New Yorker Plaza Hotel Ausverkauf einer Ikone

Es ist das berühmteste Luxushotel der USA - und ein internationales Spekulationsobjekt. Schon wieder steht das New Yorker Plaza zum Verkauf. Eine unrühmliche Geschichte über Finanzhaie, Konzernkraken und Spekulanten.

Von , New York

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Im Plaza scheint wieder alles im Lot zu sein. In der Lobby fotografieren sich Touristen, in der Champagne Bar klingen die Kristallgläser, und der Palm Court, die legendäre VIP-Teestube, soll auch bald neu eröffnen.

Doch hinter den Kulissen des sagenumwobenen Luxushotels am New Yorker Central Park rumort es. Nach Jahren des Sparens und der Umbauten hat das Plaza einen neuen Tiefpunkt in seiner wechselhaften Geschichte erreicht: den Ausverkauf von einem fragwürdigen Eigentümer zum anderen.

Der neue Skandalkandidat ist angeblich Hassanal Bolkiah, der Sultan von Brunei. Der hat mit der geplanten Einführung des strengen Scharia-Strafrechts bereits den Boykott durch Prominente seiner anderen vornehmen Auslandshotels provoziert, etwa in Beverly Hills und Frankreich.

Zwar ließ Brunei ein direktes Interesse am Plaza dementieren. Doch das heißt wenig: Das südasiatische Sultanat agiert ohnehin über Strohmänner und Schattenfirmen. Menschenrechtler sind entsetzt. "Macht eure Geschäfte anderswo", protestiert die New Yorker Human Rights Watch.

Finanzhaie, Spekulanten, Konzernkraken

Die Forderung kommt zu spät, Brunei hin oder her. Das ikonischste Grand Hotel der USA ist schon lange nicht mehr in amerikanischer Hand. Der letzte einheimische Besitzer war Finanzhai Donald Trump. Er verscherbelte die angestaubte Immobilie 1995 an Kingdom Holding, die Investmentgesellschaft des saudischen Prinzen al-Walid ibn Talal.

Damit begann der Abstieg des Plaza zum internationalen Spekulationsobjekt. 2004 schnappte es sich der israelische Geschäftsmann Yitzhak Tshuva, Chef des Immobilienkonzerns Elad, nur um fast die Hälfte der Anteile an Kingdom Holding zurückzuverkaufen. Eine kuriose Zweckehe.

Die Israelis und Araber machten das Plaza sodann zum Boutiquehotel und wandelten den Rest des Prachtbaus in lukrative Luxuswohnungen um. Dann kam die Finanzkrise, und viele Wohnungseigentümer stießen ihre Stadtpaläste wieder ab - oft unter schweren Verlusten.

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2012 wechselte das Plaza erneut den Besitzer: Im Zuge einer komplexen Transaktion gingen 75 Prozent an das indische Sahara-Konglomerat, der Rest blieb bei Kingdom Holding. Tshuvas Elad stieg ganz aus und sackte dabei fast 600 Millionen Dollar ein.

Sahara - eine Konzernkrake, deren Arme in viele Sektoren der indischen Wirtschaft reichen - besitzt nicht nur das Plaza. Sondern auch die Hotels Dream Downtown in Manhattan und Grosvenor House in London, beides Top-Absteigen für die globale Elite.

Sahara-Gründer Subrata Roy sitzt seit März hinter Gittern: Er soll drei Milliarden Dollar fiktive Anleihen verkauft und Geldwäsche betrieben haben. Nur wenn er das zurückzahle, so Indiens höchstes Gericht, komme er auf freien Fuß. "Lösegeld für einen Maharadscha", witzelte die "New York Times".

Dabei sind dessen Haftbedingungen so hart gar nicht. Roy, der sich gerne mit Staatsmännern wie Ex-Präsident Bill Clinton umgibt, residiert auch im Gefängnis wie ein König. Samt 55-Quadratmeter-Büroflucht mit Internet.

Bis Ende August hat Roy Zeit, 3,9 Milliarden Dollar aufzubringen - notgedrungen durch den Verkauf seiner Luxushotels. Die sind also auf dem Markt, als Paket oder einzeln.

Trauriges Ende einer Ikone

Auftritt Brunei: Das Sultanat wolle rund 2,2 Milliarden Dollar für die drei Hotels zahlen, meldete die Londoner "Times" kürzlich.

Sofort wurden Proteste laut. "Der Sultan von Brunei könnte schon nächstes Jahr anfangen, Frauen und Homosexuelle hinzurichten", empörte sich Human Rights Watch. "Der US-Profitstrom, der von seinen Hotels zurück in sein Regime fließt, muss gestoppt werden."

Prompt kam das Dementi: "Weder seine Majestät noch die Brunei Investment Agency oder die Regierung von Brunei sind auf irgendwelche Weise am Kauf des Grosvenor House in London oder des Plaza und Dream Downtown Hotels in New York beteiligt."

Aber auch andere lauern. Die US-Investmentgruppe Madison Capital bot nach Angaben der "Daily News" jetzt 800 Millionen Dollar für einen 75-Prozent-Anteil am Dream Downtown und dem Plaza Hotel.

So oder so: Ein trauriges Ende für das Haus, das einst Marlene Dietrich, Marilyn Monroe und die Beatles auf ihrer US-Tournee beherbergte und in zahllosen Filmen auftrat, von Hitchcocks "Der unsichtbare Dritte" bis "American Hustle".

Immerhin, die Gewinnmarge ist respektabel. 1955 verkaufte Hotelmagnat Conrad Hilton das Plaza noch für 6,3 Millionen Dollar - nach heutigem Wert gerade mal 56 Millionen Dollar.



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