"Ein großer Schritt" 3,4 Milliarden Beutel pro Jahr - Chile verbannt Plastiktüten aus Geschäften

Die Chilenen verbrauchen binnen zwei Jahren so viele Plastiktüten wie es Menschen auf der Welt gibt. Damit sei nun Schluss, verspricht Staatspräsident Piñera - und läutet einen drastischen Kulturwandel ein.

Einkäufe in Santiago de Chile
AFP

Einkäufe in Santiago de Chile


Als erstes Land in Lateinamerika hat Chile die Ausgabe von Plastiktüten im Einzelhandel verboten. "Wir gehen einen großen Schritt in Richtung eines saubereren Chiles", sagte Präsident Sebastián Piñera.

"Wir wollen weg von einer Wegwerfkultur, in der alles benutzt und weggeworfen wird, hin zu einer gesunden Kultur der Wiederverwertung", sagte Piñera der BBC zufolge. Demnach bestehen lediglich zehn Prozent der in Chile verwendeten Plastiktüten aus recyceltem Kunststoff. Es gebe 7,6 Milliarden Menschen auf der Welt, sagte Piñera: "Wir können die Umweltverschmutzung nicht so fortsetzen, als besäße jeder Einzelne von uns die Erde."

Nachdem das Gesetz am Freitag in Kraft trat, haben die Supermarktketten des Landes nun sechs Monate Zeit, um die neuen Vorschriften umzusetzen. Kleinere Geschäfte bekommen eine Frist von zwei Jahren. Wer danach noch Plastiktüten verteilt, kann mit Bußgeldern in Höhe von umgerechnet bis zu etwa 350 Dollar bestraft werden.

Die Chilenen verbrauchen nach Angaben der Industrie und des Umweltministeriums jedes Jahr etwa 3,4 Milliarden Plastikbeutel, von denen ein großer Teil im Meer landet. Nach einer Studie des US-Wissenschaftsmagazins "Science" aus dem Jahr 2015 gelangen jährlich bis zu acht Millionen Tonnen Plastikmüll in die Ozeane. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, gibt es dort bis 2050 so viel Plastikmüll wie Fische.

Die Frage, ob in Läden Plastiktüten verschenkt oder verkauft werden dürfen, wird weltweit diskutiert. In Griechenland, dem Europameister im Verbrauch von Einwegbeuteln, gibt es seit diesem Jahr eine Steuer auf Tüten, in Deutschland war der Verbrauch zuletzt deutlich gesunken.

In Australien war es kürzlich sogar zu Tumulten gekommen, nachdem eine große Supermarktkette eine Gebühr auf Kunststoffbeutel eingeführt hatte. Das Unternehmen schaffte die Neuregelung daraufhin sogar kurzzeitig wieder ab - nun kosten die Tüten wieder.

