Politische Börse Aktien-Profis hoffen auf Kurssprung nach der Wahl

Die Parteien haben mit dem Wahlkampf gerade erst angefangen, da beginnt für Anleger schon die Zeit der Vorfreude. Denn in diesem Jahr wird der Urnengang für die Börse besonders wichtig: Je nach Ausgang könnten die Kurse in die Höhe schnellen.

Aktienmarkt in Frankfurt: "Politische Börsen haben kurze Beine"
dpa

Aktienmarkt in Frankfurt: "Politische Börsen haben kurze Beine"

Von Arne Gottschalck


Hamburg - Noch drei Wochen sind es bis zur Bundestagswahl. Doch was bedeutet das für Aktionäre? Viele Anleger winken ab. Politische Börsen hätten kurze Beine, besagt eine alte Anlegerweisheit. Dabei ist das ein Fehler. Denn die Politik ist wichtiger für die Börse, als viele meinen.

Michael Bechtel vom "Center for Comparative and International Studies" der ETH Zürich beobachtet das Thema seit Jahren. "Der Dax Chart zeigen unterliegt unterschiedlichen politischen Einflüssen", sagt er. "Bemerkenswert ist, dass vor allem die Volatilität steigt, wenn die Erwartungen für den Ausgang einer Wahl sich ändern. Die Dax-Renditen selbst scheinen weniger betroffen."

"Früher war so etwas einfacher zu beurteilen, da gab es das bürgerliche Lager, gebildet von CDU und FDP, und das linke Lager mit SPD und Grünen. SPD und CDU dominierten dabei das Parteiensystem." Drohten die Linken an die Macht zu kommen, stiegen die Volatilitäten regelmäßig an, sagt Bechtel, anders als bei der Vision einer unionsgeführten Regierung.

Doch diese Links-Rechts-Unterscheidung ist nicht mehr so einfach, wie die jüngsten Landtagswahlen gezeigt haben. "Da sind über kurz oder lang auch bundespolitisch ganz neue Konstellationen denkbar", sagt der Experte. Wie sich diese neuen Koalitionsoptionen und die damit verbundenen Unsicherheiten auf die Börse auswirken, sei wissenschaftlich noch nicht erforscht.

Vor einer Wahl geht es traditionell nach unten

Trotzdem steht fest: Je nach Branche ist der Ausgang der Bundestagswahl sehr wohl entscheidend. "Bestimmte Werte profitieren eher von einer wahrscheinlicher werdenden bürgerlichen Regierung, zum Beispiel Rüstungsunternehmen. Hier nimmt die Rendite zu, wenn eine schwarz-gelbe Regierung wahrscheinlicher wird. Bei einer Regierung aus dem linken Lager sind es eher Unternehmen aus dem Sektor erneuerbare Energien", erklärt Bechtel.

In diesem Jahr könnte dies besonders spannend werden. Denn die Bundestagswahl am 27. September hat größeren Einfluss als sonst, sagt Robert Smith. Der Brite analysiert Deutschlands Börsen von Amts wegen - er ist Fondsmanager des Baring German Growth Fund. "Das könnte dann der Fall sein, wenn das Ergebnis unerwartet im Vergleich zu den laufenden Umfragen und Hochrechnungen ausfällt und damit ein deutlicher Schwung nach rechts oder links einherginge."

So wie im Saarland, wo Die Linke mehr als 20 Prozent der Wählerstimmen bekam. Der Einfluss von Wahlen zeigt sich aber auch an einem einfacheren Beispiel: den Aktien der Atomkonzerne RWE Chart zeigen oder E.on Chart zeigen. Stärke die Wahl den Konservativen den Rücken, "bedeutet das unter anderem eine Verlängerung der Laufzeit, wovon diese Unternehmen profitieren würden."

