Negativpreis Plagiarius Stumpfe Kopie

Nachgeahmte Produkte können qualitativ meist nicht mit dem Original mithalten. Manche sind sogar gefährlich. Der Plagiarius schmäht die dreistesten Kopien.

Aktion Plagiarius

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Der Unterschied ist nicht zu erkennen, Farbe und Logo stimmen mit dem Original überein. Und doch handelt es sich bei einem Gerät um ein qualitativ hochwertiges Schweizer Taschenmesser, das andere ist eine billige Kopie.

Vom Offiziersmesser mit stumpfen Klingen bis zur riesigen aufblasbaren Wasserlandschaft: Der Schmähpreis Plagiarius "kürt" auch in diesem Jahr wieder die dreistesten Produktfälschungen und Plagiate.

Der erste Preis geht diesmal an eine chinesische Firma, die das Küchen-Schneidegerät "Nice Dicer Plus" des Unternehmens Genius aus Limburg an der Lahn kopiert. Dabei beließen es die Chinesen nicht beim Design des Küchengeräts, schreibt der Verein Aktion Plagiarius, der den Preis verleiht. Sie kopierten viele weitere Produkte des Herstellers inklusive der jeweiligen Marken- und Produktnamen.

Umsatzverlust und Rufschädigung

Die Fälschungen werden demnach im Netz, auf Messen und in Katalogen beworben. Im Gegensatz zu den Originalprodukten seien die Klingen der Fälschungen stumpf und würden leicht brechen, schreibt die Jury des Plagiarius. Zudem enthalte der verwendete Kunststoff gesundheitsschädliche Substanzen.

Bei Genius seien mehrere Produkte aus dem Küchenbereich betroffen, sagt Asnain Kaysar, der Anwalt der Firma. "Der Schaden geht sicher in die Millionen." Noch wisse das Unternehmen nicht, in welche Teile der Welt die Fälschungen überall verkauft werden. Sicher sei, dass die Märkte in Europa, den USA und Australien betroffen sind.

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Plagiarius: Das sind die dreistesten Produktfälschungen 2017

Produktpiraten sind inzwischen in unzähligen Bereichen aktiv, von verunreinigten Parfums und Unterhaltungselektronik über Lebensmittel und Werkzeuge bis zu Medikamenten und medizintechnischen Produkten.

Den Herstellern der Originalprodukte entstehen dadurch nicht nur wirtschaftliche Schäden durch entgangene Umsätze, auch der Ruf der Unternehmen und der Marken leidet. Der Verein will mit seinem inzwischen zum 42. Mal vergebenen Preis für diese Problematik sensibilisieren.

N achgemachte Werbevideos

Für die Nachahmer ist das Kopieren ein lukratives Geschäft: Allein für deutsche Unternehmen wird der Schaden durch Produktfälschungen laut einer Studie der Beratungsfirma EY von 2015 auf jährlich rund 56 Milliarden Euro geschätzt. Laut dem Verein Plagiarius kommen die meisten Fälschungen aus China. Eine zunehmende Rolle komme bei dem Geschäft der organisierten Kriminalität zu.

Genius geht inzwischen mit Hilfe einer chinesischen Kanzlei auch im Heimatland der Fälscher juristisch gegen die Plagiate vor. Die Firma Wibit Sports, deren aufblasbare Wasserparks kopiert werden, setzt neben rechtlichen Schritten auch auf den Dialog mit Parkbetreibern. Zudem habe das Unternehmen Patente in mehreren Ländern angemeldet.

Nachgemachte Produkte sind aber nicht immer auch illegal. In Deutschland und vielen anderen Ländern gilt Nachahmungsfreiheit. Mit dem Preis Plagiarius solle daher auch nichts darüber ausgesagt werden, ob ein nachgemachtes Produkt juristisch erlaubt oder rechtswidrig ist, heißt es von Plagiarius weiter. Vielmehr sollen "plumpe Nachahmungen, die dem Originalprodukt absichtlich zum Verwechseln ähnlich sehen und die keinerlei kreative oder konstruktive Eigenleistung aufweisen, in den Fokus" gerückt werden.

Der Onlinehandel mache es den Fälschern leicht, ihre Ware weltweit zu vertreiben. Dabei arbeiteten sie mit teilweise wechselnden Scheinidentitäten. Einige Fälscher gingen so dreist vor, dass sie ganze Werbevideos der Originalhersteller kopierten und damit ihre Nachahmungen bewürben.

Appell an Verbraucher und Politik

Der Verein Plagiarius appelliert daher an die Politik, Betreiber globaler Marktplätze stärker in die Verantwortung zu nehmen und sie gesetzlich zu mehr Engagement gegen Produktfälschungen zu verpflichten.

