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Negativpreis Plagiarius

Stumpfe Kopie

Nachgeahmte Produkte können qualitativ meist nicht mit dem Original mithalten. Manche sind sogar gefährlich. Der Plagiarius schmäht die dreistesten Kopien.

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Freitag, 09.02.2018   16:46 Uhr

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Der Unterschied ist nicht zu erkennen, Farbe und Logo stimmen mit dem Original überein. Und doch handelt es sich bei einem Gerät um ein qualitativ hochwertiges Schweizer Taschenmesser, das andere ist eine billige Kopie.

Vom Offiziersmesser mit stumpfen Klingen bis zur riesigen aufblasbaren Wasserlandschaft: Der Schmähpreis Plagiarius "kürt" auch in diesem Jahr wieder die dreistesten Produktfälschungen und Plagiate.

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Der erste Preis geht diesmal an eine chinesische Firma, die das Küchen-Schneidegerät "Nice Dicer Plus" des Unternehmens Genius aus Limburg an der Lahn kopiert. Dabei beließen es die Chinesen nicht beim Design des Küchengeräts, schreibt der Verein Aktion Plagiarius, der den Preis verleiht. Sie kopierten viele weitere Produkte des Herstellers inklusive der jeweiligen Marken- und Produktnamen.

Umsatzverlust und Rufschädigung

Die Fälschungen werden demnach im Netz, auf Messen und in Katalogen beworben. Im Gegensatz zu den Originalprodukten seien die Klingen der Fälschungen stumpf und würden leicht brechen, schreibt die Jury des Plagiarius. Zudem enthalte der verwendete Kunststoff gesundheitsschädliche Substanzen.

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Bei Genius seien mehrere Produkte aus dem Küchenbereich betroffen, sagt Asnain Kaysar, der Anwalt der Firma. "Der Schaden geht sicher in die Millionen." Noch wisse das Unternehmen nicht, in welche Teile der Welt die Fälschungen überall verkauft werden. Sicher sei, dass die Märkte in Europa, den USA und Australien betroffen sind.

Produktpiraten sind inzwischen in unzähligen Bereichen aktiv, von verunreinigten Parfums und Unterhaltungselektronik über Lebensmittel und Werkzeuge bis zu Medikamenten und medizintechnischen Produkten.

Den Herstellern der Originalprodukte entstehen dadurch nicht nur wirtschaftliche Schäden durch entgangene Umsätze, auch der Ruf der Unternehmen und der Marken leidet. Der Verein will mit seinem inzwischen zum 42. Mal vergebenen Preis für diese Problematik sensibilisieren.

N achgemachte Werbevideos

Für die Nachahmer ist das Kopieren ein lukratives Geschäft: Allein für deutsche Unternehmen wird der Schaden durch Produktfälschungen laut einer Studie der Beratungsfirma EY von 2015 auf jährlich rund 56 Milliarden Euro geschätzt. Laut dem Verein Plagiarius kommen die meisten Fälschungen aus China. Eine zunehmende Rolle komme bei dem Geschäft der organisierten Kriminalität zu.

Genius geht inzwischen mit Hilfe einer chinesischen Kanzlei auch im Heimatland der Fälscher juristisch gegen die Plagiate vor. Die Firma Wibit Sports, deren aufblasbare Wasserparks kopiert werden, setzt neben rechtlichen Schritten auch auf den Dialog mit Parkbetreibern. Zudem habe das Unternehmen Patente in mehreren Ländern angemeldet.

Nachgemachte Produkte sind aber nicht immer auch illegal. In Deutschland und vielen anderen Ländern gilt Nachahmungsfreiheit. Mit dem Preis Plagiarius solle daher auch nichts darüber ausgesagt werden, ob ein nachgemachtes Produkt juristisch erlaubt oder rechtswidrig ist, heißt es von Plagiarius weiter. Vielmehr sollen "plumpe Nachahmungen, die dem Originalprodukt absichtlich zum Verwechseln ähnlich sehen und die keinerlei kreative oder konstruktive Eigenleistung aufweisen, in den Fokus" gerückt werden.

Der Onlinehandel mache es den Fälschern leicht, ihre Ware weltweit zu vertreiben. Dabei arbeiteten sie mit teilweise wechselnden Scheinidentitäten. Einige Fälscher gingen so dreist vor, dass sie ganze Werbevideos der Originalhersteller kopierten und damit ihre Nachahmungen bewürben.

Appell an Verbraucher und Politik

Der Verein Plagiarius appelliert daher an die Politik, Betreiber globaler Marktplätze stärker in die Verantwortung zu nehmen und sie gesetzlich zu mehr Engagement gegen Produktfälschungen zu verpflichten.

Zugleich werden die Verbraucher aufgefordert, im eigenen Interesse die Herkunft von vermeintlichen Schnäppchen zu prüfen. Sie sollten sich "statt für Ramsch mit Label von Kriminellen" lieber für ein legales Produkt entscheiden, heißt es.

Unternehmen wie Genius und Wibit begrüßen die Sensibilisierung der Käufer durch Aktionen wie Plagiarius. "Weil die Plagiate von schlechter Qualität sind, besteht Gefahr für die Gesundheit", sagt Genius-Anwalt Kaysar. Die Klingen der gefälschten Schneidewerkzeuge könnten abbrechen und ins Essen fallen. Bei Wibit freut man sich über die Aufmerksamkeit, die potenzielle Kunden für die Unterschiede sensibilisieren würde.

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