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Nach Korruptionsskandalen: Pharmakonzern Glaxo will Zahlungen an Ärzte stoppen

Der Pharmakonzern GlaxoSmithKline will umstrittene Honorarzahlungen an Ärzte und Vertreter einstellen. Mit Bestechungsvorwürfen in China hat das angeblich nichts zu tun. Man versuche, "mit der sich wandelnden Welt Schritt zu halten".

Büro von GlaxoSmithKline in Shanghai: Ermittlungen in China Zur Großansicht
REUTERS

Büro von GlaxoSmithKline in Shanghai: Ermittlungen in China

New York - Der britische Pharmakonzern GlaxoSmithKline Chart zeigen wird künftig keine Ärzte mehr bezahlen, damit sie vor Kollegen über Produkte des Pharmakonzerns sprechen. Das berichtet die "New York Times" ("NYT") unter Berufung auf Aussagen von Unternehmenschef Andrew Witty. Eingestellt würden zudem Erfolgshonorare für Handelsvertreter, die sich nach der Anzahl verschriebener Medikamente von Glaxo richten.

Die Änderungen sollen bis 2016 weltweit umgesetzt werden. Dann sollen laut einer Mitteilung keine Mediziner mehr im Konzernauftrag vor Publikum sprechen, "die Medikamente verschreiben oder Verschreibungen beeinflussen können". Solche Vorträge waren jahrzehntelang gängige Praxis.

Ab 2015 soll zudem die Bezahlung von Vertretern in Abhängigkeit von der Anzahl verschriebener Medikamente beendet werden. Diese soll in der Vergangenheit zur unangemessenen Empfehlung von Medikamenten geführt haben. Wegen umstrittener Werbung für eine Diabetes-Pille und zwei Antidepressiva hatte Glaxo im vergangenen Jahr eine Rekordstrafe von drei Milliarden Dollar gezahlt.

Derzeit werfen chinesische Behörden dem Pharmakonzern vor, mit Bestechungszahlungen von fast 400 Millionen Euro seine Verkäufe angekurbelt zu haben. Glaxo-Chef Witty wollte sich nicht zu den noch laufenden Ermittlungen äußern. Er sagte aber, es gebe keine Verbindung zu den jetzt angekündigten Änderungen. Diese seien Teil des seit Jahren laufenden Bemühens, "mit der sich wandelnden Welt Schritt zu halten".

Pharmakonzerne stehen auch in den USA unter wachsendem Druck. So müssen sie im Zuge der US-Gesundheitsreform ab kommendem Jahr ohnehin Sprecherhonorare für Ärzte ausweisen und tun dies zum Teil auch schon. Der Pharmakritiker Jerry Avon von der Harvard Medical School nannte die Ankündigung denn auch die "bescheidene Anerkennung der Tatsache, dass das Lernen von einem Arzt, der gegen Bezahlung einer Pharmafirma über deren Produkte spricht, nicht die beste Fortbildungsmöglichkeit für Ärzte ist".

dab

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insgesamt 25 Beiträge
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1. Anachronistisch...
ksail 17.12.2013
Wird auch endlich Zeit, dass dieser anachronistische und im Graubereich zur Bestechung liegende Usus endlich beendet wird. In ein paar Jahren wird uns ds vorkommen wie Rauchen im Restaurant...
2. Glaxo in China
herumnöler 17.12.2013
Ich kenne aus eigener Anschauung die Machenschaften von Glaxo in China seit 1985. Dort bestachen sie die damals fuer die Durchfuehrung klinischer Pruefungen zustaendige Ober-Kommunistin, Frau Li jia-tai, richteten ihr ein Konto in England ein, wo sie immer abheben konnte, wenn sie nach ngland kam. Klar, solche Praktiken sind im Kommunismus beliebt. Wer oben ist, sahnt ab. wer nach oben will - wie Glaxo - hilft absahnen.
3.
krassopoteri 17.12.2013
Zitat von ksailWird auch endlich Zeit, dass dieser anachronistische und im Graubereich zur Bestechung liegende Usus endlich beendet wird. In ein paar Jahren wird uns ds vorkommen wie Rauchen im Restaurant...
Wollen wir doch mal sehen, ob die GroKo das wahr macht, was sie im Koalitionsvertrag vereinbart haben, nämlich das Bestechen und die Bestechlichkeit von Ärzten unter Strafe zu stellen. Zeit wird es.
4. na, schöne, heile Welt
michelinmännchen 17.12.2013
Außer ksail wird doch hoffentlich niemand glauben, dass Unternehmen, die seit Jahrzehnten durch Einflussnahme auf besonders wichtige Personen innerhalb der Netzwerke diese Praxis ändern werden. Das einzige, das sich ändern wird, sind die Zielpersonen, die angegangen werden. Die Lobbyarbeit wird sich natürlich nur verlagern, nicht die Ärzte können noch entscheiden, sondern die Regierung, die den rechtlichen Rahmen definiert und die Krankenkassen, die entscheiden, welches Medi am besten für Krankheit a oder b geeignet ist. Alles bleibt anders. Die Belege werden sich in den Bilanzen der Pharmaunternehmen wiederfinden, die Aufwendungen für "Marketing" werden sich nicht verringern. Nur verlagern.
5. Und wann..
o-w 17.12.2013
wird verboten, dass Politiker sich in Aufsichtsräte von Unternehmen wählen lassen, über deren Gebaren sie als Amtsträger zu befinden hatten?
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