Portugiesische Großbank Espírito Santo meldet 3,6 Milliarden Euro Verlust

Es ist ein Rekordverlust im portugiesischen Bankensystem: Die Banco Espírito Santo hat im ersten Halbjahr ein Minus von 3,6 Milliarden Euro verbucht. Gegen den Firmenpatriarchen wird wegen Verdachts auf Betrug und Geldwäsche ermittelt.

Filiale der Banco Espírito Santo in Lissabon: "Außerordentliche Faktoren"
DPA

Filiale der Banco Espírito Santo in Lissabon: "Außerordentliche Faktoren"


Lissabon - Die angeschlagene portugiesische Banco Espírito Santo (BES) hat im ersten Halbjahr Rekordverluste eingefahren. Das Minus habe sich auf 3,57 Milliarden Euro belaufen, teilte das Finanzinstitut des mächtigen Banker-Clans Espírito Santo mit. Die BES ist die führende Privatbank Portugals.

Bankchef Vitor Bento bezeichnete eine Kapitalerhöhung als notwendig. Die Maßnahme solle sofort eingeleitet werden. Ein Volumen nannte er zunächst nicht. Etliche Investoren hätten bereits ihr Interesse an einem solchen Schritt bekundet. Zudem erwäge Bento im Rahmen einer Umstrukturierung den Verkauf von Geschäftsteilen der Bank. Der erst seit Mitte Juli amtierende Bankchef sagte, er halte es für möglich, dass bei der BES gegen Gesetze verstoßen worden sei.

Der hohe Fehlbetrag der führenden Privatbank Portugals - laut Medien der höchste in der Geschichte der Finanzwirtschaft des Landes - sei auf "außerordentliche Faktoren" zurückzuführen, hatte die Bank im Zuge der Verlustmeldung mitgeteilt. Allein die Wertminderungen und die Rückstellungen für Schadensmöglichkeiten hätten mit 4,25 Milliarden Euro zu Buche geschlagen.

Ende Mai waren Unregelmäßigkeiten bei der Dach-Holding Espírito Santo International (ESI) bekannt geworden. Sie soll Verluste in Höhe von 1,3 Milliarden Euro verschleiert haben. Die ESI ist indirekt an der BES beteiligt: Ihr gehört die Investmentgesellschaft Rioforte, die wiederum 49 Prozent am Kapital der Espírito Santo Financial Group (ESFG) hält. ESFG ist mit 20,1 Prozent der größte Anteilseigner bei der BES.

Ermittlungen wegen Betrugs und Geldwäsche

Nach ESI und Rioforte beantragte am vergangenen Donnerstag auch die ESFG die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens, um unter Gläubigerschutz gestellt zu werden. Zudem leitete die portugiesische Justiz Ermittlungen gegen den früheren BES-Chef und Firmenpatriarchen Ricardo Espírito Santo Salgado wegen des Verdachts auf Betrug, Vertrauensmissbrauch, Fälschung und Geldwäsche ein.

Die portugiesische Zentralbank teilte nach Veröffentlichung der katastrophalen Zahlen mit, dass die für die Bilanzen zuständigen Mitarbeiter das Geldhaus verlassen müssten. Die Wirtschaftsprüfer PwC sollten die Bank so lange überwachen, bis neue interne Revisoren installiert worden seien.

Eine für Donnerstag anberaumte außerordentliche Aktionärsgeneralversammlung der BES war erst am Dienstag inmitten von Gerüchten über Rekordverluste kurzfristig abgesagt worden. Dort sollte die neue Führung abgesegnet werden. Auf Druck der Zentralbank, die das Institut von den Problemen der ESFG abschirmen wollte, war der Ökonom Vítor Bento zum Nachfolger von Salgado ernannt worden, der 22 Jahre an der BES-Spitze gestanden hatte.

Der BES-Aktienkurs, der in den vergangenen Wochen im Zuge der Probleme bereits um mehr als 60 Prozent nachgegeben hatte, brach weiter ein, am Mittwoch um zehn Prozent, im Verlauf des Donnerstagvormittags um weitere 45 Prozent. Am Mittag erreichte sie den historischen Tiefststand von 0,20 Euro.

fdi/dpa/Reuters/AFP



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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
Immanuel_Goldstein 31.07.2014
1.
Zitat von sysopDPAEs ist ein Rekordverlust im portugiesischen Bankensystem: Die Banco Espírito Santo hat im ersten Halbjahr ein Minus von 3,6 Milliarden Euro verbucht. Gegen den Firmenpatriarchen wird wegen Verdachts auf Betrug und Geldwäsche ermittelt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/portugal-bank-banco-espirito-santo-meldet-3-6-milliarden-euro-verlust-a-983809.html
3,6 Milliarden Verlust? Ist doch ein Klacks für die Merkel und den europäischen Steuerzahler. Die Bank muss unbedingt gerettet werden.
habnichviel 31.07.2014
2. Selbstverständlich......
muss gerettet werden. Was sollen denn die Börsianer denken?
mastertill 31.07.2014
3.
22 Jahre lang Patriarch und jetzt erst fällt das Missmanagement auf ? Am Ende müssen wieder die Kleinaktionäre die Zeche zahlen
agua 01.08.2014
4.
Die Frage, die in Portugal in den Medien gestellt wird: Was hat die Troika in Portugal gemacht? Warum wird diese Bankenpleite veröffentlicht, nachdem Portugals erfolgreicher Abschluss aus der Krise bekannt gegeben wurde?
Celestine 01.08.2014
5.
Zitat von Immanuel_Goldstein3,6 Milliarden Verlust? Ist doch ein Klacks für die Merkel und den europäischen Steuerzahler. Die Bank muss unbedingt gerettet werden.
Ja, unbedingt, aber das hängt davon ab, ob sie alternativlos systemrelevant bzw. TBF ist, nach Lesart der Märkte ...
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