mxw/dpa



insgesamt 38 Beiträge
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krautrockfreak 04.08.2018
1. 30 Jahre zu spät!
Was wir momentan erkennen, hätte man schon vor 30 oder 40 Jahren sehen müssen. Auf der ganzen Welt werden hunderte Milliarden Plastiktüten ausgegeben (pro Jahr)! Dass da ein Teil in der Natur landet ist ja klar. Aber wie immer - der Mensch denkt nicht, sondern reagiert nur. Ich war in vielen Ländern und war auch immer geschockt, wie man dort mit den Plastiktüten umgeht und wie sich die überall verteilen, meistens mit Müll vollgestopft und irgendwo entsorgt.
permissiveactionlink 04.08.2018
2. Ein vernünftiger Schritt,
zugleich aber nur ein halbherziger, symbolischer Akt. Leider macht die Regierung Chiles großen, auch internationalen Konzernen zu große Zugeständnisse. So plant der chilenische Staat große Staudämme und Wasserkraftwerke auf dem Gebiet der Mapuche-Indianer, die man zunächst dazu überreden will, ihr Land für ein paar soziale Gegenleistungen herzugeben. Klappt das nicht, wird jeder Widerstand als Gewaltakte und Terrorismus eingestuft. Die Natur und die Lebensgrundlagen dieser Menschen spielen keine Rolle für den Staat Chile. Ein Feuchtgebiet und Ökosphärenreservat wurde durch eine Zellstofffabrik endgültig der Garaus gemacht. Dem Unternehmen wurde der Bau einer Kläranlage erlassen, dann sprudeln noch mehr Profite. Jetzt ist geplant, die Abwässer direkt ungeklärt ins Meer zu leiten, wo Menschen vom Fischfang und Meeresfrüchten leben. Und was für Menschen ? Mapuche Indianer (Araukarier), in Chile Mitmenschen 2. Klasse. Man sollte nicht der naiven Idee verfallen, in Chile hätten sich Politiker we
karlholl 04.08.2018
3. und der Rest der Welt pennt
warum nur pennen die Politiker auf der ganzen Welt. Das ist doch keine Einschränkung wenn man auf Plastiktaschen verzichtet. Es braucht nur ein paar Hirnzellen mehr und man hat die zusammenklappbare Einkaufskiste im Auto. Wenn man sieht wie die Weltmeere verschmutzt sind mit dem Zeugs kaum verrottbar und irgendwann in der Food Chain.
Hörbört 04.08.2018
4. Es muss viel mehr informiert werden
Ich sehe es beinahe jeden Tag bei meinem Discounter: Neben dem Rückgabeautomat für Pfandflaschen steht ein großer Karton, in den die Leute ihre Plastiktüten entsorgen, die sie zum Transport des Leerguts verwendet haben. Darunter sind immer etliche kostenpflichtige Tüten eben genau dieses Hauses. Mit anderen Worten: An der Kasse werden sie gekauft und beim nächsten Besuch in der Leergutecke entsorgt. Dabei ist das ein armer Stadtteil, was man den Kunden auch ansieht. Die Verschwendung tritt hier also gleich doppelt auf: Einerseits belasten die Leute ihr Porte*mon*naie und andererseits kippen sie achtlos in den Müll, was sie Sekunden vorher (und später sicherlich erneut!) noch gut gebrauchen konnten. Fazit: Man muss die Leute viel mehr darüber aufklären, welchen Irrsinn sie da vollziehen. Man darf es nur nicht auf die belehrende oder herablassende Art tun. Hatte jedenfalls schon mal überlegt, ein Schild über dem Karton anzubringen: "Hier liegen 2,40 Euro im Müll." (Das entspricht in etwa meiner Schätzung des Gegenwerts der Tüten, wenn man sie an der Kasse kauft...) Eine Bitte noch zum Schluss: Lachen Sie nicht über die Summe. Nicht nur am Monatsende sieht man viele Kunden ihre letzten Cent aus den Taschen kramen.
Xoxo Yoyo 04.08.2018
5.
Die deutsche Regierung sollte sich ein Beispiel nehmen und ähnliche Regulierungen treffen. Zur Auswahl stünden: - Abschaffung von Mischverpackungen - Verbot von Einweggeschirr, Plastikflaschen, Büchsen - Einführung eines fleischfreien Wochentags - Umweltsteuer auf Flug- und Fahrzeuge - Strafgebühren, wenn energieintensive Unternehmen keinen Ökostrom verwenden - Förderung reparierbarer Produkte und so weiter und so fort. Die Liste ist lang. Wir müssen endlich akzeptieren, dass der Mensch abhängig von der Umwelt ist und ohne diese nicht leben kann. Wir müssen aufhören, aus Bequemlichkeit die Umwelt zu zerstören. Dafür braucht es aber Vorgaben aus der Politik! Die Regierung soll endlich den Eiertanz um die Flüchtlingspolitik beenden und sich um die Zukunft des Landes kümmern.
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