Beteiligungsgesellschaft Porsche-Holding kauft Softwarefirma

Nach jahrelanger Suche hat die Porsche-Dachgesellschaft und VW-Mehrheitseigentümerin Porsche SE erstmals eine Firma übernommen - für einen stolzen Preis.

Logo vor der Kühlerhaube eines Porsche
DPA

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Die Porsche-Dachgesellschaft und VW-Mehrheitseigentümerin Porsche SE hat 97 Prozent der Aktien des Karlsruher Softwareentwicklers PTV für mehr als 300 Millionen Euro gekauft. PTV entwickelt Software zur Verkehrsplanung, etwa Simulationen zur Verkehrsplanung und Transportlogistik. In den Modellen wird zum Beispiel analysiert, wie der Verkehr in Städten fließt und besser fließen könnte.

Durch den Komplettverkauf des Sportwagenbauers Porsche AG an VW im Jahr 2012 hatte die Porsche SE Milliarden in der Kasse, die sie investieren wollte. Die Porsche SE hält nach wie vor die Mehrheit der Stimmrechte am Autokonzern Volkswagen. Doch die Suche nach geeigneten Übernahmekandidaten verlief bisher schwierig: 1200 Beteiligungen wurden geprüft und nahezu alle verworfen. Der hohe Aufwand bei der Suche nach Investitionsmöglichkeiten hatte erst kürzlich auf der Hauptversammlung der Porsche SE unter Kleinaktionären scharfe Kritik an der Unternehmensführung hervorgerufen.

"PTV ist in seinem Bereich Marktführer und hat zudem großes Potenzial", sagte Porsche-SE-Vorstand Philipp von Hagen. Mit ihrer Software sei die PTV an der Schnittstelle zwischen Mobilität und Digitalisierung. Damit passe sie sehr gut in die Ausrichtung der Porsche SE.

Das international tätige Unternehmen kam zuletzt auf einen Jahresumsatz von gut 100 Millionen Euro. Der Gewinn ist aber nicht bekannt. Die Firma hat 700 Mitarbeiter, die Hälfte davon in der Zentrale in Karlsruhe. Kunden von PTV sind Behörden und Firmen, aber keine Privatleute.

Gut 300 Millionen Euro für eine Firma mit nur rund 100 Millionen Umsatz - ist das nicht etwas viel? Porsche-Vorstand von Hagen verneint: "Der Kaufpreis beruht auf einer sehr fundierten Bewertung und ist absolut angemessen, die Firma wächst sehr schnell - das ist im Kaufpreis mit drin."

Nach dem Kauf hat die Porsche SE noch rund eine Milliarde Euro auf der hohen Kante. Wann der mögliche nächste Kauf folgt, ist bisher nicht bekannt.

hej/dpa-AFX



insgesamt 7 Beiträge
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Bernd.Brincken 07.06.2017
1. Erfolgsstrategie
Wenn die Umsätze bei einem Startup deutlich kleiner als die Kosten sind, dann stehen dahinter häufig Gegengeschäfte mit anderen Unternehmen in einer ähnlichen Lage. Alle in dem Zirkel setzen auf den weißen Ritter, der bei irgendeinem der Spieler einen großen Sack Goldtaler fallen lässt. Das hat nun geklappt, also Glückwunsch. Die Porsche-Beteiligung wird die Visionen künftiger Investoren zusätzlich beflügeln. Solange die Autos wegen der Software nicht plötzlich stehenbleiben, nimmt niemand Schaden.
susuki 07.06.2017
2.
Lol, kenne die Firma, alles was die haben lässt sich mit 10, 15 Mannjahren selbst bauen. Da wird bald ein Abschreiber fällig.
brain on 07.06.2017
3.
Die beste Prognose des zukünftigen Ergebnis eines Unternehmens ist ihr Ist-Ergebnis. Abschreiber!
caneiros 07.06.2017
4. interessant!
@ Bernd.Brincken: eine 1979 gegründete Firma als start up zu bezeichnen, Respekt! PS: der Porsche kann auch nicht stehenbleiben, da die Softwarelösungen der PTV damit so garnichts zu tun haben... @ susuki: wenn es so simpel ist bitte ich doch mal um ein Festpreisangebot!
nolabel 07.06.2017
5. Diesel-Lösung?
Vielleicht hat PTV ja insgeheim was ganz anderes in der Pipeline: Das perfekte Software-Update für Diesel-Porsches (ja, die gibt es tatsächlich).
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