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Pharmariese Pfizer: Steuerfahnder ermitteln gegen Viagra-Hersteller

Der Pharmariese Pfizer bekommt Ärger mit der Staatsanwaltschaft: Nach SPIEGEL-Informationen ermitteln Fahnder wegen möglicher Steuerhinterziehung in Millionenhöhe gegen den Hersteller der Potenzpille Viagra. Der Konzern weist die Vorwürfe zurück.

Pfizer-Logo: Im Fadenkreuz der Fahnder Zur Großansicht
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Pfizer-Logo: Im Fadenkreuz der Fahnder

Hamburg - Die Vorwürfe wiegen schwer: Steuerfahnder verdächtigen den Pharmakonzern Pfizer, in Deutschland über Jahre hinweg Umsatzsteuern hinterzogen zu haben. Nach SPIEGEL-Informationen geht es um einen dreistelligen Millionenbetrag.

Die Staatsanwaltschaft Mannheim ermittelt in dem Fall schon seit 2006. In einem 64-seitigen Vermerk, der den Ermittlungsstand aus ihrer Sicht zusammenfasst, schreiben die Steuerfahnder, der Konzern habe die zwingend notwendige umsatzsteuerliche Erfassung verschiedener Pfizer-Firmen in Deutschland von 2001 an verhindert, um so Steuern zu hinterziehen. Konkret geht es um Lieferungen und Geschäfte verschiedener Pfizer-Firmen in Belgien, Irland und Deutschland.

Die Pfizer Deutschland GmbH weist die Vorwürfe von sich. "Pfizer ist der Überzeugung, dass alle Lieferungen des Unternehmens auf der Grundlage geltender umsatzsteuerrechtlicher Vorgaben erfolgt sind", teilt sie dem SPIEGEL mit. Dies beinhalte "auch alle entsprechenden Umsatzsteuer-Zahlungen".

Für Unternehmen ist die Umsatzsteuer ein durchlaufender Posten. In der Regel können sie sich den Betrag vom Finanzamt zu großen Teilen erstatten lassen. Als möglicher Schaden wäre somit auch nicht die gesamte Summe relevant, sondern höchstens die dem Staat entgangenen Zinsen.

Die Staatsanwaltschaft in Mannheim bestätigt die Ermittlungen. Wann das Verfahren abgeschlossen wird, lasse sich noch nicht sagen. In der kommenden Woche wollen sich Ermittler und Vertreter von Pfizer treffen. Das Unternehmen sagt, es werde "auch weiterhin mit Steuerbehörden und anderen Behörden kooperieren, um jedwede offene Frage zu klären".

Pfizer ist gemessen am Umsatz der größte Pharmahersteller der Welt. Das Unternehmen ist unter anderem als Hersteller der Potenzpille Viagra bekannt. 2009 erwirtschaftete Pfizer nach eigenen Angaben Erlöse in Höhe von gut 50 Milliarden Dollar. Weltweit arbeiten rund 80.000 Menschen für den US-Konzern.

ssu

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1. Umsatzsteuer - das alte Thema
weltbetrachter 15.01.2011
Mit einem Handstreich lassen sich viele Unkorrektheiten und Manipulationen mit der Umsatzsteuer vermeiden. Umsatzsteuer wird nur dann anerkannt, wenn diese tatsächlich gezahlt worden ist. Erst dann erfolgt die Verrechnung als Vorsteuer. Dann ist es auch vorbei mit den Streitigkeiten der Soll- und Ist-Versteuerung. Spart Ärger, spart Ressourcen, spart Geld - drei Dinge auf einmal - wäre aber vielleicht zu einfach für unser kompliziertes Steuersystem.
2. Die blaue Pille macht schlapp
Haligalli 15.01.2011
Zitat von sysopDer Pharmariese Pfizer bekommt Ärger mit der Staatsanwaltschaft: Nach SPIEGEL-Informationen ermitteln Fahnder wegen möglicher Steuerhinterziehung in Millionenhöhe*gegen den Hersteller der Potenzpille Viagra. Der Konzern weist die Vorwürfe zurück. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,739730,00.html
Wer zahlt schon gerne Steuern. Die Pillendreher holen sich zuerst die Forschungsmilliönchen. Wenn dann das Produkt sprichwörtlich Wirkung zeigt - wird versucht die Finanzsteigerung richtig zu geniesen.
3. ...
vogelsteller 15.01.2011
die pharmaindustrie ist das was sie schon immer war, eine total kriminelle vereinigung skrobelloser menschenverachter. deshalb gehört auch dieser steuerbetrug zu ihrem selbstverständnis.
4. aha!
promedico 15.01.2011
Zitat von HaligalliWer zahlt schon gerne Steuern. Die Pillendreher holen sich zuerst die Forschungsmilliönchen. Wenn dann das Produkt sprichwörtlich Wirkung zeigt - wird versucht die Finanzsteigerung richtig zu geniesen.
Kennen Sie einen einzigen "Pillendreher", der in den letzten 20 Jahren auch nur einen Cent "Forschungsmilliönchen" bekommen hat? Von wem? Wie sagt Pispers doch: Wenn man.....
5. Skrobellos
promedico 15.01.2011
Zitat von vogelstellerdie pharmaindustrie ist das was sie schon immer war, eine total kriminelle vereinigung skrobelloser menschenverachter. deshalb gehört auch dieser steuerbetrug zu ihrem selbstverständnis.
Natürlich ist Pfizer völlig skrobellos!! Aber mit "Steuerbetrug" hat das sicher nichts zu tun. Im Zweifelsfall wird man die Umsatzsteuer abführen und sie in den Monaten darauf als Vorsteuer zurückholen....viel Geschrei um nichts. Und zur Information: ich arbeite seit Jahren in internationalen Projekten und ob Honorare länderübergreifend in Europa USt-pflichtig sind oder nicht, beurteilt jeder Sachbearbeiter und jeder Steuerberater anders - ich lach mich seit Jahren kaputt, weil sich die Steuerbehörden der einzelnen EU-Länder offensichtlich nicht trauen.....
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