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Positive Konjunkturprognosen: Ökonomen jubeln über Super-Aufschwung

Die schlimmste Rezession seit Jahrzehnten - war da was? Inzwischen passen Forscher ihre Prognosen zur wirtschaftlichen Entwicklung ständig nach oben an. Ein Plus von mehr als zwei Prozent in diesem Jahr gilt als ausgemacht. Da will auch der Wirtschaftsminister im Jubelchor nicht fehlen.

Container im Hamburger Hafen: Der Export treibt den Aufschwung Zur Großansicht
dpa

Container im Hamburger Hafen: Der Export treibt den Aufschwung

Berlin - Die schwerste Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten scheint endgültig vorbei: Immer mehr Ökonomen sehen Deutschland mitten in einem kraftvollen Aufschwung. So kalkuliert der Chef-Ökonom des Versicherungskonzerns Allianz, Michael Heise, für 2010 mit bis zu 2,3 Prozent Wachstum. "Die erstaunliche Entwicklung am Arbeitsmarkt ist der Einstieg in einen selbsttragenden Aufschwung", sagte Heise dem Nachrichtenmagazin "Focus". Am Freitag hatte der Ifo-Index, das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer, den stärksten Anstieg seit 20 Jahren verzeichnet.

Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln, Michael Hüther, sagte: "Die Finanzkrise hat nur eine Wachstumspause ausgelöst, jetzt geht es wieder aufwärts." Der Arbeitsmarkt entwickle sich unerwartet positiv. "Wir haben wohl unterschätzt, wie flexibel Unternehmer und Beschäftigte die Arbeitszeit inzwischen regeln", sagte Hüther. Er fügte hinzu: "Wir müssen eher aufpassen, dass der Fachkräftemangel den Aufschwung nicht bremst."

Auch Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) rechnet mit einem stärkeren Wachstum der deutschen Wirtschaft als bisher von der Regierung prognostiziert (siehe Kasten links). "Bei aller Vorsicht glaube ich, dass wir sogar eine zwei vor dem Komma erreichen können", sagte Brüderle.

BDI warnt vor langwieriger Aufholphase

Bisher ging die Bundesregierung von einem Wachstum von 1,4 Prozent aus. Die Bundesbank hatte bislang 1,9 Prozent Wachstum prognostiziert. Der Aufschwung sei noch exportgetrieben, im Automobilsektor stammten jedoch 80 Prozent des Wachstumserfolgs von heimischen Zulieferern, sagte Brüderle. "Es gibt wieder Sonderschichten und Mehrarbeit. Die Zahl der Kurzarbeiter könnte so von über 600.000 auf unter 100.000 bis Jahresende sinken."

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) geht weiterhin davon aus, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr um zwei Prozent wachsen wird. Eine neue Rezession hält der BDI für unwahrscheinlich. Das geht aus dem jüngsten Konjunkturreport des Verbands hervor, wie die Zeitung "Die Welt" berichtete.

Die deutsche Wirtschaft profitiere laut BDI nicht nur von der hohen Nachfrage aus dem Ausland, sondern zunehmend auch davon, dass mehr Aufträge aus dem Inland kommen. "Die aktuellen Zahlen zu Auftragseingängen und Produktion signalisieren, dass der Aufschwung deutlich an Fahrt aufgenommen hat", heißt es laut Zeitung im Konjunkturreport. Das Auslaufen der Konjunkturpakete sei nach Ansicht des BDI keine große Belastung für das Wachstum. Dennoch warne der BDI vor Euphorie, denn die Aufholphase werde langwierig sein.

