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18. Februar 2013, 08:33 Uhr

Transparenzkodex

Pharmabranche will Geldflüsse an Ärzte veröffentlichen

Warum und wie viel Geld zahlt die Industrie an Ärzte? Künftig soll hier offenbar mehr Klarheit herrschen. Die Pharmalobby verspricht: Die Zuwendungen an Mediziner werden offengelegt - allerdings erst ab 2016 und nur freiwillig.

Berlin - Kritiker werfen der Pharmaindustrie vor, die Arbeit von Ärzten massiv zu beeinflussen. Nun geht die Branche in die Offensive und verspricht mehr Transparenz: Die forschenden Arzneimittelhersteller wollen ihre Zahlungen an Mediziner offenlegen. Ein freiwilliger Kodex soll Basis für die Offenlegung von Zuwendungen werden, wie der Pharmaverband vfa in Berlin mitteilte.

Bis zum Sommer werde es einen entsprechenden Transparenz-Kodex des europäischen Pharma-Dachverbands EFPIA geben, sagte vfa-Sprecherin Susan Knoll. "Derzeit beraten die Pharmaverbände über die nationalen Grenzen hinweg." Bis Jahresende komme die Umsetzung für Deutschland. "Ab Anfang 2015 sollen alle Daten erfasst und ab 2016 veröffentlicht werden." Schneller gehe es nicht, auch weil die Unternehmen Zeit bräuchten für Umstellung oder Aufbau von Datensystemen.

"Das zeigt, wie ernst es den forschenden Pharma-Unternehmen mit dem Thema Transparenz ist", sagte Knoll. Der Sprecher des Krankenkassen-Verbands, Florian Lanz, hingegen meinte: "Es ist mehr als überfällig, dass die Pharmaindustrie endlich Klarheit schafft, warum und wie viel Geld sie extra an die einzelnen Ärzte zahlt." Er forderte zugleich: "Jede Zahlung an Ärzte oder Krankenhäuser sollte veröffentlicht werden." Patienten müssten sich informieren können, ob sein Arzt für die Verschreibung zusätzliches Geld von einem Pharmaunternehmen bekommen habe.

Der Geschäftsführer der Freiwilligen Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie, Holger Diener, kündigte umfassende Veröffentlichungen an: "Die Spanne reicht von Honoraren für wissenschaftliche Vorträge über Vergütungen für Beratungsleistungen der Ärzte bis zu Einladungen zu wissenschaftlichen Kongressen."

Die Debatte über die Pharmagelder hatte ein Urteil des Bundesgerichtshofs vom vergangenen Sommer ausgelöst. Korruption niedergelassener Ärzte ist demnach nach geltendem Recht nicht strafbar - etwa die Annahme von Zuwendungen für die Verordnung bestimmter Arzneien. Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) hatte eine Gesetzesänderung angekündigt. Danach können Staatsanwälte im Verdachtsfall gegen Ärzte ermitteln. Derzeit laufen nach Ministeriumsangaben die Beratungen.

Der Chef der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, Wolf-Dieter Ludwig, kritisierte: "Europa hat hinsichtlich der Transparenz von finanziellen Zuwendungen an Ärzte und Forschungseinrichtungen spät nachgezogen." In den USA werde ein Register mit allen Zahlungen in diesem Jahr öffentlich. Gefährdet sei das Vertrauen in den Arztberuf. Der geplante Kodex der Industrie könne nur ein erster Schritt sein. Es fehle an Regeln, was erlaubt sei - und an der Umsetzung.

yes/dpa

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