Pfändungspfusch: US-Staatsanwältin zerrt Großbanken vor Gericht

Fünf große US-Banken müssen sich wegen ihrer Rolle in der US-Hypothekenkrise verantworten: Eine Staatsanwältin verklagte die Bank of America, JPMorgan, Wells Fargo, die Citigroup und Ally Financial. Die Kreditinstitute sollen säumige Schuldner unrechtmäßig auf die Straße gesetzt haben.

Bank-of-America-Filiale in New York: Es geht um Milliarden Zur Großansicht
REUTERS

Bank-of-America-Filiale in New York: Es geht um Milliarden

Boston - Ihr Handeln in der US-Immobilienkrise gilt als fragwürdig, nun holt sie die Vergangenheit ein: Fünf große US-Banken haben sich eine Klage wegen umstrittener Hauspfändungen eingehandelt. Die Generalstaatsanwältin von Massachusetts, Martha Coakley, zerrte die Bank of America Chart zeigen, JP Morgan Chase Chart zeigen, Wells Fargo Chart zeigen, die Citigroup Chart zeigen und Ally Financial am Donnerstag vor Gericht. Sie wirft den Instituten vor, säumige Schuldner unrechtmäßig aus ihren Häusern vertrieben zu haben.

Die Vorwürfe existieren seit Jahren. Die Banken in den Vereinigten Staaten stehen seit langem wegen unsauberer Zwangsvollstreckungen in der Kritik. In der Immobilienkrise soll bei vielen Pfändungen angesichts der schieren Masse nicht einmal mehr ein Sachbearbeiter drübergeschaut haben. Oder die Pfändungen sollen von der falschen Stelle veranlasst worden sein. In wieder anderen Fällen seien Hausbesitzer unzureichend über Umschuldungsmöglichkeiten informiert worden, heißt es.

Die Geldhäuser wehren sich

Seit mehr als einem Jahr feilschen die Großbanken und die Generalstaatsanwälte der 50 US-Bundesstaaten um eine Entschädigung für die enteigneten Hausbesitzer. Es geht um Milliarden Dollar. Das Vorpreschen von Massachusetts könnte diesen Vergleich nun erschweren. Generalstaatsanwältin Coakley verlangt Schadensersatz und Strafzahlungen von den Banken. Die betroffenen Häuser kündigten an, sich mit allen Mitteln wehren zu wollen.

Geplatzte Hypotheken sind ein Riesenproblem in den USA: Die Wirtschaftskrise und die damit einhergehende hohe Arbeitslosigkeit hatten die Zahl der Menschen in die Höhe schnellen lassen, die ihre Schulden nicht mehr zurückzahlen können. Das Problem ist in den USA auch deshalb so groß, weil in den Zeiten des Immobilienbooms bis Anfang 2007 selbst derjenige noch Kredit bekam, der sich eigentlich kein Haus leisten konnte. Diese Geschäftspolitik legte den Grundstein für die Finanzkrise.

Die Generalstaatsanwälte hatten im Oktober vergangenen Jahres ihre Ermittlungen öffentlich gemacht. Im April diesen Jahres hatten unabhängig davon die Bankenregulierer den Kreditinstituten und den beteiligten Dienstleistern eine Reihe von Auflagen gemacht und Strafen angedroht.

Auch die Deutsche Bank war wegen der Pfändungen in die Schusslinie geraten. Sie vertritt als Treuhänder die Interessen von Investoren, die ganze Hypothekenpakete aufgekauft hatten. Ihr Name steht deshalb auf vielen Dokumenten. Mit den eigentlichen Zwangsvollstreckungen hat sie indes nichts zu tun. Diese Arbeit übernehmen spezialisierte Dienstleister, sogenannte Loan Servicer.

yes/dpa-AFX

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insgesamt 11 Beiträge
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1. "Unsauber"
interessierter_leser 02.12.2011
Na ja es geht ja nur um eines der wichtigsten Rechte in einem Rechtsstaat: Das Recht auf Eigentum. Da kann man ja schon mal ein bisschen schlampen... UUUps Haus versehentlich weg. Na ja musst du halt auf der Straße verrecken und deine Kinder gleich mit. Ich würde mal gerne wissen, was passieren würde, wenn man der Oberschicht von Amerika etwas widerrechtlich enteignet hätte: Wahrscheinlich standrechtliche Erschießung...
2. Schreibt die Bankenlobby für SPON?
quer-denken 02.12.2011
"Pfändungspfusch", "Staatsanwältin zerrt arme Großbanken vor Gericht", "unsaubere Zwangsvollstreckungen".... - diese Formulierungen könnten direkt von der Bankenlobby stammen. Häuser werden von Firmen enteignet, denen sie nicht gehören, Leute, die gar keine Hypotheken offen haben, werden enteignet etc. Näher an der Realität wäre wohl der Vorwurf der "kriminellen Vereinigung". Leider werden Taten von White Collar Tätern nur selten ernsthaft verfolgt.
3. einer der Occupy Gründe...
keksguru 02.12.2011
was ich richtig mies finde, ist die Tatsache daß die Banken auch noch einen Deal aushandeln wollen, anstelle vollumfänglich für den Schaden aufzukommen. Meiner Meinung nach ist das ne absolute Schweinerei, Leuten 1% Hypotheken zu verkaufen, die nie im Leben 2% hätten bezahlen können - und dennoch wurden die Verträge weiterverschachert und der neue Kreditgeber wollte dann 4% haben. Teilweise waren es die ursprünglich kreditgebenden Banken , die das gemacht haben. Sowas ist einfach nur unverschämt, fahrlässig und demzufolge - wenn Kriterien der groben Fahrlässigkeit erfüllt sind - ein Grund Regress von der Bank zu fordern.
4. Ein Blick in die Historie hätte gereicht.
Simax 02.12.2011
Zitat von interessierter_leserNa ja es geht ja nur um eines der wichtigsten Rechte in einem Rechtsstaat: Das Recht auf Eigentum. Da kann man ja schon mal ein bisschen schlampen... UUUps Haus versehentlich weg. Na ja musst du halt auf der Straße verrecken und deine Kinder gleich mit. Ich würde mal gerne wissen, was passieren würde, wenn man der Oberschicht von Amerika etwas widerrechtlich enteignet hätte: Wahrscheinlich standrechtliche Erschießung...
Die USA hatten schon mal eine Immobilienkrise - nur hat damals der Staat nicht die Banken sondern die Hausbesitzer über Garantien gerettet. Was jetzt läuft ist ja pervers. Erst werden die Leute rausgeschmissen, und danach werden die Häuser teilweise mit der Planierraupe abgerissen um den Wertverfall der restlichen Häuser zu stoppen.
5. Ob die Staatsanwältin ...
ugt 02.12.2011
... nachher auch Kirschenklau in einem Provinznest abhandelt? Wie es die Staatsanwältin nach dem Zumwinckel-Prozess macht? Bestimmt. Da werden ein paar kleine Bauern geopfert, die Manager telefonieren mit ihrern Freunden im Kongress und das war es. Warum sollten US-Banken und deren Manager anderes sein als griechische, spanische, französiche oder deutsche Banker?
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