Chefwechsel Pimco-Kunden ziehen zehn Milliarden Dollar ab

Bei der Fondsgesellschaft Pimco soll die Stimmung nach dem Abgang des Starinvestors Bill Gross bestens sein. Doch es fragt sich, wie lange: Laut "Wall Street Journal" entzogen Kunden der Allianz-Tochter bereits zehn Milliarden Dollar.

Bill Gross: "Überwältigende" Erleichterung bei Pimco
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Bill Gross: "Überwältigende" Erleichterung bei Pimco


New York - Die Lage bei Pimco spitzt sich zu. Kunden entziehen der Fondsgesellschaft zunehmend ihr Geld. Nach dem Weggang des "Bond-Königs" Bill Gross sollen etwa zehn Milliarden Dollar abgezogen worden sein, berichtet das "Wall Street Journal" unter Berufung auf einen Insider.

Experten hatten nach dem überraschenden Abgang von Gross am vergangenen Freitag bereits erwartet, dass die Anleger weiteres Geld abziehen würden. Seit Mai 2013 sind bereits 70 Milliarden Dollar aus dem von Gross geleiteten Total Return Fund abgeflossen. Der weltgrößte Anleihenfonds hatte einst ein Volumen von knapp 293 Milliarden Dollar.

Dennoch soll die Stimmung bei Pimco offenbar alles andere als geknickt sein. Pimco-Chef Douglas Hodge sprach in seinem ersten Interview nach dem Abtritt von einem "überwältigenden" Gefühl der Erleichterung und Begeisterung bei dem Unternehmen, schreibt das "Wall Street Journal". Der neue Chefinvestor, Daniel Ivascyn, sei von Pimco-Managern mit stehendem Beifall gefeiert worden, berichtet Hodge. Nur Stunden nach dem überraschenden Abgang von Bill Gross bei der Allianz-Tochter hatte die Fondsgesellschaft den Nachfolger für den Starinvestor präsentiert.

Der wegen seiner jahrelangen Erfolge an den Anleihemärkten als "Bondkönig" bekannte Gross geht zum Vermögensverwalter Janus Capital. Die Personalie hatte für heftige Reaktionen an den Märkten gesorgt. Denn die Trennung von Pimco verlief wohl alles andere als einvernehmlich. In Finanzkreisen hieß es, Gross sei mit dem Wechsel zu Janus seiner Kündigung zuvorgekommen.

Der 70-Jährige, der bislang den weltweit größten Anleihefonds managte, tritt den Job bei Janus bereits an diesem Montag an und wird dort ein neu aufgelegtes Rentenportfolio verwalten. "Ich habe Janus wegen der langjährigen Beziehung zu CEO Dick Weil und meinem Respekt für ihn als nächstes Zuhause gewählt", sagte Gross, der Pimco 1971 gegründet hat.

Die Pacific Investment Management Company oder kurz Pimco gehört seit 2000 zum deutschen Versicherer Allianz. Pimco verwaltete Ende Juni laut eigenen Angaben knapp zwei Billionen Dollar an Anlegergeldern und ist damit eine der treibenden Kräfte an den internationalen Finanzmärkten.

"Fundamentale Differenzen"

In einer Pressemitteilung erklärte Pimco zum Abschied von Gross: Im Laufe des Jahres sei immer klarer geworden, dass Gross und die restliche Führungsmannschaft "fundamentale Differenzen" über den künftigen Kurs hätten.

Allianz-Vorstandschef Michael Diekmann erklärte: "Gemeinsam mit unseren Kollegen von Pimco zollen wir der Arbeit Respekt, die Bill Gross in den 43 Jahren seit Pimcos Gründung geleistet hat. Wir wünschen Bill viel Glück." Die im Januar eingeführte Management- und Investmentstruktur sowie die sorgfältige Nachfolgeplanung "geben uns volles Vertrauen in Pimcos Investment- und Unternehmensleitung", so Diekmann weiter.

yes/Reuters/dpa



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insgesamt 6 Beiträge
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xvxxx 29.09.2014
1. Henne Ei?
Die Gelder werden nicht wg. Des Weggangs der personalie "Gross" abgezogen sonder wegen des massiven Rückgangs der Gewinne in der Ära Gross. Die Schrumpfungstendenz war bereits da.
roidesbuveurs 29.09.2014
2. Irrsinn
Ein Siebzigjähriger (!) wechselt überraschend (!) seinen Arbeitgeber. Anschließend knallt die Allianzaktie runter und Anlagegelder in Milliardenhöhe werden abgezogen. Ein Irrsinn. Aber die komplette Finanzbranche ist ja inzwischen ein reiner Irrsinn. Man hat wohl erwartet, dass Gross noch mal 43 Jahre macht. Die ganzen Finanztypen kann man doch nicht mehr ernst nehmen, aber die Welt rennt Ihnen dennoch weiter hinterher.
tobiash 29.09.2014
3. Mit gutem Grund, ...
... rennen wir denen hinterher, denn letztendlich machen die einen guten Job. Im Übrigen ist der Abzug der Gelder nicht direkt eine Folge des Gross-Abzugs. Die Gewinne sind bereits vorher gesunken und die Konkurrenz hat einen deutlich besseren Job gemacht. Das nenn man Markt. Versuchen Sie mal, auf eigene Faust in DE Geld anzulegen. Sie werden gerade wegen der rot/grünen Regelungswut nicht einmal eine Lizenz für eine Pommesbude bekommen, geschweige denn eine Baugenehmigung in mittelguter Lage. Da braucht es schon viele gute Anwälte, viele gute Steuerberater, gute Kontakte zu den Behörden und sehr viel Geld für Wartezeiten (Genehmigungen) und Rückschläge. Deswegen rennen wir den Finanzakteuren hinterher, statt die regionale Wirtschaft selbst anzukurbeln. Schade, aber so ist es nun mal!
dr.dax 29.09.2014
4.
"sonder wegen des massiven Rückgangs der Gewinne in der Ära Gross. " Da weiß aber jemand wovon er spricht NICHT! In die "Ära Gross" fallen nämlich genauso die größten Gewinne von Pimco, 1000% ROI für langjährige Anleger etc pp Ab und an einfach mal den Leitspruch von Nuhr beherzigen...
xvxxx 29.09.2014
5.
In die Ära Gross fallen die Gewinne aber auch bereits massive Gewinnrückgänge und es wurde bereits im Lauf des Jahres ein zweistelliger Miliardenbetrag abgezogen. Das Genie hatte offensichtlich keine Antwort auf geänderte Rahmenbedingungen mehr.
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