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Schulden für Medikamente: Pharmakonzerne bieten Griechenland Deal an

Der Pharmaverband EFPIA will die Medikamentenkosten für Griechenland in diesem Jahr auf knapp drei Milliarden Euro begrenzen. Im Gegenzug soll die Regierung alle Schulden begleichen. Das Modell könnte dem Verband zufolge Schule machen.

Apotheke in Athen: "Nichts, was wir jemals in der Vergangenheit gern gemacht hätten" Zur Großansicht
AP

Apotheke in Athen: "Nichts, was wir jemals in der Vergangenheit gern gemacht hätten"

London/Frankfurt - Es war ein dramatisches Zeichen: Am Wochenende wurde bekannt, dass der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck Chart zeigen sein Krebsmedikament Erbitux nicht mehr an griechische Krankenhäuser liefert. Der auf Blutplasmaprodukte spezialisierte Pharmakonzern Biotest Chart zeigen hatte bereits im Juni entschieden, seine Lieferungen nach Griechenland einzustellen. Der Grund in beiden Fällen: Unbezahlte Rechnungen in Millionenhöhe.

Nun wollen Europas Pharmakonzerne dem hochverschuldeten griechischen Staat entgegenkommen. Der europäische Branchenverband EFPIA habe der Regierung in Athen eine Deckelung der Medikamentenkosten angeboten, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf ein Schreiben an die Ministerien für Gesundheit und Finanzen. Demnach soll die Rechnung der Firmen in diesem Jahr insgesamt nicht mehr als 2,88 Milliarden Euro betragen.

Im Gegenzug für die Deckelung soll sich die griechische Regierung verpflichten, ihre Schulden komplett zu begleichen - und garantieren, dass es keine weiteren Rückstände gibt. "Eine Wachstumsobergrenze oder Budget-Deckelung zu setzen, ist nichts, was wir jemals in der Vergangenheit gern gemacht hätten", sagte EFPIA-Direktor Richard Bergström. In der aktuellen Situation sei es aber besser, auf diesem Weg etwas Stabilität zu bekommen.

Andere Vereinbarungen zur Stabilisierung der Medikamentenversorgung hat es laut EFPIA bereits mit Portugal, Irland und Belgien gegeben. Das Modell könne auch weiteren Regierungen angeboten werden, sagte Bergström.

Das griechische Gesundheitssystem wackelt wegen der Haushaltsmisere inzwischen an allen Ecken und Enden. Griechenland importiert fast alle wichtigen Arzneimittel. Dabei ist das Land besonders abhängig von Originalpräparaten, die deutlich teurer sind als sogenannte Generika. Deshalb gibt Griechenland pro Kopf vergleichsweise viel für Arzneimittel aus.

Die Situation hatte sich zuletzt so zugespitzt, dass die Regierung im Oktober in einem äußerst ungewöhnlichen Schritt verfügte, die Arzneimittelexporte auszusetzen. Denn wegen des harten Sparkurses im Gesundheitssystem sind inzwischen die Arzneimittelpreise so gesunken, dass das Land für Re-Importe in andere europäische Länder äußerst attraktiv geworden ist.

Nach Schätzungen von EFPIA gelangten rund ein Viertel der nach Griechenland versandten Arzneien zuletzt über den Re-Import in Hochpreisländer wie Deutschland. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen hatte schon im Mai darauf aufmerksam gemacht, dass griechische Patienten zunehmend Schwierigkeiten haben, wichtige rezeptpflichtige Arzneien zu erhalten.

dab/Reuters

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insgesamt 9 Beiträge
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1. Ich hoffe,
Ulrich Berger 05.11.2012
die fuer Vertraege zustaendigen Anwaelte der Pharmaindustrie werden darauf achten, dass die Unterschrift(en) des/der ehrenwerten und niemals betruegenden griechischen Politiker von der Merkel gegengezeichnet ist/sind. Womit die dann wieder ihrer wichtigsten Aufgabe nachkaeme: alles zu Lasten des deutschen Steuerzahlers!
2. Warum so verklausuliert?
AGA2759 05.11.2012
Zitat von sysopAPDer Pharmaverband Efpia will die Medikamentenkosten für Griechenland in diesem Jahr auf knapp drei Milliarden Euro begrenzen. Im Gegenzug soll die Regierung alle Schulden begleichen. Das Modell könnte dem Verband zufolge Schule machen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/pharmakonzerne-bieten-griechenland-deal-an-a-865473.html
Wenn ich den Bericht richtig verstanden habe, lieferte die Pharmaindustrie billig nach Griechenland, weil die Menschen dort nur noch wenig Kohle haben. Deren Pharma-Verteiler haben dann die billig erhaltenen Medikamente als Re-Import an deutsche Pharma-Verteiler teuer verscherbelt. Und diese noch teurer an die deutschen Apotheken? Wieso werden diese Geschäftemacher nicht eingelocht?
3.
Altesocke 05.11.2012
""Eine Wachstumsobergrenze oder Budget-Deckelung zu setzen, ist nichts, was wir jemals in der Vergangenheit gern gemacht hätten", sagte EFPIA-Direktor Richard Bergström. In der aktuellen Situation sei es aber besser, auf diesem Weg etwas Stabilität zu bekommen. " Man kann ja in Deutschland dafuer teurere 'Neuentwicklungen' ueber die Aerzte verschreiben lassen. Waere aber ein schoener Praezedenzfall, sollten unsere Kassen dann auch aushandeln!
4.
CompressorBoy 05.11.2012
Zitat von sysopAPDer Pharmaverband Efpia will die Medikamentenkosten für Griechenland in diesem Jahr auf knapp drei Milliarden Euro begrenzen. Im Gegenzug soll die Regierung alle Schulden begleichen. Das Modell könnte dem Verband zufolge Schule machen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/pharmakonzerne-bieten-griechenland-deal-an-a-865473.html
Warum das?
5. Liebe Pharmakonzerne!
wwwwebman 05.11.2012
Zitat von sysopAPDer Pharmaverband Efpia will die Medikamentenkosten für Griechenland in diesem Jahr auf knapp drei Milliarden Euro begrenzen. Im Gegenzug soll die Regierung alle Schulden begleichen. Das Modell könnte dem Verband zufolge Schule machen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/pharmakonzerne-bieten-griechenland-deal-an-a-865473.html
Verschenkt ruhig ein paar Milliarden nach Griechenland - ich gehe dafür gleich morgen in eine der 5000 Apotheken in meiner Kleinstadt und kaufe irgendein völlig überteuertes Medikament (die Auswahl an überteuerten Produkten ist schließlich riesengroß) - zum Beispiel *spirin - das könnte ich in Griechenland für einen Bruchteil bekommen (*GELÄCHTER*)
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Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 11,063 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Prokopis Pavlopoulos

Regierungschef: Alexis Tsipras

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