Piëchs Angriff auf VW-Chef Winterkorn lächelt gegen seine Demontage an

Nur lächeln, nicht reden: VW-Chef Winterkorn hat auf der Hannovermesse seinen ersten öffentlichen Auftritt nach der Attacke von Patriarch Piëch absolviert. Alles deutet darauf hin, dass der Manager um seine Zukunft im Konzern kämpfen wird.

Martin Winterkorn auf der Hannover Messe: Lächeln als Anstrengung
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Martin Winterkorn auf der Hannover Messe: Lächeln als Anstrengung


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Volkswagen-Chef Martin Winterkorn dürfte ein nervenaufreibendes Wochenende hinter sich haben. Mit einem einzigen Satz gegenüber SPIEGEL ONLINE hat VW-Patriarch Ferdinand Piëch am Freitag damit begonnen, öffentlich die Demontage des Top-Managers einzuleiten. Doch Winterkorn will offenbar kämpfen. Am Sonntagabend erschien er zum Schaulaufen der deutschen Industriebosse auf der Hannover Messe. An der Seite von Siemens-Chef Joe Kaeser und Daimler-Boss Dieter Zetsche versuchte Winterkorn die Spekulationen um seine Zukunft bei Volkswagen wegzulächeln. Auch die Begrüßung mit Kanzlerin Angela Merkel fiel routiniert aus.

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Gemeinsam mit Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil schritt Winterkorn lächelnd über den roten Teppich bei der Eröffnung der weltgrößten Industrieschau. Für Fotos stand der Manager bereit, für Fragen nicht.

Von seinen Kollegen bekam Winterkorn offenbar Beistand. "Ihm ist eine Welle der Solidarität entgegengeschwappt", sagte ein Teilnehmer eines VIP-Empfangs, den Winterkorn in Hannover besuchte. Auch Daimler-Boss Zetsche soll das Gespräch mit Winterkorn gesucht haben. Er weiß selbst, wie sich Querelen im Aufsichtsrat um das eigene Amt anfühlen.

Manager Winterkorn, Kaeser, Zetsche mit Kanzlerin Merkel: Schaulaufen der Bosse
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Manager Winterkorn, Kaeser, Zetsche mit Kanzlerin Merkel: Schaulaufen der Bosse

Einen bei VW wichtigen Unterstützer konnte Winterkorn auf der Hannover Messe ausmachen: Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil. Winterkorn habe einen laufenden Vertrag, "und es besteht keinerlei Handlungsbedarf", sagte der SPD-Politiker zu Piëchs Vorstoß . "Eine öffentliche Diskussion dieser Art ist schädlich für das Unternehmen Volkswagen", sagte Weil der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung". Weils Wort hat deshalb Gewicht, da er das Land Niedersachsen als den zweitwichtigsten VW-Anteilseigner im Aufsichtsrat des Konzerns vertritt.

Volkswagen gehört mehrheitlich den Familien Piëch und Porsche. Im 20-köpfigen Aufsichtsrat haben sie aber keine eigene Mehrheit und sind bei strategischen Entscheidungen etwa auf Unterstützung des Landes Niedersachsen als Großaktionär angewiesen. Für seinen Vorstoß bekam Piëch allerdings auch von der Familie Porsche keine öffentliche Unterstützung.

"Ich bin auf Distanz zu Winterkorn", sagte Piëch dem SPIEGEL. Doch bisher wirkt der VW-Patriarch nach seiner Attacke auf Winterkorn eher isoliert. "Die Aussage von Herrn Dr. Piëch stellt seine Privatmeinung dar, welche mit der Familie inhaltlich und sachlich nicht abgestimmt ist", ließ Wolfgang Porsche als Vertreter der Porsche-Familie mitteilen. Er und Piëch sind die Enkel des Porsche-Gründers und VW-Käfer-Ingenieurs Ferdinand Porsche, dessen Arbeit die historische Keimzelle des Volkswagen-Konzerns darstellt.

Winterkorn will sich nicht einfach vom Hof jagen lassen

Angesichts des beginnenden Machtkampfs bei VW scheint nun völlig unklar, wer in den kommenden Jahren die Nachfolge von Piëch an der Aufsichtsratsspitze des Konzerns antreten wird. Der 77-Jährige will sich nach seinen bisherigen Plänen in zwei Jahren zurückziehen. Bislang galt der seit 2007 an der VW-Spitze stehende Winterkorn, 67, als sicherer Nachfolger. Doch nach Piëchs Ansage ist schwer vorstellbar, dass Winterkorn noch Aufsichtsratschef wird.

