Pläne der EU-Kommission Industrie bangt um Siegel "Made in Germany"

Die EU will die Vergabe des Labels "Made in Germany" deutlich erschweren: Es soll nur noch solche Produkte auszeichnen, die zu mindestens 45 Prozent aus deutschen Wertstoffen bestehen. Unternehmen sind empört - und laut DIHK droht auch Verbrauchern der Verlust einer Orientierungshilfe.

Beim Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen AG: DIHK fürchtet "immensen Schaden" durch EU-Pläne
dapd

Beim Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen AG: DIHK fürchtet "immensen Schaden" durch EU-Pläne


Berlin - Es gilt als eines der Heiligtümer der deutschen Industrie - entsprechend heftig fällt die Reaktion der Wirtschaft auf Pläne der EU aus: Das Label "Made in Germany" gerate mit der angedachten Änderung beim Warenursprungsrecht in Gefahr, sagte DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann der "Welt". "Wenn künftig Herkunft und Wert der Vormaterialien entscheidend sind, werden viele Produkte nicht mehr als deutsch gelten", sagte er.

EU-Kommissar Algirdas Semeta plant, das Gütesiegel "Made in Germany" nur noch für Produkte zuzulassen, bei denen mindestens 45 Prozent des Wertanteils aus Deutschland stammen. Bisher gilt laut EU-Regeln das Land als Herkunftsland, in dem "die letzte wesentliche, wirtschaftlich gerechtfertigte Be- und Verarbeitung" vorgenommen wurde. Daher können heute Produkte auch dann mit dem Label "Made in Germany" gekennzeichnet werden, wenn sie zu mehr als 90 Prozent im Ausland gefertigt, aber zuletzt in Deutschland bearbeitet wurden.

Driftmann sagte der Zeitung weiter, die Pläne der EU-Kommission bedeuteten einen immensen Schaden für die deutsche Wirtschaft. Die Brüsseler Initiative würde vor allem exportintensive Sektoren wie Autobau, Elektrotechnik, Maschinen- und Anlagenbau treffen. Auch Verbraucher würden um eine wichtige Orientierungshilfe gebracht, sagte Driftmann.

Eine endgültige Entscheidung über die Änderungen beim Warenursprungsrecht ist noch nicht gefallen. Widerstand gegen das Projekt gibt es nicht nur in der Wirtschaft, auch innerhalb der Kommissionsbehörde ist es umstritten.

Anlass für die EU-Pläne war ein Streit um Antidumpingzölle, die ein Unternehmen zahlen musste, für nordkoreanische Stahlseile, die aus chinesischen Vorprodukten hergestellt wurden. Gegen chinesische Waren verhängt Brüssel derzeit Zölle, gegen nordkoreanische eigentlich nicht - in dem Fall sollte der deutsche Konzern aber Zoll zahlen - die EU-Kommission hatte argumentiert, der Hauptanteil des Produkts stamme aus China. Das Unternehmen klagte vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) und bekam Recht.

yes/dapd



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insgesamt 296 Beiträge
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Seite 1
spongie2000 16.01.2012
1. Die EU
Es gab eine Zeit, da waren eher Linke gegen die EU. Heute sind fast nur noch Rechte gegen die EU, obwohl sie unsozialer, bürokratischer und korrupter als jemals zuvor ist. Die Tatsache, dass die Schweiz Exportweltmeister ist (pro Kopf), zeigt deutlich, dass man auch ohne EU wirtschaften kann. Die EU hat NICHTS, NICHTS, NICHTS positives gebracht. Und dass unsere Parteien von rechts bis links im Parlament diese Monstrum stützen zeigt den Zustand Deutschlands. Die FDP stand beispielsweise früher für Freiheit und Selbstbestimmung und gegen Bürokratie und Staatseinflüsse. Mit einem Nein zur EU wäre sie heute eine starke Kraft, sie hat aber jegliches Profil verloren. Man kann nicht Nein zu Bürokratie und gleichzeitig Ja zur EU sagen.
ottohuebner 16.01.2012
2. Die eu ..............
tut alles um der europaeischen 'melk-kuh' - deutschland - das leben so schwer wie moeglich zu machen.
frahowi 16.01.2012
3.
Zitat von sysopDie EU will die Vergabe des Labels "Made in Germany" erschweren - und bringt*damit deutsche*Unternehmen gegen sich auf: Der Industrie- und Handelsverband DIHK warnt vor den Folgen für die Wirtschaft. Auch Verbrauchern drohe der Verlust einer Orientierungshilfe. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,809251,00.html
neue kennzeichnung ist überfällig.....denn in der verpackung ist schon lange nicht mehr drin was drauf steht!!!!
althus 16.01.2012
4. Konkurrenzneid?
Zitat von sysopDie EU will die Vergabe des Labels "Made in Germany" erschweren - und bringt*damit deutsche*Unternehmen gegen sich auf: Der Industrie- und Handelsverband DIHK warnt vor den Folgen für die Wirtschaft. Auch Verbrauchern drohe der Verlust einer Orientierungshilfe. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,809251,00.html
Mich würde es nicht wundern, wenn hinter solchen absurden Ideen die ,,lateinische'' Konkurrenz stecken würde,denn wer außer Frankreich und anderen Südstaaten könnte an einer weiteren Schwächung unseres Landes Interesse haben ?
octopuss 16.01.2012
5.
Zitat von sysopDie EU will die Vergabe des Labels "Made in Germany" erschweren - und bringt*damit deutsche*Unternehmen gegen sich auf: Der Industrie- und Handelsverband DIHK warnt vor den Folgen für die Wirtschaft. Auch Verbrauchern drohe der Verlust einer Orientierungshilfe. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,809251,00.html
Völlig richtig! Die Industrie verschaukelt den Verbraucher wo sie nur kann. Wer noch noch Komponenten in Fernost kauft oder auf Kleidung Logo und Sticker annäht darf sich m.E. das Label "made in Germany" nicht anheften. Da hilft selbst kein "German Engineering" und andere Marketingsprüche: Die Ware ist zum Gutteil im Ausland entstanden. Es gibt eine Reihe von Kunden die bereit sind für Ware aus Europa einen höheren Preis zu zahlen; nicht nur in der Hoffung das die Qualität besser ist. Beispiele gefällig? Consumerelektronik: Telefunken (China), Grundig (Türkei) etc Motorräder: BMW (F-Serie) - hier kommt angeblich der Motor aus China Audi: Motoren angeblich aus Ungarn Mobiltelefonie: die Richtung ist bekannt (Fernost), Ausnahme ich hatte kürzlich ein nagelneues Nokia mit "made in Hungary" in Händen hielt. usw. usf octopuss
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