Pleitewelle Schon 103 US-Banken sind in diesem Jahr zusammengebrochen

Erschütterungen im Bankensektor: Seit Jahresbeginn haben die Behörden in den USA bereits 103 Geldhäuser geschlossen. Das sind fast 60 Prozent mehr als noch 2009. Hunderte weitere Institute kämpfen um ihr Überleben.

Wall Street: Die Großbanken sind gerettet, es machen vor allem kleinere Institute dicht
AP

Wall Street: Die Großbanken sind gerettet, es machen vor allem kleinere Institute dicht


Washington - Das Schlimmste der Finanzkrise ist längst vorbei, und in Europa bestehen fast alle Institute den Stresstest. Doch in den USA beschleunigt sich das Bankensterben sogar noch: In diesem Jahr sind bereits 103 Geldhäuser zusammengebrochen. Die Behörden machten am Freitag sieben weitere kleine Institute dicht, wie die staatliche Einlagensicherung (FDIC) mitteilte. Im vergangenen Jahr wurde die Marke von mehr als hundert geschlossenen Geldhäusern erst im Oktober erreicht.

Die Behörden rechnen damit, dass die Pleitewelle in diesem Quartal ihren Höhepunkt findet. Die Erholung von der Finanzkrise kommt im Bankensektor deutlich langsamer voran als in der Gesamtwirtschaft.

Bei den jüngst geschlossenen US-Banken handelte es sich laut FDIC um regional oder lokal agierende Geldinstitute in den Bundesstaaten Oregon, Nevada, Minnesota, Kansas, South Carolina, Georgia und Florida. Ihre Vermögenswerte beliefen sich laut Stand vom 31. März zusammen auf knapp 2,2 Milliarden Dollar (1,7 Milliarden Euro), die Einlagen ihrer Kunden auf insgesamt gut zwei Milliarden Dollar. Den privatwirtschaftlichen Einlagensicherungsfonds DIF kosten die Pleiten laut FDIC-Schätzungen zusammen 431 Millionen Dollar.

Im Vorjahreszeitraum waren mit 64 Banken deutlich weniger Finanzinstitute in den USA geschlossen worden. Die Zahl der Institute in Schwierigkeiten stieg laut FDIC-Zahlen im ersten Quartal dieses Jahres im Vergleich zu Ende 2009 um gut zehn Prozent. Ende März kämpften demnach 775 US-Banken um ihr Überleben. So hoch war die Zahl seit 1993 nicht mehr.

Heftige Kritik an Boni-Auszahlung zu Hochzeiten der Krise

Die weltweite Finanzkrise war mit dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 ausgebrochen. Um eine derartige Krise in Zukunft zu verhindern, hatte der US-Kongress vor kurzem die umfassendste Finanzmarktreform seit mehr als 80 Jahren verabschiedet. US-Präsident Barack Obama setzte die Neuregelungen am Mittwoch in Kraft.

Das mehr als 2300 Seiten umfassende Reformgesetz sieht unter anderem die Einrichtung einer Verbraucherschutzbehörde unter dem Dach der US-Notenbank Fed und ein Frühwarnsystem vor. Vorgeschrieben wird auch eine bessere Kontrolle des Derivate-Handels und eine größere Transparenz und Haftung für Hedgefonds und Hypothekenhändler. Die vollständige Umsetzung der Reform könnte nach Einschätzung von Experten allerdings noch Monate oder sogar Jahre dauern, weil zahlreiche komplexe Regelungen ausformuliert werden müssen.

Die Finanzkrise hatte auch heftige Kritik an den hohen Bezügen von Bankmanagern ausgelöst. Der US-Sonderbeauftragte für Manager-Gehälter, Kenneth Feinberg, kritisierte am Freitag die Bonus-Zahlungen führender Finanzinstitute auf dem Höhepunkt der Finanzkrise. Zwischen Oktober 2008 und Februar 2009 zahlten demnach 17 US-Institute ihren Top-Managern insgesamt 1,7 Milliarden Dollar an "unklugen" Boni. Gleichzeitig hätten sie von der Regierung Hilfsgelder zur Bewältigung der Finanzkrise eingestrichen. Gerügt wurden unter anderem die Branchengrößen Goldman Sachs Chart zeigen, JPMorgan Chase Chart zeigen und die Citigroup Chart zeigen sowie der Versicherungsgigant AIG Chart zeigen.

böl/Reuters/AFP



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