Rind oder Pferd? EU will DNA-Tests bei Fleisch

Rind steht drauf, Pferd steckt drin: Das ist nicht länger nur ein Problem von Großbritannien. Auch die deutsche Supermarktkette Real entdeckte in ihrer Lasagne Spuren von Pferdefleisch. Die EU-Kommission will Rindfleisch nun in großem Stil auf Pferde-DNA testen lassen.

Schlachtereibetrieb in Rumänien: 2500 Tests noch im März? Zur Großansicht
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Schlachtereibetrieb in Rumänien: 2500 Tests noch im März?

Hamburg/Brüssel - Der Skandal um undeklariertes Pferdefleisch weitet sich aus. Am Mittwochabend bestätigte die Supermarktkette Real als erstes deutsches Unternehmen, dass sie in Stichproben von Tiefkühl-Lasagne der Eigenmarke TiP Anteile von Pferdefleisch gefunden habe. Zahlreiche weitere Ketten wurden offenbar vom französischen Unternehmen Comigel beziehungsweise dessen Luxemburger Tochter Tavola beliefert und könnten damit ebenfalls betroffen sein.

Der Handelskonzern Rewe bestätigte SPIEGEL ONLINE, dass die von Comigel hergestellte "Tavola Lasagne Bolognese" Pferdefleisch enthalten könnte. Die Bolognese sei in etwa 540 Supermärkte des Verbunds Rewe Dortmund geführt worden und vorsorglich aus dem Sortiment genommen worden. Entwarnung gab Rewe dagegen für seine Eigenmarken. "Dem Unternehmen liegen von allen Lieferanten Unbedenklichkeitserklärungen vor, die den Einsatz von Pferdefleisch ausschließen."

Auf die zunehmende Zahl von Verdachtsfällen will die EU nun mit großangelegten DNA-Tests reagieren. Diese sollen klären, ob angebliche Rindfleischprodukte Pferdefleisch enthalten. Die ersten 2500 Gentests könnten den Plänen zufolge im März stattfinden, etwa 200 davon in Deutschland, teilte EU-Verbraucherkommissar Tonio Borg nach einem Krisentreffen von acht beteiligten Staaten in Brüssel mit. Bereits am Freitag sollen Experten aus allen 27 EU-Staaten über den Vorschlag aus Brüssel entscheiden. Ergebnisse sollen Borg zufolge Mitte April veröffentlicht werden.

Die Tests hatten besonders Irland und Großbritannien gefordert, wo im Januar erstmals Pferdefleisch in Tiefkühlkost entdeckt wurde. Er würde die Überprüfung gerne "so schnell wie möglich" sehen, sagte Großbritanniens Landwirtschaftsminister Owen Paterson. Auch der irische Landwirtschaftsminister Simon Coveney hoffte auf europäische Regeln für Gentests am Fleisch: "Wir haben jetzt die Technologie um Lebensmittel zu testen und genau herauszufinden, was drin ist."

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) begrüßte den Vorschlag aus Brüssel. Sie bezeichnete den Fund von Pferdefleisch im deutschen Handel als "krassen" Fall von Verbrauchertäuschung. "Man könnte fast sagen: Es ist eine echte Sauerei", sagte Aigner am Donnerstag im ARD-"Morgenmagazin".

Um sicherzustellen, dass Verbraucher mit dem Fleisch keine Pferdemedikamente zu sich nehmen, will die EU-Kommission eine weitere Testreihe vorschlagen. Dabei sollen die Behörden Pferdefleisch auf mögliche Rückstände des Medikaments Phenylbutazon untersuchen. Das Mittel wird bei Pferden gegen Entzündungen eingesetzt. Es gilt auch als Doping-Mittel im Pferdesport. 1500 in die EU eingeführte Pferdekadaver sollten untersucht werden, zudem 2500 in Europa geschlachtete Tiere.

dab/jdl/dpa/Reuters

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