Auch die Fondsgesellschaft Frankfurt Trust hat in einer Studie genauer hingesehen. Fazit: Die ersten 100 Tage vor einer Wahl tendierten die Aktienmärkte regelmäßig nach unten - immerhin in 11 von 13 Wahlen soll das so gewesen sein. Im Schnitt lag der Verlust bei acht Prozent. Nach einer Wahl soll übrigens ein Wechsel den Börsen generell auf die Sprünge helfen. Unabhängig von der politischen Ausrichtung der neuen Regierung.



insgesamt 824 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Galaxia, 06.08.2009
1.
Zitat von sysopNeue Anzeichen für eine Erholung der deutschen Wirtschaft: Die Industrie konnte im Juni deutlich zulegen - ihre Auftragseingänge stiegen um 4,5 Prozent, weit stärker als von Volkswirten erwartet. Bei all den Meldungen zur Konjunktur - blicken Sie noch durch?
Im Artikel heisst es ja "Gefragt waren demnach vor allem Maschinen und Fahrzeuge." Und bei Fahrzeugen konkret ist hier sicherlich dies auf die Umwelt-Abwrackprämie zurückzuführen. Daher man muss relativieren und durch diese "Prämie" wurde nur etwas aufgeschoben. Sinn solcher Meldungen ist wohl der Gedanke, das einige meinen man kann etwas schön reden. Die Verpackung macht auch was her, nur ändert das nichts daran wenn der Inhalt faul ist. Deutschland kann nur einen nachhaltigen Aufschwung schaffen, wenn es seine Energietechnologie umstellt.
Bettelmönch, 06.08.2009
2.
Zitat von sysopNeue Anzeichen für eine Erholung der deutschen Wirtschaft: Die Industrie konnte im Juni deutlich zulegen - ihre Auftragseingänge stiegen um 4,5 Prozent, weit stärker als von Volkswirten erwartet. Bei all den Meldungen zur Konjunktur - blicken Sie noch durch?
Nein, aber das zeigt, daß die Konjunktur komplexer ist als viele Expertenmeinungen suggerieren.
BTW, 06.08.2009
3.
Zitat von sysopNeue Anzeichen für eine Erholung der deutschen Wirtschaft: Die Industrie konnte im Juni deutlich zulegen - ihre Auftragseingänge stiegen um 4,5 Prozent, weit stärker als von Volkswirten erwartet. Bei all den Meldungen zur Konjunktur - blicken Sie noch durch?
Drastisch mehr Auftraege ? Ist ja voll krass. "Im Jahresvergleich ... lag das Minus im Juni bei 25,3 Prozent nach minus 29,4 Prozent im Vormonat"
mbberlin, 06.08.2009
4.
Zitat von sysopNeue Anzeichen für eine Erholung der deutschen Wirtschaft: Die Industrie konnte im Juni deutlich zulegen - ihre Auftragseingänge stiegen um 4,5 Prozent, weit stärker als von Volkswirten erwartet. Bei all den Meldungen zur Konjunktur - blicken Sie noch durch?
Blickt ihr beim Spiegel nocht durch?
Wolfghar 06.08.2009
5.
Zitat von sysopNeue Anzeichen für eine Erholung der deutschen Wirtschaft: Die Industrie konnte im Juni deutlich zulegen - ihre Auftragseingänge stiegen um 4,5 Prozent, weit stärker als von Volkswirten erwartet. Bei all den Meldungen zur Konjunktur - blicken Sie noch durch?
Ich blicke sicher nicht durch, aber ich misstraue auch allen Volkswirten mit Parteibuch und den INSM Gefühlsermittlungsinstituten bei ihrer politischen Stimmungsmache. Was bedeuten 4,5% mehr Aufträge bei einem Einbruch von bis zu 70% teilweise? Ein Aufschwung? Was für eine demagogische Desinformation! Mit Wahrheit und Ehrlichkeit wollen diese Leute sicher nichts zu tun haben. Aber wenn es jetzt wieder neue Aufträge gibt kann man ja endlich die Löhne weiter senken um die Stellen zu halten.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.