Tarifstreit IG Metall ruft zu Kundgebung bei Porsche auf

Der Tarifstreit in der Metallindustrie kommt in Fahrt: Die IG Metall ruft die Beschäftigten von Porsche zu einer Kundgebung auf. Ein Arbeitgeber-Gutachten stuft einen Teil der Forderungen als rechtswidrig ein.

Porsche-Montage (Archiv)
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Porsche-Montage (Archiv)


Porsche ist der erste Autohersteller, der in der laufenden Tarifrunde der Metallindustrie mit Warnstreiks rechnen muss. Beschäftigte am Stammsitz des Unternehmens in Stuttgart-Zuffenhausen seien zu einer Kundgebung am Donnerstagvormittag aufgerufen, teilte die IG Metall Stuttgart mit. Dazu werden mehr als 1000 Teilnehmer erwartet.

Die Friedenspflicht, während der keine Arbeitsunterbrechungen erlaubt sind, endete an Silvester. Zu ersten Kundgebungen für die Tarifforderungen der Gewerkschaft kam es in dieser Woche bereits in Niedersachsen, so etwa beim Autozulieferer Bosch in Salzgitter.

Bundesweit sollen die Warnstreiks am Montag beginnen und sich steigern, bis die dritte Verhandlungsrunde im Pilot-Tarifbezirk Baden-Württemberg am 11. Januar in Böblingen beginnt.

Positionen liegen weit auseinander

Nach den ersten beiden Verhandlungsrunden lagen die Tarifparteien bei der Lohnforderung noch weit auseinander: Die IG Metall fordert für die größte deutsche Industriebranche mit ihren rund 3,9 Millionen Beschäftigten sechs Prozent mehr Lohn. Das solle ab Januar gelten bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Die Arbeitgeber boten zwei Prozent Lohnerhöhung ab 1. April an sowie 200 Euro Einmalzahlung für die ersten drei Monate des Jahres.

Beim Thema Arbeitszeit sind Gewerkschaft und Arbeitgeber auf Konfrontationskurs. Die IG Metall will ein individuelles Recht auf eine zeitweise Arbeitszeitverkürzung auf 28 Wochenstunden durchsetzen und fordert Zuschüsse für Arbeitnehmer, die weniger arbeiten, um Angehörige zu pflegen oder Kinder zu betreuen. Die Unternehmen pochen dagegen auf die Möglichkeit, mehr Beschäftigte als bisher länger als 35 Wochenstunden ohne Zuschläge arbeiten zu lassen.

Gutachten stuft Regelung als rechtswidrig ein

Die von der Gewerkschaft vorgeschlagenen Regelungen zur Teilzeitarbeit mit Lohnausgleich werden in einem vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall bestellten Gutachten als rechtswidrig eingestuft. Die Ausgleichszahlungen benachteiligten all jene Beschäftigten, die schon in Teilzeit arbeiten und dafür nichts bekommen.

Deshalb sei ein Streik, der die Durchsetzung auch nur einer illegalen Tarifforderung zum Ziel hat, "insgesamt unzulässig", heißt es in dem Gutachten, das der Arbeitsrechtler Clemens Höpfner aus Münster erstellt hat.

Die IG Metall plant neben stundenweisen Arbeitsniederlegungen erstmals auch ganztägige Warnstreiks schon vor einem Scheitern der Verhandlungen, was die Unternehmen angesichts der guten Auftragslage empfindlich treffen würde.

brt/Reuters/dpa



insgesamt 16 Beiträge
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aktiverbeobachter 03.01.2018
1. Es geht los
Die IG Metall gefährdet mit Ihrem Gebarden tausende von Arbeitsplätzen. Dabei vertritt sie nur eine Minderheit der Arbeitnehmer/innen. Sie nimmt mal wieder andere leistungswillige Arbeitnehmer/innen in Geiselhaft und wird natürlich hinterher alles auf den bösen ausbeuterischen Arbeitgeber schieben.
Nordstadtbewohner 03.01.2018
2. Arbeitgeber: Bitte nicht nachgeben!
Ich kann nur hoffen, dass sich Porsche und andere Arbeitgeber nicht auf die erpresserischen Forderungen der IG Metall einlassen. Wer seine Arbeitszeit reduzieren will, kann dies auch ganz individuell mit seinem Arbeitgeber aushandeln und einen neuen Arbeitsvertrag aufsetzen. Dazu kommt, dass ich die Forderung nach 6% mehr Lohn für unangemessen halte. Eine solche Forderung ist das Ergebnis realitätsferner Gewerkschaftsfunktionäre.
Stäffelesrutscher 03.01.2018
3.
Oh, ein Arbeitgeber sorgt sich um Gleichbehandlung von Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigten? Kann SPON bitte mal eruieren, ob Porsche auch Teilzeitbeschäftigten Überstundenzuschläge bezahlt, sobald sie ihre arbeitsvertragliche Tages-, Wochen-, Monats- oder Jahresarbeitszeit überschreiten? Oder macht die Halbtagskraft die ersten 17,5 Überstunden pro Woche ohne Zuschläge?
geotie 03.01.2018
4.
Zitat von aktiverbeobachterDie IG Metall gefährdet mit Ihrem Gebarden tausende von Arbeitsplätzen. Dabei vertritt sie nur eine Minderheit der Arbeitnehmer/innen. Sie nimmt mal wieder andere leistungswillige Arbeitnehmer/innen in Geiselhaft und wird natürlich hinterher alles auf den bösen ausbeuterischen Arbeitgeber schieben.
Nach Ihren Worten müssten die Nicht-Mitglieder auf die Lohnerhöhung verzichten, oder erhalten diese auch? Arbeitsloswird dabestimmt keiner, nur die Chefetage wird weniger Gewinn für die Aktionäre vorweisen können. Daist es mir doch lieber, dass Leute, die für ihr Geld arbeiten, dieses auch erhalten als irgendwelche die eh schon zu viel davon haben!
schlauchschelle 03.01.2018
5. Hat nicht Porsche letzes Jahr, IIRC,
mehr als 10k-Eu pro Mitarbeiter, vom Reinigungspersonal bis zur Vorstandsetage, gezahlt, um die MA an den sehr guten Geschäftsergebnissen teilhaben zu lassen? Und nun wird Porsche so dafür bedankt? Ich wäre froh, wenn ich auch nur 100Eu an Prämie bekäme, wenn ich die Zahlen meines AG sehe, dem die Konten überlaufen. Wäre ich bei Porsche, ich wäre gaanz still und dankbar, da arbeiten zu dürfen....
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