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Schmähpreis Plagiarius: Das sind die frechsten Produktfälschungen 2016

Zugleich werden die Verbraucher aufgefordert, im eigenen Interesse die Herkunft von vermeintlichen Schnäppchen zu prüfen. Sie sollten sich "statt für Ramsch mit Label von Kriminellen" lieber für ein legales Produkt entscheiden, heißt es.

Unternehmen wie Genius und Wibit begrüßen die Sensibilisierung der Käufer durch Aktionen wie Plagiarius. "Weil die Plagiate von schlechter Qualität sind, besteht Gefahr für die Gesundheit", sagt Genius-Anwalt Kaysar. Die Klingen der gefälschten Schneidewerkzeuge könnten abbrechen und ins Essen fallen. Bei Wibit freut man sich über die Aufmerksamkeit, die potenzielle Kunden für die Unterschiede sensibilisieren würde.

insgesamt 17 Beiträge
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Joshua Philgarlic 09.02.2018
1.
Fotostrecke Bild 10/10: "Unscharf" nennt man übrigens "stumpf" - bei Messern jedenfalls ;) .
tommix68 09.02.2018
2. @1
Da bin ich aber froh das Sie den Beisatz mit dem Messer hinzugefügt haben... stellen Sie sich vor eine Dame die das liest würde beim nächsten mal sagen : Ich finde Sie stumpf ?
Velociped 09.02.2018
3. kein Wunder
Die Produktion wird immer billiger und zudem nach China verlagert. Kosten tut das Marketing, die Entwicklung und der Vertrieb. Da bringen uns die Firmen selbst über Aldi & Co bei, dass derjenige der Blöde ist, der das teure Original kauft. Die Hersteller vertreiben über die Discounter die identische Ware viel billiger. Warum dann nicht auch die Ware direkt aus Fernost kaufen, wenn ein Teil der dortigen Produktion über verschlungene Wege unabhängig vom Markeninhaber den Weg auf den deutschen Markt findet. Amazon hilft dabei und kümmert sich nicht darum, dass es Beihilfe begeht zum Vertrieb gefälschter Waren sowie zur Hinterziehung von Einfuhrumsatzsteuer und Zollabgaben. Legale oder illegale Kopien müssen nicht schlechter sein - sind es aber häufig. Was passiert, wenn eine deutsche Firma, die in China produzieren lässt und wegen Qualitätsproblemen eine Charge nicht abnimmt? Da ist es doch wahrscheinlich, dass die Charge dann anderweitig verramscht wird. Was passiert, wenn der Produzent gewechselt wird und der bisherige Produzent aber noch die Produktionsanlagen rumstehen hat?
Stäffelesrutscher 09.02.2018
4.
Zitat von VelocipedDie Produktion wird immer billiger und zudem nach China verlagert. Kosten tut das Marketing, die Entwicklung und der Vertrieb. Da bringen uns die Firmen selbst über Aldi & Co bei, dass derjenige der Blöde ist, der das teure Original kauft. Die Hersteller vertreiben über die Discounter die identische Ware viel billiger. Warum dann nicht auch die Ware direkt aus Fernost kaufen, wenn ein Teil der dortigen Produktion über verschlungene Wege unabhängig vom Markeninhaber den Weg auf den deutschen Markt findet. Amazon hilft dabei und kümmert sich nicht darum, dass es Beihilfe begeht zum Vertrieb gefälschter Waren sowie zur Hinterziehung von Einfuhrumsatzsteuer und Zollabgaben. Legale oder illegale Kopien müssen nicht schlechter sein - sind es aber häufig. Was passiert, wenn eine deutsche Firma, die in China produzieren lässt und wegen Qualitätsproblemen eine Charge nicht abnimmt? Da ist es doch wahrscheinlich, dass die Charge dann anderweitig verramscht wird. Was passiert, wenn der Produzent gewechselt wird und der bisherige Produzent aber noch die Produktionsanlagen rumstehen hat?
Dann wird der Audi A4 als Seat Exeo weitergebaut. ;-)
Kurt Klaas 09.02.2018
5. Völlig irre
Wenn man heute einen Akku für's Smart Phone kauft (bei denen man den noch wechseln kann), hat man inzwischen eine nahezu 100 % Chance eine Produktfälschung zu erhalten. Der Markt ist derart mit ausgezeichenten Fälschungen überschwemmt, dass man einfach nicht mehr prüfen kann ob man eine Fälschung oder ein ORiginal in der Hand hat. Offenbar wird dieses Problem bei vielen Produkten immer größer. Offenbar hat aber, ausser den Originalherstellern, niemand ein gesteigertes Interesse, dieses Problem einzudämmen.
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