Organisierte Kriminalität BKA soll Hinweise auf systematischen Betrug bei Pflegediensten haben

Pflegedienste sollen die Sozialkassen systematisch betrügen. Medienberichten zufolge prüft das Bundeskriminalamt nun Hinweise auf Strukturen organisierter Kriminalität.

Seniorenpflegeheim in Berlin
DPA

Seniorenpflegeheim in Berlin


Es geht um mehr als eine Milliarde Euro - jährlich: Um diesen Betrag sollen Pflegedienste deutsche Sozialkassen bringen. Der Abrechnungsbetrug sei in den Fokus von Ermittlern des Bundeskriminalamts (BKA) gerückt, berichten der Bayerische Rundfunk und die "Welt am Sonntag". Demnach prüft die Behörde inzwischen Hinweise auf Strukturen organisierter Kriminalität.

Den Informationen zufolge sollen Pflegedienste systematisch mit gefälschten Pflegeprotokollen nicht erbrachte Leistungen abrechnen. Teilweise seien auch Patienten aus den ehemaligen Sowjet-Republiken in den Betrug verwickelt, die dann beispielsweise ihre Pflegebedürftigkeit simulieren und sich den Erlös mit dem Pflegedienst teilen, berichtet die "Welt" mit Bezug auf einen vertraulichen Bericht des BKA weiter.

Demnach verfolgen die mutmaßlich betrügerischen osteuropäischen Banden zudem eine neue Masche und verlagern ihr Geschäft auf lukrative Intensivpflegepatienten. Damit würden sie bis zu 15.000 Euro pro Patient und Monat zu Unrecht aus den Sozialsystemen abzweigen.

"Das Phänomen des Abrechnungsbetrugs mit Pflegediensten von Staatsangehörigen aus der ehemaligen Sowjetunion ist dem BKA bekannt. Wir beobachten es gemeinsam mit den Bundesländern sehr sorgfältig", sagte ein BKA-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur.

Insbesondere den kommunalen Sozialhilfeträgern sowie den gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen - also letztlich der Allgemeinheit - entstünden beträchtliche finanzielle Schäden, berichtet das Rechercheteam. Regionale Schwerpunkte existieren den Recherchen zufolge in Berlin, Niedersachsen und Bayern.

vks/dpa

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Rezessionist 16.04.2016
1. Jatzt weiß es auch das BKA?
Darüber hat Wallraff vor 2 Jahren schon ausführlich berichtet.
sighthound 16.04.2016
2.
...geschieht uns doch recht: wer vor lauter QM- und anderer Regelmanie wie die Bundesrepublik irgendwann mal den Überblick verliert, der wird dann halt von noch schlaueren geschröpft...siehe auch der Skandal über die AKW-Überprüfungen, die ja gar nicht stattgefunden haben, außer auf dem Prüfpapier!
jumbing 16.04.2016
3.
Bei einem Kranken- und Sozialversicherungssystem, das geradezu einlädt zu betrügerischen Aktivitäten, darf man sich nicht wundern, daß diese Möglichkeiten von kriminellen Banden in großem Stil (und von Medizinern in etwas kleinerem Umfang) auch genutzt werden.
scottbreed 16.04.2016
4. ist Normalfall
Ich erlebe das immer wieder im privaten Kreis das Pflegefälle nicht mal die pflegestufe 2 oder 3 bekommen wenn sie Zuhause gepflegt werden... Und kaum sind die pflegefälle im Pflegeheim, dauert das keine 4 Wochen und sie haben alle die pflegestufe 3.. naja klar sie werden ruhig gestellt. Anders kann ich mir das nicht vorstellen... Da gibt es sogar ne Gutes Buch.. Das heißt abgezockt und totgepflegt... Das deckt genau die Erfahrungen die ich gemacht habe und viele meiner Bekannten wo einige auch in Pflegeheimen arbeiten...
Nabob 16.04.2016
5. Das Problem liegt nicht in den Straftaten,
sondern daran, dass im "Wirtschaftssektor" Altenpflege zu kleine Gehälter gezahlt, alte Hilfe bedürftige Menschen nach erbrachter Lebensleistung einschließlich Abgabenentrichtung von diesem Staat, langsam wundert gar nichts mehr, organisatorisch und kostenmäßig ausgeblendet werden. Würde an das Hilfspersonal für diese alten Menschen das berufliche Mindestwissen erhöht werden und würden diese Menschen angemessen bezahlt werden, wären erst einmal diese Altersheime für die Armen (13 Millionen der Bundesbevölkerung), diese Heime wie Nachkriegslazarette, eine Sache der Vergangenheit. Nur wenn die ökonomischen Verhältnisse um den (armen) alten Menschen so ein Desaster bleiben wie es bislang ist, haben kriminelle Bestrebungen eine Aussicht auf Erfolg. Und natürlich muss man auch nachsehen, wo die organisierten Lecks in den Sozialkassen stecken.
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