Pfizer und Allergan Viagra-Hersteller lässt sich von Botox-Hersteller schlucken

Bei der Fusion entsteht der größte Pharmakonzern der Welt: Allergan übernimmt offiziell nun Pfizer und nicht umgekehrt. Der Kniff ermöglicht es den Konzernen, die neuen Regeln des US-Finanzministeriums zu umgehen - und so Steuern zu sparen.

Pfizer-Zentrale in New York: Steuersitz künftig in Irland
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Pfizer-Zentrale in New York: Steuersitz künftig in Irland


Es ist die teuerste Fusion des Jahres in der Pharmaindustrie: Der Viagra-Hersteller Pfizer aus den USA und der für sein Anti-Falten-Mittel Botox bekannte Pharmakonzern Allergan aus Irland verkündeten am Montag offiziell ihren Zusammenschluss. Bei der Fusion entsteht der größte Pharmakonzern der Welt.

Das Geschäft im Wert von rund 160 Milliarden Dollar sei von beiden Verwaltungsräten gebilligt worden. Die Transaktion soll im zweiten Halbjahr 2016 abgeschlossen sein, Aktionäre und Wettbewerbsbehörden müssen noch zustimmen.

Die Fusion birgt vor allem Vorteile für den US-Konzern Pfizer, der offiziell in Allergan aufgehen wird. Heißen soll das fusionierte Unternehmen aber Pfizer. Sitz der Geschäftsleitung soll New York sein, wo das neue Unternehmen auch an der Börse gelistet sein soll. Die Hauptverwaltung wird aber in Irland sitzen.

Schlucken oder schlucken lassen?

Nach Angaben von Brancheninsidern will Pfizer so die neuen Regelungen des US-Finanzministeriums umgehen, mit denen der Aufkauf kleinerer Firmen im Ausland zum Ziel der Steuervermeidung erschwert wird. Ursprünglich wollte der US-Konzern den deutlich kleineren Konkurrenten kaufen und seine Zentrale dann nach Irland verlegen, wo Unternehmen äußerst niedrig besteuert werden. Mit Inkrafttreten der neuen Steuerregeln am vergangenen Donnerstag in den USA ist das deutlich schwieriger. Deshalb änderten die beiden Unternehmen ihre Pläne: Die Transaktion ist nun so gestaltet, dass Allergan mit dem steuerlich günstigeren Firmensitz in Irland formell den größeren Konzern aus New York kauft.

Der US-Konzern Pfizer verfügt über ein großes Auslandsvermögen, das er nicht in die USA zurückholen will, weil er sonst hohe Steuern zahlen müsste. Die Aktionäre von Pfizer werden 56 Prozent des neuen Unternehmens halten, die von Allergan 44 Prozent.

bos/AFP



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