Pleiteangst Griechische Großbank flieht aus griechischen Anleihen

Es ist ein fatales Signal: Nicht nur ausländische Institute trennen sich von griechischen Staatsanleihen, auch die größte private Bank des Landes bereinigt ihren Bestand. Es ist eine Kehrtwende um 180 Grad. 

Von Ferry Batzoglou, Athen

Börse in Athen: Eine 180-Grad-Wende
REUTERS

Börse in Athen: Eine 180-Grad-Wende


Athen - Das entscheidende Kapitel heißt "Highlights" - doch ein Höhepunkt ist es höchstens im negativen Sinne: Laut ihrem neuen Quartalsbericht hat nun auch die National Bank of Greece (NBG) damit begonnen, heimische Staatsanleihen abzustoßen. Dem Bericht zufolge hat das Institut mittlerweile 4,8 Milliarden Euro an griechischen Bonds abgestoßen und besaß Ende März 2011 noch 13,2 Milliarden Euro davon.

Damit vollzieht Griechenlands größte Privatbank, die auch der größte Besitzer griechischer Anleihen ist, eine Kehrtwende um 180 Grad. Zu Beginn der Griechenland-Krise Ende 2009 stockte die Bank ihren Bestand an griechischen Staatsanleihen sogar noch von 16,2 auf 18 Milliarden Euro auf. Es gehe darum, "den Markt zu stützen", hieß es damals zur Begründung.

Nun kündigte die NBG dagegen an, sie wolle ihren Bestand an Staatsanleihen weiter reduzieren. Bis Ende 2011 soll er auf ein Volumen von 12 Mrd. Euro, bis Ende 2014 sogar auf 8,5 Mrd. Euro verringert werden. Damit würde sich das Institut binnen fünf Jahren von der Hälfte seiner Staatsanleihen getrennt haben.

Für die Verkäufe gibt es gute Gründe: Erst am Montag stufte die Rating-Agentur Standard and Poor's die Kreditwürdigkeit des Landes um weitere drei Stufen herab. Damit haben griechische Staatsanleihen nun eine schlechtere Bonität als etwa die Staatstitel von Ecuador.

In der vergangenen Woche war zudem bekannt geworden, dass auch deutsche Banken und Versicherungen im großen Stil griechische Staatsanleihen abstoßen. Hielten Ende April 2010 deutsche Banken noch 16 Mrd. Euro, waren es im Februar 2011 nur noch 10,3 Mrd. Euro. Damit befinden sich die griechischen Staatsanleihen vor allem in Besitz der Europäischen Zentralbank (EZB).

Zu allem Überfluss ereilten die Griechen neue Hiobsbotschaften. Am Mittwoch bot Premierminister Georgios Papandreou laut Medienberichten seinen Rücktritt an. Noch immer ringt sein Land um neue Finanzhilfen von EU und IWF. Besonders umstritten ist die deutsche Forderung, wonach Banken ihre alten griechischen Staatstitel freiwillig gegen neue mit einer längeren Laufzeit von sieben Jahren umtauschen sollen.

Auch aus dem griechischen Finanzministerium gibt es keine guten Nachrichten: Die Staatseinnahmen brachen in den ersten fünf Monaten des Jahres 2011 auf rund 18 Milliarden Euro ein - 7,1 Prozent weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Geplant waren Einnahmen in Höhe von mehr als 20 Milliarden Euro. Damit ist auch die Zielvorgabe, im laufenden Jahr insgesamt gut 55 Milliarden Euro einzustreichen, Makulatur.

Auch die Staatsausgaben liefen in den ersten fünf Monaten 2011 aus dem Ruder. Das Ziel, die Ausgaben auf rund 26,5 Milliarden Euro zu begrenzen, wurde um mehr als eine Milliarde verfehlt.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes wurde die National Bank of Greece als "Nationalbank" bezeichnet. Es handelt sich hierbei aber nicht um die griechische Zentralbank, sondern ein privates Institut. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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insgesamt 189 Beiträge
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kira_moos 15.06.2011
1. Pleiteangst: Griechische Nationalbank flieht aus griechischen Anleihen
Zitat von sysopEs ist ein fatales Signal: Nicht nur*ausländische Institute trennen sich von griechischen Staatsanleihen, auch die Nationalbank des Landes bereinigt ihren Bestand. Es ist eine Kehrtwende um 180 Grad.* http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,768647,00.html
Das haut mich nun wirklich um. Ich deute das mal so: Kein Interesse das eigene Land in hoechster Not zu unterstuetzen, sondern dieses den anderen bloeden EU-Steuerzahlern ueberlassen. Ich bin gerade sowas von empoert......da fehlen einem schlagartig die Worte!
Litajao 15.06.2011
2. Die Ratten verlassen das sinkende Schiff
Naja, die Ratten verlasen das sinkende Schiff, weil sie nicht dumm sind, aber die dummen Schweine zahlen den Schiffsuntergang. Aber Merkelchen hält die Fahne der Titanic immer noch hoch und Sarkozy steht voll und ganz hinter ihr.
Hardliner 1, 15.06.2011
3. Tollhaus
Zitat von sysopEs ist ein fatales Signal: Nicht nur*ausländische Institute trennen sich von griechischen Staatsanleihen, auch die Nationalbank des Landes bereinigt ihren Bestand. Es ist eine Kehrtwende um 180 Grad.* http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,768647,00.html
Das Tollhaus Griechenland wartet immer wieder mit Überraschungen auf. Nun traut die Nationalbank schon ihrem eigenen Staat nicht mehr. Und wir Deutschen sollen in ein derart marodes Staatswesen weiter Milliarden reinpulvern? Das darf doch nicht wahr sein!
egomeabsolvo, 15.06.2011
4. Wer kauft bloß diesen Schrott?
Welche Vollidioten kaufen solche Ramschtitel? Denn wo verkauft wird, muss ja auch ein Käufer sein, oder? Wo sind die Aufsichtsräte der kaufenden Banken? Welche Banken kaufen eigentlich? Handelt es sich gar, wie hier schon berichtet wurde, gar um "öffentliche" Institute? Wo bleibt die Bankenaufsicht, diese Geldverbrennung zu verhindern? Oder geschehen diese Ankäufe etwa mit öffentlicher Billigung???? Hier stinkt es gewaltig. Ich denke, der ganz große Knall steht unmittelbar bevor. Und die Kopekenscheiche lachen sich ins Fäustchen....
DasReptil 15.06.2011
5. .........
Zitat von sysopEs ist ein fatales Signal: Nicht nur*ausländische Institute trennen sich von griechischen Staatsanleihen, auch die Nationalbank des Landes bereinigt ihren Bestand. Es ist eine Kehrtwende um 180 Grad.* http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,768647,00.html
Wo sind eigentlich die ganzen Forenexperten abgeblieben, die vor einem Jahr noch steif und fest behauptet haben Griechenland würde die "Kredite" mit Zinseszins zurückzahlen und dass die ganze Aktion für Deutschland sogar ein gutes Geschäft wäre?
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