Porsche gegen Audi "Ich kann diese ganzen Lügen nicht mehr ertragen"

Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück greift die Konzernschwester Audi frontal an und verlangt die Entlassung von deren Vorstand. In der Dieselaffäre fühle er sich "von Audi betrogen".

Uwe Hück
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Uwe Hück


Im Volkswagenkonzern ist ein bemerkenswerter Streit zwischen den Töchtern Porsche und Audi entbrannt. Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück sieht sein Unternehmen von der VW-Konzernschwester Audi hintergangen. Grund: die Abgasaffäre .

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Heft 30/2017
Audi, BMW, Mercedes, Porsche, VW - Enthüllt: Die heimlichen Absprachen der Autokonzerne

"Ich werde es nicht zulassen, dass Porsche durch Tricksereien von Audi in Gefahr gerät", sagte Hück der "Bild am Sonntag". Er forderte die Entlassung von Vorständen bei Audi. "Eigentlich muss der Audi-Aufsichtsrat die Vorstände freistellen."

Hintergrund seiner Kritik: Bei Audi sollen Teile des Dieselskandals ihren Ursprung haben. "Dieselgate" war im September 2015 bekannt geworden, als US-Behörden und Forscher einen höheren Ausstoß gefährlicher Stickoxide von VW-Dieselautos im Straßenbetrieb aufgedeckt hatten. Der Konzern räumte daraufhin ein, eine Software ("defeat device") eingesetzt zu haben, die nur bei Tests die Reinigung voll aktivierte.

"Ich glaube denen gar nichts mehr"

Von Audi gingen später auch große 3,0-Liter-Dieselantriebe, deren Betrieb zumindest in den USA nicht vorschriftsgemäß war, an Porsche und VW. Dies seien "kranke Motoren" gewesen, sagte Hück: "Wir fühlen uns von Audi betrogen." Er könne nun "diese ganzen Lügen nicht mehr ertragen".

Inzwischen laufen auch gegen Porsche-Mitarbeiter Betrugsermittlungen der Staatsanwaltschaft. "Immer und immer wieder haben sie uns versichert, dass die Motoren in Ordnung sind, sogar schriftlich. Nichts davon stimmte, ich glaube denen gar nichts mehr", sagte Hück mit Blick auf die Audi-Chefetage.

Zu der manipulativen Abgas-Software sagte Hück: "Dieses Krebsgeschwür muss jetzt endlich richtig behandelt werden, und zwar nicht mit Puder, sondern mit Chemotherapie." Er wünsche sich, "dass die Herren Vorstände für den Schaden zahlen müssen, den sie angerichtet haben".

Seine Betriebsratskollegen Bernd Osterloh (VW) und Peter Mosch (Audi) haben das Management bisher nicht so scharf kritisiert.

Neben der Dieselaffäre erschüttert seit Freitag ein weiterer Skandal die deutsche Autoindustrie. Der SPIEGEL hatte enthüllt, dass sich die fünf großen Konzerne Volkswagen, Daimler, BMW, Porsche und Audi über Jahre hinweg im großen Stil bei Technik, Kosten und Zulieferern abgesprochen haben. Die Aktienkurse der Unternehmen sackten daraufhin am Freitag ab.

Die gesamte Geschichte lesen Sie hier und im aktuellen SPIEGEL.

hej/dpa-AFX



insgesamt 165 Beiträge
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and777 23.07.2017
1. Wichtigtuer
Klar, dass Heck jetzt aus der kuscheligen Deckung kommt und sich in den kommenden Wochen in jedes TV-Studio setzt und populistische Phrasen drischt. Nur wird er vom bösen Konzern fürstlich ernährt und gehört wie sein Betriebsratgenosse Osterloh zur gleichen Mischpoke.
herbert 23.07.2017
2. Vorstände auswechseln
und sich neu ausrichten! Aber keine Grünen mitmischen lassen, denn die wollen das Auto abschaffen
schwensen01 23.07.2017
3. Ich bin nur Kunde,
was meinen sie wie ich darüber denke. Ich fahre einen VW mit EA 189 Motor. Leider bekomme ich als Kunde nur die sog. Umrüstung umsonst. Mir fehlen da die Worte. Herrn Dobrint anscheinend ja auch....
paula_f 23.07.2017
4. Herr Hück spricht mit gespaltener Zunge
schon in der Vergangenheit wurden die Weichen falsch gestellt, und gerade jetzt werden sie auch falsch gestellt. Schon in den 80 er Jahren hatte Audi einen echten Hybriden - einen Avant mit elektrisch angetriebener Hinterachse - der allererste Porsche war auch ein. Als Schremp von Daimler, der sich durch nicht mal rudimentäre thermodynamische Kenntnisse auszeichnete, und Piech die gemeinsame Entwicklungsfirma für Batterien dichtmachte war das der erste große Fehler. In der Batterietechnik war mal damals ganz vorne nun nach 30 Jahren verhinderter Entwicklung sieht es nicht mehr gut aus. In Bezug auf Herr Hück stellt sich hier die Frage welche Autos wohl insgesamt mehr giftige Schadstoffe ausstoßen? Ein Porsche Cayenne Turbo oder ein Porsche 3.0 Diesel.
Neandiausdemtal 23.07.2017
5. Irgendwie kann ich ihn verstehen
Porsche dürfte die deutsche Automobilfirma sein, die am wenigsten mit Diesel am Hut hat. Andererseits ist auch klar, dass VW und mindestens genauso Audi auf den Verkauf in die ganzen Geschäftsfahrzeugflotten angewiesen sind. Bei der kleinbürgerlichen Spießermarke mit der ausgeprägten Großmannssucht, also bei Audi, dürften das mehr als 2/3 sein. Die Flottenmanager achten bei der Berechnung für diese Karren aber besonders auf den "offiziellen" Schadstoffausstoß. Daher sind besonders die VAG-Fahrzeuge oft relativ günstig für den GFz-Nutzer. Im Grunde ist so auch die Konkurrenz von Ford, Opel, aus Frankreich, aus Japan usw. massiv besch.... worden. Die geben etwas weniger phantastische Verbrauchszahlen und Werte an. Oder halt, gaben an. Ich muß ergänzen, das meine Erfahrungen und Kenntnisse 3-4 Jahre alt sind. So weit, so schlecht. Auch bemerkenswert ist allerdings, dass Porsche die angelieferten "kranken Motoren" offenbar nie geprüft hat. Soviel zum Thena Betrug bei Porsche. Im Grunde wurden da, zumindest mit dem Macan, wohl nur umgelabelte Audis verkauft. Die aber zu Porschepreisen! Auch schön!
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