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17. Februar 2012, 08:04 Uhr

Porsches Übernahmekampf

Auch Finanzaufseher überprüfen Wulff

Christian Wulff hat nicht nur Ärger mit der Staatsanwaltschaft - nun nimmt ihn auch noch die Finanzaufsicht ins Visier. Nach SPIEGEL-Informationen prüft die BaFin, ob Wulff bei Porsches Übernahmeversuch gegen das Gesetz verstoßen hat.

Hamburg - Die Finanzaufsicht BaFin prüft nach SPIEGEL-Informationen, ob Wulff als VW-Aufsichtsrat gegen das Wertpapierhandelsgesetz verstoßen hat. Möglicherweise hätte er die VW-Gremien informieren müssen, damit diese dann eine sogenannte Ad-hoc-Meldung hätten herausgeben können. Es geht um den Versuch des Sportwagenherstellers Porsche, den VW-Konzern zu übernehmen.

Im Mittelpunkt steht ein Vermerk vom 12. Februar 2008. In diesem teilte Mathias Middelberg, damals Chef der Wirtschaftsabteilung in der Hannoveraner Staatskanzlei, Wulff Folgendes mit: "Mittelfristiges Ziel von Porsche ist der Abschluss eines Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrags". Dafür benötigte Porsche mindestens 75 Prozent der VW-Aktien.

Verstoß gegen Informationspflicht?

Porsche hatte bis Ende Oktober 2008 stets abgestritten, einen Aktienanteil von 75 Prozent bei VW anzustreben. Viele Anleger hatten auf sinkende VW-Kurse gesetzt und Milliarden verloren, als Porsche am 26. Oktober erklärte, der Sportwagenbauer strebe doch 75 Prozent bei VW an, und der Kurs kurzfristig bis auf mehr als tausend Euro stieg.

Nach Ansicht von Kapitalmarktexperten hätte Wulff nach dem Vermerk seines Mitarbeiters dem VW-Aufsichtsrat über diese Information berichten müssen. Dieser hätte den VW-Vorstand informieren sollen, der über die Herausgabe einer sogenannten Ad-hoc-Meldung hätte entscheiden müssen, um die Aktionäre zu informieren.

Die BaFin prüft nun, ob Wulff seine Erkenntnis aus dem Vermerk hätte öffentlich machen müssen, um eine Irreführung der VW-Aktionäre zu verhindern. Sollten die Finanzaufseher einen Verstoß gegen die Ad-hoc-Pflicht erkennen, könnten sie ein Bußgeld verhängen.

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cte

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