Hamburg - Mehr als 50 Beamte haben am vergangenen Donnerstag insgesamt 17 Objekte des Pharmakonzerns Sanofi-Aventis durchsucht. Darunter die Deutschland-Zentrale ebenso wie etliche Privatwohnungen von Pharma-Managern.
Es besteht der Verdacht, dass Mitarbeiter von Sanofi-Aventis jahrelang Medikamente, deren Verfallsdatum naht, mit Hilfe von Bestechungsgeldern abgegeben haben. Angeblich sollte die Ware über eine Hilfsorganisation nach Nordkorea geliefert werden. Tatsächlich aber landete sie nach SPIEGEL-Informationen meist mit Rabatt bei hiesigen Pharmagroßhändlern wie Gehe. Diese lieferten die Medikamente dann an Apotheken aus, wo sie zu regulären Preisen abgerechnet wurden. Sanofi-Aventis bestätigte eine Durchsuchung seiner Geschäftsräume in Frankfurt am Main und Berlin.
Das Pharmaunternehmen soll allein im Jahr 2010 Medikamente im Wert von mehr als 22 Millionen Euro an den Pharmagroßhändler Multi-Trade-International (MTI) geliefert haben. Dabei handelte es sich meist um Ware mit eingeschränkter Haltbarkeit, für die Sanofi-Aventis einen Rabatt von 20 bis 50 Prozent gewährte. Dies ist nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums aber grundsätzlich verboten: Gemäß Paragraf 78 Abs. 3 des Arzneimittelgesetzes müssen "pharmazeutische Unternehmer einen einheitlichen Abgabepreis sicherstellen".
Staatsanwaltschaft vermutet, dass Schmiergelder bezahlt wurden
Abgewickelt wurden die Rabattlieferungen deshalb über die Nichtregierungsorganisation Viva Westfalen hilft e. V. Eine Unternehmenssprecherin sagte, es handelte sich um große Mengen unterschiedlicher Präparate. Der ehemaligen Pharmamanager Wolfgang Tietze leitet diese Organisation und gehört ebenfalls zu den Beschuldigten. Tietze soll im Auftrag von MTI die Waren geordert haben und dafür gleichzeitig Vermittlerprovisionen von mehr als 200.000 Euro im Jahr von Sanofi-Aventis erhalten haben. Die Staatsanwaltschaft hat den Verdacht, dass es sich dabei um Schmiergelder handelt.
Der deutsch-französische Konzern Sanofi-Aventis ist eines der größten Pharmaunternehmen weltweit und hat nach eigenen Angaben mehr als 105.000 Mitarbeiter in 110 Ländern. Der Hauptsitz in Deutschland ist Frankfurt am Main. Der deutsche Ableger erwirtschaftete nach eigenen Angaben in vergangenen Jahr 4,7 Milliarden Euro Umsatz.
fln/dapd
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