Schmähpreis Plagiarius Dreiste Kopien - und oft purer Schrott

Gemüseschneider, Bürostühle, Teekannen: Das Geschäft mit dreisten Plagiaten und Fälschungen boomt. Sie sind vom Original oft kaum zu unterscheiden. Die frechsten Klone erhielten nun den Schmähpreis Plagiarius.

Aktion Plagiarius

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Die beiden schwarzen Hundeleinen sehen völlig identisch aus. Mit dem bloßen Auge lässt sich kein Unterschied feststellen. Form und Farbe sind gleich, auch die Verpackung wurde eins zu eins gefälscht. Sogar die Originaladresse des Herstellers und das Markenemblem wurden auf die Verpackung gedruckt, um die Käufer zu täuschen.

Der Hersteller dieser besonders dreisten Fälschung erhält dafür in diesem Jahr den Plagiarius - und zwar den ersten Hauptpreis. Der Verein Aktion Plagiarius vergibt seit 41 Jahren ihren Schmähpreis für Fälschungen und Kopien, um auf die unfairen und teils kriminellen Geschäftspraktiken der Produktpiraten aufmerksam zu machen.

Diverse anonyme Online-Anbieter hatten die gefälschten Hundeleinen bei Amazon in den USA verkauft. Um nicht entdeckt zu werden, richteten sie sich Scheinidentitäten ein und wechselten täglich ihre Accounts. Die Firma Flexi-Bogdahn aus Bargteheide, Weltmarktführer für Roll-Hundeleinen, litt massiv unter der Fälschung. Die Anzahl negativer Kundenbewertungen stieg rasant an, und viele Kunden schickten ihre gefälschten Hundeleinen zurück, weil die sich nach ein paar Mal Benutzen nicht mehr einziehen ließen.

"Die Fälschung ist purer Schrott, und viele Verbraucher sind leider darauf hereingefallen", sagt Sven Kruse, Anwalt von Flexi-Bogdahn. Dem Unternehmen seien Umsätze in Höhe von mehreren Hunderttausend Dollar entgangen, weil viele Kunden die günstigere Fälschung bestellten, statt das Original zu kaufen.

"Die Nachahmer handeln vorsätzlich, skrupellos und rein aus Profitgier. Die Imageschäden für die Originalhersteller und die Sicherheitsrisiken für Verbraucher sind enorm", sagt Christine Lacroix von der Aktion Plagiarius.

Kopierte Stühle, Taschen und Pilotjacken - hier sehen Sie die diesjährigen Preisträger des Plagiarius:

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Schmähpreis Plagiarius: Das sind die frechsten Produktfälschungen 2016

Weltweit boomt das Geschäft mit dreisten Plagiaten und Fälschungen. Laut EU-Kommission haben die EU-Zollbehörden allein 2015 mehr als 40 Millionen rechtsverletzende Produkte im Wert von mehr als 650 Millionen Euro an den EU-Außengrenzen beschlagnahmt - ein Anstieg von 15 Prozent seit 2014.

Produktpiraten profitieren vom wachsenden Onlinehandel

Laut Lacroix sei der stark wachsende Onlinehandel verantwortlich für die rasante Zunahme von Produkt- und Markenpiraterie. Denn oftmals blieben die Täter unentdeckt und benutzten gefälschte Identitäten. Zwar schließen internationale Polizeibehörden jährlich Zehntausende Websites, doch meist setzten die Betrüger ihr Geschäft unter neuem Firmennamen fort.

"Das macht es für die geschädigten Unternehmen so schwer, die Produktpiraten ausfindig zu machen", sagt Lacroix. Auch im Fall der gefälschten Hundeleinen blieben die Ermittlungen der US-Behörden bislang erfolglos, noch immer kann man die Fälschungen bei Amazon kaufen.

Doch nicht immer sind nachgemachte Produkte auch illegal. Grundsätzlich gilt in Deutschland und vielen anderen Ländern Nachahmungsfreiheit. "Doch plumpe Plagiate sind einfallslos und moralisch verwerflich und führen zu ökonomischen Stillstand", warnt Lacroix.



insgesamt 41 Beiträge
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dreamrohr2 10.02.2017
1.
ich darf erinnern, als Merkel in China Staatsbesuch machte und Zuhause gerade der Plagiator zuschlug, der seine Doktorarbeit dreist als Eigentum verteidigte. Da war Merkel auf einer dortigen Autoshow und mit welcher Botschaft hätte sie die damaligen Plagiate von BMW M5 und Smart beklagen sollen, wenn der von ihr selbst vorgeschlagene "Minister selfmade Doktor Gutenberg" der arglosen Bevölkerung sein Schmierentheater darstellte? So lernt der Chinese schnell, dass Plagiieren und Industrieklau eben ein Sport ist, den man nicht bestraft. Doch aber scheinbar ist unsere Industrie immer noch nicht geschädigt genug, wenn sie so viel Geld investiert, einen derartigen "Preis" auszurufen. Und zuletzt sollte sich die Industrie nicht beschweren, mit solcher Industrie und Know-How Flucht nach Asien, hat sie sich derartig selbst geschadet!
monsineur 10.02.2017
2. Patente, Geschmacksmuster, Copyright, usw
Alles Beitrag zu Ausbeutung der Armen, Besitzstandswahrung, Leistungserschleichung, ungleichen Vermögensverteilung und Fortschrittsausbremsung. Na gut, sogar die Hersteller Adresse mitzukopieren ist kriminell aber ist auch nur ein Folgefehler. Erklärungen spare ich mir weitgehend. Nur so viel die meisten Bücher wurden in Deutschland geschrieben als es noch kein Copyright gab.
max-mustermann 10.02.2017
3. Sowas kommt von sowas
Tja, schön die Produktion nach China verlagern oder Firmen an Chinesische Investoren verscherbeln und sich dann wundern das kopiert wird bis zum abwinken. Die kindliche Naivität unserer völlig überbezahlten "Topmanager" ist einfach nur köstlich.
schorsch_69 10.02.2017
4. Tja
Ist ja wunderbar plakativ, das sogar Preise für die "besten" Plagiate vergeben werden. Wann werden eigentlich deren Vermarkter, auch allseits auf Messen hierzulande überall vertreten, prompt in den Knast gesteckt? Regress gegenüber irgendwelcher Bimbofabriken "sonstwo" sind sowieso real irrelevant und nur rausgeschmissenes Geld. Ab in den Knast mit Vertretern von Plagiaten - sofort und unmittelbar. Nur so, läßt sich dieses Geschäft eindämmen!
Honk 10.02.2017
5. Nicht alle Kopien...
... sind automatisch schlechter, aber deutlich preiswerter - im eigentlichen Wortsinn. Das sollte den Herstellern eigentlich Anlass sein, ihre Preisgestaltung noch einmal zu überdenken. Allerdings glaube ich kaum, dass dies in den wohlstandsverfetteten oberen Firmenetagen in Deutschland jemals stattfindet.
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