Schmähpreis für Plagiate Ungeniert kopiert

Links das Original, rechts die Fälschung: Egal, welches Produkt an den Markt geht, sofort wird es abgekupfert. Die frechsten Kopien sind jetzt ausgezeichnet worden - sehen Sie den Unterschied?

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Plagiarius

Auf den ersten Blick gibt es nichts, was die beiden Pfannkuchenwender voneinander unterscheidet. Form und Farbe sind gleich, auch die beiliegenden Teigverteiler offenbar identisch. Auf den Verpackungen ist das gleiche Bild von einem Pfannkuchen mit Schokosoße, einem Klecks Sahne und drei Himbeeren abgebildet. Einzig die Logos der Hersteller sind in unterschiedlichen Größen abgedruckt.

So viel Dreistigkeit gehört belohnt, entschied die Jury des Schmähpreises Plagiarius: Die chinesischen Hersteller des nachgemachten Pfannkuchenwenders belegen in diesem Jahr den dritten Platz. Sie reihen sich damit in eine lange Liste von Preisträgern der fragwürdigen Auszeichnung ein, die bereits seit 1977 für dreiste Fälschungen und Kopien verliehen wird.

Probleme beim korrekten Umgang mit Produkten gibt es nicht nur in Asien - die Spitzenplätze des Plagiarius belegen in diesem Jahr Firmen aus Deutschland. Platz eins geht an die Firma MOM GmbH aus Rathenow. Ihre Brillenfassung unterscheidet sich nur minimal vom Originalmodell "Arles" der Meyer Brillenmanufaktur. Geschäftsführer Mathias Schröder wies die Vorwürfe gegenüber SPIEGEL ONLINE zurück und verwies auf ein laufendes Verfahren.

Kopie aus der Nachbarschaft

Im Fall des zweitplatzierten Tortreibriegels - einer Verschlusstechnik für Tore - kommen die Hersteller von Original und Kopie sogar aus demselben Ort. "Das ist nicht ungewöhnlich", sagt Christine Lacroix von der Aktion Plagiarius. Häufig konzentrierten sich Firmen aus einer Branche in einer Region.

In diesem Fall erfuhr der Originalhersteller Niederhoff & Dellenbusch erst durch seine Kunden von der Kopie aus der Nachbarschaft. Die Käufer hätten sich über nachlassende Qualität beschwert, sagt Geschäftsführer Volker Kirchberg. Es stellte sich heraus: Der Tortreibriegel sah zwar genauso aus wie das Original, stammte aber von Steinbach & Vollmann. Das Unternehmen war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.

Das Geschäft mit Plagiaten und Fälschungen boomt - und kaum ein Produkt ist vor Nachahmern sicher. Wer kopiert, spart sich Idee, Entwicklung und Forschung und alle damit verbundenen Kosten. Dadurch machten die Nachahmer häufig exorbitante Gewinne, schreiben die Preisverleiher. Auch deshalb dient ein schwarzer Gartenzwerg mit goldener Nase als Plagiarius-Trophäe.

Auch Käufer in der Verantwortung

Für die betroffenen Designer, Hersteller oder Händler bedeuten die Nachahmungen enorme, teils existenzbedrohende Schäden, warnt Lacroix. 2014 beschlagnahmten deutsche Zollfahnder bei Einfuhrkontrollen Waren im Wert von 137,72 Millionen Euro. Darunter waren Maschinen, Spielzeug und Sportgeräte. Drei Viertel der beschlagnahmten Gegenstände kamen aus China.

Verbraucher bewerten Produktfälschungen und Nachahmungen jedoch häufig als Kavaliersdelikt. Dazu passt, dass viele Kunden selbst zur billigen Kopie greifen - häufig auch ganz bewusst, wie eine Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young im vergangenen Jahr zeigte. Ausschlaggebend sei dafür meistens der niedrigere Preis der Imitate.

Plagiarius appelliert deshalb auch an die Verantwortung der Käufer. "Verbraucher dürfen sich nicht blauäugig der Illusion hingeben, Ziel der Nachahmer sei es, ihnen hochwertige Markenfälschungen zum 'fairen' Schnäppchenpreis zu bieten", sagt Lacroix. Viele Fälscher setzten auf schnelle Gewinnmaximierung, das könne zu Lasten der Qualitäts- und Sicherheitskontrollen oder Arbeitsbedingungen gehen.

Kopierte Kronleuchter, Handfeger und Küchenhelfer: Hier sehen Sie die diesjährigen Preisträger des Plagiarius.



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spiegelleser85 12.02.2016
1. In Wirklichkeit vermutlich wirklich identisch
Ich vermute, daß es sich in vielen Fällen um das absolut identische Produkt handelt. Wenn man alles billig in Fernost produzieren läßt, brauchen dort nur die Anlagen etwas länger laufen gelassen werden, um "Plagiate" zu erzeugen, nach dem die eigentliche Auftragsmenge hergestellt wurde. Selber Schuld - kann man da eben nicht kontollieren, dafür ist die Produktion dort aber billiger.
antjangor 12.02.2016
2. Verbraucherverwirrung ist hausgemacht, ...
denn produzieren nicht auch Markenhersteller die gleichen Produkte, v.a. Lebensmittel, als "Billig-Linie" für Discounter und die Verbraucher mussten erst lernen, dass sie so sparen können aber wohl "gleich" gute Qualität im Warenkorb hatten? Oder war auch das nur ein Gerücht. So muss man sich doch nicht wundern, dass die Verbrauchereinstellung dahin geht, wie im Artikel festgestellt. Zudem produzieren doch so viele deutsche Firmen ihre Waren in Asien und nicht mehr in Deutschland, ist es da ein Wunder, dass dort auch gleich die "Fälschungen" produziert werden? Wer kann denn wirklich noch durchblicken und an der Verpackung erkennen, wo genau welches Teil des Produkts hierzulande hergestellt worden ist? Transparenz der Fabrikationswege und Umdenken bei den Verbrauchern müssten zugleich angestossen werden.
chrimirk 12.02.2016
3. Fluch der bösen Tat!
Wir konnten (und können ) den Chinesen nicht tief genug reinkriechen. Und alles offenlegen, was technisch wichtig ist/war. Daher kein Wunder, dass China versucht die langjährigen Erfahrungen der Industrie des Westens, nachzuahmen/zu kopieren und spart dadurch eine Menge Zeit. Wir sind selber mitschuldig, wenn wir diese Massenwaren auch noch gerne kaufen!
moeter1976 12.02.2016
4. Hinweis
Wenn man über den Plagiarius Preis schreibt, könnte man doch mit einem Satz mal das Plagiarius Museum in Solingen erwähnen.
t.ill 12.02.2016
5. selbst schuld
Wenn ich mir den Fall GoPro anschaue ist das doch kein wunder, was der Verbraucher macht. gerade gabs ein fernostplagiat, zu 95% identisch und von Käufern sehr gut bewertet, für nicht mal 15?... tut was es soll und macht gute Bilder, aber ich verlier eben keine 350? wenn die mir vom Lenker fliegt. Und dieser Preis ist nicht mit Entwicklung oder Materialien zu rechtfertigen, eher noch mit horrenden Werbekosten. Jetzt gehen sie pleite, kein Problem für mich. Wer falsche Strategien wählt fliegt raus, who cares?
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