Angst vor der Zinswende Großinvestor Pimco verkauft massenhaft US-Anleihen

Die Fondsgesellschaft Pimco gehört zu den größten Anleiheinvestoren der Welt - ihr Wort hat Gewicht. Nun fliehen die Fondsmanager aus amerikanischen Staatspapieren. Der Grund: Sie erwarten offenbar steigende Zinsen.

Pimco-Zentrale in Kalifornien: Raus aus US-Anleihen
REUTERS

Pimco-Zentrale in Kalifornien: Raus aus US-Anleihen


Die Fondsgesellschaft Pimco hat massenhaft amerikanische Staatsanleihen verkauft. Ihr größter Fonds Total Return hat den Anteil von US-Staatspapieren in seinem Portfolio im Mai von 23,4 auf 8,5 Prozent radikal runtergefahren. Das teilte das Unternehmen auf seiner Website mit.

Hintergrund ist offenbar die erwartete Erhöhung der Leitzinsen. Viele Investoren gehen davon aus, dass die US-Notenbank Fed im September den Leitzins anhebt und damit die jahrelange Phase der Nullzinspolitik beendet.

Sollte es tatsächlich so kommen, dürften die bisher ausgegebenen, niedrig verzinsten Anleihen an Attraktivität verlieren. Ihre Kurse würden also sinken.

Sicher ist die baldige Zinswende allerdings noch nicht. Erst vergangene Woche hatte der Internationale Währungsfonds (IWF) die Fed vor einem solchen Schritt gewarnt und dazu aufgerufen, die geplante Erhöhung des Leitzinses auf das kommende Jahr zu verschieben. Das Risiko, die globale Wirtschaft mit einer vorzeitigen Anhebung in Probleme zu stürzen, sei derzeit zu groß, hieß es in einem Bericht von IWF-Experten.

Pimco rechnet offenbar dennoch mit einem schnellen Zinsschritt. Die Fondsgesellschaft, eine Tochter des deutschen Versicherungskonzerns Allianz, kämpft seit rund zwei Jahren mit Problemen. Nacheinander verlor sie ihre früheren Chefs, die Starinvestoren Mohamed El-Erian und Bill Gross.

Zudem ziehen immer mehr Kunden ihr Geld aus dem einstigen Vorzeigefonds Total Return ab. Verwaltete der Fonds zu Hochzeiten noch Anlegergelder von fast 300 Milliarden Dollar, waren es zuletzt gerade mal noch 107 Milliarden Dollar. Damit ist der Total Return nur noch der zweitgrößte Anleihefonds der Welt.

stk/Reuters



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tutnet 10.06.2015
1. In China ist ein Sack Reis umgefallen
Wo ist der Nachrichtenwert?
Emderfriese 10.06.2015
2. News
Zitat von tutnetWo ist der Nachrichtenwert?
Die Nachricht könnte sein, der Investor weiß etwas, dass wir nicht wissen: dass die US-amerikanischen Zinsen bald schon wieder anziehen. Bin dann mal gespannt auf Draghis Reaktion. Denn in diesem Fall würden die Geldströme umgeleitet und wieder Richtung USA gehen, was bedeutet, in Euro-Land müssen die Zinsen zwangsweise auch steigen. Und dann mal gute Nacht...
European 10.06.2015
3. Die Zinsen legen die Gläubiger fest und nicht die Zentralbanken
die könne die ungewüscht hohen Zinsen höchsten in die Zukunft verlagern. Das ist auch getan worden, bis zum Rande des möglichen. Die letzte große Blase steckt in den Staatslnlheihen und sie ist dabei zu platzen. Für den Staat bedeutet dies das die Zinsausgaben die nächsten 10 Jahre nur eine Richtung kennen: nach oben. Für die Wirtschaft eine lange Phase der Stagflation, für den Goldpreeis einen kräftigen Anstieg.
muellerthomas 10.06.2015
4.
Zitat von EmderfrieseDie Nachricht könnte sein, der Investor weiß etwas, dass wir nicht wissen: dass die US-amerikanischen Zinsen bald schon wieder anziehen. Bin dann mal gespannt auf Draghis Reaktion. Denn in diesem Fall würden die Geldströme umgeleitet und wieder Richtung USA gehen, was bedeutet, in Euro-Land müssen die Zinsen zwangsweise auch steigen. Und dann mal gute Nacht...
Nein, wieso sollten dann auch hier die Zinsen steigen müssen? Im Gegenteil, eine Zinserhöhung in den USA sollte tendenziell den USD weiter stärken (wobei das größtenteils bereits eingepreist ist) und somit der Eurozonen-Konjunktur helfen. Eine (unerwartet) Zinserhöhung der EZB würde hiingegen den Euro stärken und genau dieses positiven Effekt zunichte machen.
Ichbines2 10.06.2015
5. Weil in USA die Zinsen steigen,
und es in Zukunft MEHR Geld für USDs gibt, verkaufen die Anleger heute schon mal den Dollar und steigen in den Euro ein. Es ist für sie offenbar viel attraktiver, Null Zinsen zu kriegen. Fazit: Alles nur widersinnige Zockerei. Dass der Euro angesichts des möglichen Grexits steigt, dürfte allerdings der Intervention der Notenbank zu verdanken sein, die ihn eben attraktiv halten möchte. Dass angesichts des steigenden Euros, der ja unseren Exporten schadet, nun auch der Dax wieder über 11000 steigt, zeigt die ganze Planlosigkeit der Planer und Markmacher. Es wird immer grotesker.
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