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Tiermedizin gegen Hustensaft: Boehringer und Sanofi planen Milliarden-Tauschgeschäft

Der deutsche Pharmakonzern Boehringer will sein Tiermedizin-Geschäft ausbauen. Dazu will das Unternehmen die entsprechende Sparte des französischen Konkurrenten Sanofi haben - und ihm im Gegenzug seine rezeptfreien Arzneien abgeben.

Hund und Frauchen: Tausche Tierarzneien gegen Kopfschmerztablette Zur Großansicht
DPA

Hund und Frauchen: Tausche Tierarzneien gegen Kopfschmerztablette

Erneut zeichnet sich in der Pharmabranche ein großangelegter Konzernumbau ab. Boehringer Ingelheim steht vor dem größten Zukauf seiner Geschichte. Der zweitgrößte deutsche Pharmakonzern will das Tierarzneigeschäft des französischen Pharmaunternehmens Sanofi übernehmen. Im Gegenzug will Boehringer sein Geschäft mit rezeptfreien Arzneien und Gesundheitspräparaten an den Konkurrenten abgeben. Beide Konzerne unterzeichneten eine Vereinbarung über "exklusive Verhandlungen", teilten sie mit.

Die Boehringer-Sparte Consumer Healthcare stellt Mittel wie die Kopfschmerztabletten Thomapyrin, den Hustensaft Mucosolvan und das Bauchschmerzmittel Buscopan her. Damit Sanofi Chart zeigen sich auf den Tausch einlässt, will Boehringer noch zusätzlich rund 4,7 Milliarden Euro zahlen, wie beide Unternehmen mitteilten. Denn das Geschäft von Boehringer mit rezeptfreien Medikamenten kommt auf einen Wert von 6,7 Milliarden Euro, wohingegen die Sanofi-Tiermedizinsparte mit 11,4 Milliarden Euro bewertet wird.

"Unser gemeinsames Geschäft für Tiergesundheit wäre für weiteres Wachstum hervorragend aufgestellt - damit würde ein weltweit führendes Unternehmen entstehen", sagte Boehringer-Chef Andreas Barner. Durch den Zusammenschluss von Boehringer und der Sanofi-Sparte Merial entstünde nach dem US-Konzern Zoetis der zweitgrößte Anbieter im Markt für Tiergesundheit mit einem Umsatz von rund 3,8 Milliarden Euro. Boehringer hatte sein Tiermedizin-Geschäft schon 2009 mit der Übernahme von Teilen des US-Tiergesundheitsspezialisten Fort Dodge gestärkt.

Eine Finanzierung des nun geplanten Deals dürfte für Boehringer kein Problem sein: Der 1885 gegründete und bis heute familiengeführte Konzern hat laut Geschäftsbericht rund 8,5 Milliarden Euro auf der hohen Kante.

Die Tiermedizin gilt als lukratives Feld, da in den Industrieländern viel Geld für Haustiere ausgegeben wird und durch den Wandel der Ernährungsgewohnheiten die Nutztierhaltung in den Schwellenländern zunimmt. Außerdem ist der Tiermedizin-Markt im Gegensatz zur Hausmedizin nicht staatlich geregelt.

Auch für Sanofi zahlt sich der Spartentausch aus: Das Unternehmen würde nach eigenen Angaben mit einem künftigen Umsatz von gut fünf Milliarden Euro in diesem Jahr und einem globalen Marktanteil von rund 4,6 Prozent auf Platz eins der Anbieter von frei verkäuflichen Arzneimitteln vorrücken und an GlaxoSmithKline und Bayer vorbeiziehen. Das China-Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten will Boehringer allerdings behalten.

mmq/Reuters/dpa-AFX

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