Internationaler Schmähpreis: Kaufhof und Würth als Plagiatoren ausgezeichnet
Straßenlaternen, Porzellangeschirr, Kinderspielzeug: Es gibt kaum ein Produkt, das heute vor Fälschungen sicher ist. Die Aktion Plagiarius hat nun die dreistesten Dubletten mit einem Schmähpreis bedacht. Zwei deutsche Firmen landeten ganz vorne.
Frankfurt am Main - Auf den ersten Blick sind die Produkte kaum zu unterscheiden. Bis ins Detail gleicht die Fälschung dem Original - etwa bei der Straßenlampe des Typs "Latina". 920 dieser Laternen stehen laut der Aktion Plagiarius an einer Straße in Doha, Katar. Auftraggeber: die Baubehörde von Katar. Das Originaldesign stammt von einer Architektin aus Barcelona.
Die Jury der Aktion Plagiarius bedachte die Behörde in Katar nun mit dem ersten Preis im diesjährigen Wettbewerb. Die Straßenlampen seien eine besonders skrupellose Nachbildung. Die Jury verlieh ihren Schmähpreis - einen schwarzen Zwerg mit einer goldenen Nase - an insgesamt zehn Firmen. Die Trophäe symbolisiere die Gewinne, die Produktpiraten auf Kosten innovativer Unternehmen erwirtschaften.
Der zweite Platz des Schmähpreises ging an Galeria Kaufhof: Die Metro-Warenhauskette habe unter ihrer Eigenmarke Porzellangeschirr vertrieben, das nach britischem Design im Original aus Portugal stamme. Eine Sprecherin sagte auf Anfrage, Kaufhof habe das Produkt von einem deutschen Importeur bezogen. Vertraglich sei festgeschrieben, dass mit der Ware keine Rechte Dritter verletzt werden. "Nachdem wir im Februar 2012 auf die Ähnlichkeit zur Originalserie aus Portugal aufmerksam gemacht wurden, haben wir die Ware umgehend aus dem Sortiment genommen." Die Aktion Plagiarius verweist aber darauf, dass man das Produkt noch im September im Internet bestellen konnte. Die Kaufhof-Sprecherin sagte, dabei handle es sich um Restbestände, die noch verkauft worden seien.
Ein Produkt wurde gleich sieben Mal gefälscht
Auf Platz drei landete die Firma Adolf Würth mit einer Gehrungsschere. Dabei handelt es sich um Werkzeug, mit dem Handwerker Kunststoffleisten und Blenden zuschneiden. Das kopierte Produkt stammt von der Firma der Gebr. Schröder aus Kiel. Eine Würth-Sprecherin sagte SPIEGEL ONLINE: "Wir haben das Produkt seit 1995 im Sortiment und haben es in Deutschland und seit 2003 auch aus Taiwan bezogen. Bei dem Produkt aus Taiwan war es immer der gleiche Hersteller. Es handelt sich dabei um ein Produkt, das unserer Meinung nach Standardtechnik ist."
Weitere Schmähpreise gab es für einen in China kopierten Fenstersauger, dessen Original von Kärcher stammt und für das Plagiat eines WMF-Eierbechers, der in Dubai vertrieben wird. Einen Sonderpreis bekamen die Fälscher des Küchenschneidegeräts "swizzzProzzz sP20". Das Schweizer Produkt wurde gleich von sieben Unternehmen plagiiert - in China, Japan, Südkorea und Taiwan.
Ziel der Negativ-Auszeichnung sei, "die skrupellosen Geschäftspraktiken von Plagiatoren ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und Industrie, Politik und Verbraucher für die Problematik zu sensibilisieren", sagte Rido Busse, Initiator der Aktion. Die Schäden seitens der Originalhersteller seien enorm, die Gefahren für Verbraucher ebenfalls. Knapp drei Viertel der gefälschten Waren kommen laut Zoll aus China, Auftraggeber sind aber häufig europäische Firmen.
cte/dpa
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