Der einflussreiche VW-Betriebsrat spielt bei Personalfragen ebenfalls eine entscheidende Rolle. Betriebsratschef Bernd Osterloh hatte Winterkorn demonstrativ unterstützt. Bei der nächsten VW-Aufsichtsratssitzung am 4. Mai dürfte es intern hoch hergehen. Und schon am 5. Mai, zur VW-Hauptversammlung in Hannover, müssen Winterkorn und Piëch gemeinsam auf die Bühne.

Ein Gespräch der beiden dürfte schon bald anstehen. Laut "Handelsblatt" soll es in den kommenden Tagen ein routinemäßiges Treffen zwischen den beiden Managern geben. Dabei soll es auch um die Aussagen von Piëch gehen. Neben dem Gespräch von Piëch und Winterkorn sei in den kommenden Tagen zudem ein Treffen der Familien Piëch und Porsche geplant.

Winterkorn scheint kämpfen zu wollen. Er lasse sich nicht vom Hof jagen, meldete die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" unter Berufung auf VW-Insider.

Nach Meinung des selbsterklärten Branchenexperten Ferdinand Dudenhöffer wird Winterkorn aber sein Kampfgeist nicht retten. "Piëch wird auch diesen Machtkampf gewinnen. Wer sich hinter Winterkorn stellt, wird am Ende verlieren. Die Porsche-Familie hat sich schon in der Vergangenheit nicht durchsetzen können", sagte Dudenhöffer der "Passauer Neuen Presse".

Winterkorn habe zwar viele Erfolge bei VW vorzuweisen, doch das Unternehmen habe auch gravierende Probleme. So komme VW nicht annähernd an die Umsatzrendite von Hauptkonkurrent Toyota heran. "Herr Winterkorn konnte die VW-Probleme nicht lösen. Piëch traut Winterkorn nicht zu, den VW-Konzern in die Zukunft zu führen", sagte Dudenhöffer.


Zusammengefasst: VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch hat sich von Vorstandschef Martin Winterkorn distanziert. Bisher stellen sich andere wichtige Aufsichtsräte hinter Winterkorn, darunter Niedersachsens Ministerpräsident Weil. Doch der Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer glaubt, dass letztlich Piëch den Machtkampf gewinnen wird.

mmq/AFP/dpa

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insgesamt 52 Beiträge
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Seite 1
soldev 13.04.2015
1. des selbsterklärten Branchenexperten...
Danke für diese nette, passende Kurzbeschreibung des omnipräsenten Dudenhöfers. Viel BlaBla um das eigene Nichtwissen zu untermauern... warum gibt man solchen Typen bloss immer wieder eine Plattform...
der_Russe 13.04.2015
2. Oh Gott
....der Mann ist doch erst knapp unter 70. Für seine Zukunft sieht das ja gar nicht gut aus! Was wird aus seiner Familie? Seinen Kindern? Wovon wollen sie leben? Ich bin tief erschüttert - wieder muss ein alter S*** in Zwangsrente mit nur ein paar Millionen Abfindung...
Hans Blafoo 13.04.2015
3. kein Titel
"Meinung des selbsterklärten Branchenexperten Ferdinand Dudenhöffer..." Ein tolles Textstück! Endlich rückt jemand in der Presse mal das Bild von Dudenhöffer zurecht. Dass er und VW nicht beste Freunde sind, ist schon lange bekannt und so jemand kann bei solchen Fragen wohl nicht gerade als objektiver Experte herhalten.
prophet46 13.04.2015
4. Grundkapital
Nach einer früheren Presseverlautbarung ist die Aussage, "Volkswagen gehört mehrheitlich den Familien Piech und Porsche" nicht richtig. Danach besitzen sie lediglich 30 % am Grundkapital, verfügen allerdings über mehr als 50 % der Stimmrechte.
o.b.server 13.04.2015
5. Herr Dudenhöfer irrt auch hier wieder einmal.
Der Aufsichtsrat überwacht die Geschäfte des Vorstandes. Die Aufgabe eine AR-Vorsitzenden ist es also nicht, "ein Unternehmen in die Zukunft" zu führen. Das ist Aufgabe des Vorstandes.
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