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16. Februar 2013, 22:51 Uhr

Pharmakonzern Novartis

Manager-Millionen empören Schweizer 

Die Wut über maßlose Bonuszahlungen ist laut Schweizer Justizministerin riesig: Der Verwaltungsratschef soll nach seinem Ausscheiden aus dem Pharmakonzern Novartis 72 Millionen Franken bekommen - als Berater. Die Ankündigung kommt nur zwei Wochen vor der Volksabstimmung über Managerlöhne.

Zürich - Die Bezahlung eines Managers erhitzt in der Schweiz die Gemüter: Der Verwaltungsratspräsident des Pharmakonzerns Novartis, Daniel Vasella, soll nach seinem baldigen Ausscheiden aus dem Konzern weitere sechs Jahre lang stattlich vergütet werden: "Man käme im Laufe von sechs Jahren auf maximal 72 Millionen Franken", hatte Vasella im Schweizer Fernsehen erklärt. Bedingung sei lediglich, dass er nicht für ein Konkurrenzunternehmen arbeite und Novartis berate. Er bestätigte damit einen Bericht des Online-Finanzmagazins Inside Paradeplatz.

Viele Schweizer empört diese Summe von umgerechnet rund 58 Millionen Euro. "Das geht über alle Dimensionen des Vernünftigen hinaus", sagte Markus Büchel, Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, am Samstag in einem Radio-Interview. Justizministerin Simonetta Sommaruga sagte im Fernsehen, es brodle in der Bevölkerung. Die Wut über maßlose Bonuszahlungen sei riesig. Und was über Vasella bekannt geworden sei, mache sie sprachlos. Auch der Präsident der wirtschaftsfreundlichen Partei FDP sagte: "Herr Vasella führt die liberale Schweiz aufs Schafott."

Vasellas Ankündigung kommt nur zwei Woche vor der Volksabstimmung über Managerlöhne in der Schweiz. Die sogenannte Abzocker-Initiative sieht vor, dass Aktionäre in Zukunft verbindlich über Managerlöhne abstimmen können. Laut Umfragen hatten die Befürworter der Initiative schon vor der Nachricht zu der Abgangszahlung einen Vorsprung.

Politologen und andere Beobachter gehen nun davon aus, dass es den Gegnern unter Führung des Wirtschaftsverbandes nicht mehr gelingen wird, das Blatt zu wenden. "Zu grotesk und dem gesunden Menschenverstand widersprechend waren die Auswüchse von Vasellas Vergütungen in den letzten Jahren", kommentierte die konservative "Neue Zürcher Zeitung"."Und zu stark ist das Empfinden, mit diesen Salären seien die in der Schweiz gültigen gesellschaftlichen Regeln missachtet worden."

Am kommenden Freitag tritt der 59-Jährige Vasella auf der Generalversammlung des Konzerns ab, womit für den Pharmakonzern eine Ära endet. Der bisherige Chef der Pharmasparte des Bayer-Konzerns, Jörg Reinhardt, soll sein Nachfolger werden.

Vasella trat 1996 nach der Fusion von Sandoz und Ciba-Geigy an die Spitze der neu geformten Novartis. 1999 übernahm er auch das Amt des Präsidenten. Über die Jahre hat er mehrere hundert Millionen Franken verdient. Das machte ihn zu einem der am besten bezahlten, aber auch umstrittensten Manager der Schweiz. Neben seinem hohen Gehalt wurde Vasella auch immer wieder vorgehalten, dass der Aktienkurs nicht recht vom Fleck käme.

sun/Reuters

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