London - Die britische Lebensmittelaufsicht Food Standards Agency (FSA) reagiert mit einer umfangreichen Überprüfung auf neue Funde von Pferdefleisch in Lebensmitteln. Laut einem Bericht der britischen "Times" ordnete die FSA an, dass sämtliche Fertiggerichte, die offiziell Rindfleisch enthalten, innerhalb der kommenden sieben Tage getestet werden.
Am Donnerstag war bekannt geworden, dass die Behörde in elf von 18 getesteten Lasagnen der Firma Findus Pferdefleisch entdeckt hatte. Der Anteil betrug laut FSA zwischen 60 Prozent und 100 Prozent. Zwar gebe es keine Hinweise auf ein Gesundheitsrisiko durch den Verzehr der Produkte. Dennoch warnte die FSA davor, die Produkte zu essen. Sie forderte Findus auf, die Gerichte auf das häufig für Pferde verwendete Veterinärmedikament Phenylbutazon zu testen. Damit behandelte Tiere dürfen nicht zu Lebensmitteln verarbeitet werden.
Findus habe sämtliche seiner Lasagne-Produkte aus dem Handel zurückgerufen, teilte die Behörde mit. Verbraucher seien aufgerufen worden, die Findus-Lasagne nicht zu verzehren. Hergestellt wird das Produkt von der französischen Comigel-Gruppe im Auftrag von Findus. Die Supermarktketten Tesco und Aldi zogen deshalb vorsichtshalber ihre Comigel-Ware aus dem Verkehr.
Am Freitagmittag gab Findus zudem bekannt, dass es seine Lasagne auch in Schweden zurückruft. Auch dort war in den Fertiggerichten Pferdefleisch gefunden worden. 20.000 Packungen wurden dem Findus-Manager Henrik Nyberg zufolge aus dem Handel genommen.
In Großbritannien sorgen die Funde seit Wochen für Empörung. Bereits Mitte Januar hatte die Entdeckung von Pferdefleisch in Tiefkühl-Hamburgern von Supermärkten in Großbritannien und Irland für Verunsicherung bei den Verbrauchern geführt. Angeblich sollten die Hamburger aus 100 Prozent Rindfleisch bestehen. Der Hersteller McAdam Food hatte polnische Zulieferer für die verunreinigten Produkte verantwortlich gemacht.
Die FSA-Chefin Catherine Brown sprach laut "Times" von einer "entsetzlichen Situation". Angesichts der zwei Funde innerhalb kurzer Zeit sei es "sehr wahrscheinlich, dass kriminelle und betrügerische Aktivitäten eine Rolle gespielt haben".
Hersteller Findus entschuldigte sich bei seinen Kunden und sagte ihnen zu, den Kaufpreis der betroffenen Lasagnen zu ersetzen. "Wir verstehen, dass dies ein sehr heikles Thema für unsere Kunden ist", sagte ein Sprecher. Man glaube aber nicht, dass die Lebensmittelsicherheit gefährdet sei.
dab/AP/AFP/dpa
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