern General Motors übernommen. Die Adam Opel AG hat als GM-Europatochter seit 1999 keinen Gewinn in Detroit abgeliefert und auch 2016 die Rückkehr in die Gewinnzone nicht geschafft. Stattdessen betrug der operative Verlust für 2016 rund 257 Millionen Dollar. Das war immerhin eine deutliche Verbesserung nach 813 Millionen Dollar Verlust im Jahr zuvor.

dab/dpa

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darthmax 15.02.2017
1. Trumpismus
wir beschweren uns darüber, dass Herr Trump die Automobilindustrie in die USA zurückholen will, gleichzeitig zetern wir aber vor der Option eigene Fertigung zu verlieren. Irgendwas passt da nicht.
spaceagency 15.02.2017
2. Schrumpfprozesse sind normal bei Übernahmen
da braucht man nicht überascht zu sein. Opel hatte Jahrzehnte Zeit und vieles verschlafen. Wer Autos Konrad und Adam tauft muss sich nicht wundern
salkin 15.02.2017
3.
Das ist doch positiv wenn hier Arbeitsplätze sozialverträglich abgebaut werden. Es heißt doch immer, dass Deutschland in den kommenden Jahren mehrere Millionen Arbeitskräfte aus Altersgründen mehr verliert als neue dazu kommen. Das entspannt doch den Markt. Da dann weniger Einwanderung nötig ist führt das dann auch zu einer Entspannung auf den Wohnungsmärkten. Wird Deutschland nicht auch immer wegen seines hohen Handelsbilanzüberschusses angegangen? Auch vor diesem Hintergrund wäre eine Reduzierung der Arbeitsplätze in Deutschland hilfreich. Will die Regierung etwa diese Überschüsse durch entsprechende Eingriffe und Subventionen zementieren? Sind die Gewerkschaften mal wieder zu Lohnzugeständnissen bereit? Heuchelei von allen Seiten.
ThieryMZ 15.02.2017
4. Wer denkt denn jetzt...
....noch ernsthaft über den Erwerb eines Opel-Fahrzeuges nach? Der neue Insignia steht vor der Markteinführung - das wird schwierig. Woran liegt es, dass Opel nicht in die Hufe kommt? Produktion zu teuer? Erlös zu niedrig? Falsches Portfolio? Es hat Zeiten gegeben (70er), da überlebte GM durch die Opel-Überweisungen. Was soll der mögliche Verbund mit PSA bringen? Die bauen gerade mal 700Tsd Fahrzeuge mehr als Opel und brauchen dafür ein 4,5fach grösseres Personal...Mathematisch ergibt minus mal minus plus. Wirtschaftlich funktioniert das nicht so....
Techniker70 15.02.2017
5. Opel ist eine Marke von GM (und nicht mehr)
Da ist eigentlich kein Verkauf möglich. Die Modelle werden weltweit entwickelt (z.B. in Korea, in Brasilien etc.), weltweit in irgendeinem GM-Werk produziert und in Deutschland als Opel, in England als Vauxhall und in Brasilien als Chevrolet verkauft. Das jetzt zu Opel noch ein paar Werke gehören ist eher Zufall und dem Umstand zu verdanken, dass die Marke noch offiziell mit ein paar Mitarbeitern unterfüttert werden soll.
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