böl/ddp/Dow Jones/dpa-AFX

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 9 Beiträge
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1. Es taugt nicht alles: ich vermute was von argen Ränken.
Diomedes 25.07.2010
Stand die Welt gestern noch am wirtschaftlichen Abgrunde und herrscht nun wieder eitler Sonnenschein? Doch selbst wenn der Staat den Kollaps abgewendet hätte und es ihm gelingen würde die ernormen Schuldenlasten zu bewältigen, so hat er doch dort versagt, wo es auf alles angekommen wäre: Das unselige Geldverleiherwesen wurde nicht den unerbittlichen Regeln des Gesetzes und der strengen Aufsicht der staatlichen Behörden unterworfen, sondern besteht weiter wie vorher und wird sich somit über kurz oder lang erneut gegen die Wand fahren; und ob dann der Staat noch einmal rettend eingreifen kann? Zumal allerlei Gerüchte umgehen, es gäbe noch mehr solche Blasen, die unmittelbar zu platzen drohten; von den politischen Folgen dieses verantwortungslosen Staatshandelns gar nicht erst zu reden… denn wer könnte dem Volk jetzt noch Sparsamkeit und Opferwille predigen, wenn auf Staatskosten die Banken prassen dürfen und für liederliches Wirtschaften auch noch belohnt werden? Diese Torheiten werden weite Kreise ziehen und gar zu schnell feiert man hier an der Börse… denn schon stehen die in den Startlöchern, die den Börsen- und Freihandel grundsätzlich verbieten wollen, können und werden.
2. super
gunna2 25.07.2010
der wirstschaft gehts wieder super, gottseidank den menschen immer schlechter, so gewollt aber alles was zählt und wert hat ist die wirtschaft
3. Zahlen zeigen stets rückwärts -
k.h.a. 25.07.2010
und darauf beruhende Stimmungen (Ifo) sind bestenfalls Hoffnungen oder/und Zweckoptimismus. Tatsachen sprechen eine andere Sprache: Weltweit sind die Staatsprogramme nach den historisch stets gescheiterten Rezepten von Keynes ausgelaufen - in China etwa haben die hirnrissigen Hilfen zu einem Kreditboom für unsinnige Projekte vornehmlich im Immobilienbereich geführt, wodurch allein um die 60% des ausgewiesenen Wachstums generiert worden sind. Das ist krank. Ähnlicher Blödsinn wurde anderswo produziert. Die Arbeitslosigkeit in USA nimmt weiter zu, obwohl Milliarden Dollar für alle möglichen Initialzündungen verschleudert wurden - vergeblich. Etwa 70% des US-BIP hängen vom Konsum ab - wie soll denn da selbsttragendes Wachstum entstehen? Die paar gesammelten Exportaufträge für Deutschland sind bald abgearbeitet - und dann? Die Lager sind voll und Ausrüstungsinvestitionen fehlen in allen Industrieländern - so entsteht kein Wachstum. Die herbeigeredete Euphorie fällt bald in sich zusammen. Dann gibt`s wieder trocken Brot.
4. Und der normale Mensch hat Wahrnehmungsstörungen…
wika 25.07.2010
Komisch bei der ganzen verordneten Schönrederei und Feierlaune … warum kommt denn die an der Basis nicht an? Wahrscheinlich weil die Basis nicht gemerkt hat, dass sie Objekt der Begierde ist … und wohl auch nicht mehr. Schließlich macht die breite Masse nicht die Meinung sondern unsere Politiker, Konzerne und die Medien. Sie wollen auch feiern? Dann müssen sie sich nur an die Termini der zuvor erwähnten gewöhnen. Fangen sie mal hier an: *Humankapitalanlage, Tipps und Tricks für Profis* (http://qpress.de/2010/07/03/humankapitalanlage-tricks-fur-profis/)! Und jetzt machen sie mal ihr Erspartes locker und investieren in die Sache. Sie meinen jetzt da läuft was schräg? Richtig! Das System - immer noch kurz vor dem Koma, dem man versucht mit ein wenig spritzigem Sekt zur Kreislaufbelebung zu entkommen. Und wenn unsere Führer und Wirtschaftslenker endlich begriffen haben, dass es ohne das Volk mit der Volksausbeute vielleicht doch nicht so gut funktioniert, wenn dieses auf halber Strecke verendet, dann dürfen wir auf eine Besserung hoffen und ein neues System welches vielleicht einmal wieder den Menschen in den Mittelpunkt des „Seins“ rückt und nicht nur Renditen um die 25%. Bei mir ist, oh Wunder, ob der beschriebenen Umstände, diese Feierlaune wirklich noch nicht angekommen.
5. Kein Wunder
H. Hipper, 25.07.2010
Diesbezüglich möchte ich T. Fricke aus der FTD zitieren: Schon ist von Wundern die Rede, wahlweise auch von Märchen. Dabei könnte die Überraschung auch daher kommen, dass die vorangegangenen Krisen falsch verstanden wurden. Vielleicht lässt sich das vermeintliche Wunder ja weitgehend weltlich erklären - und mit etwas Vernunft auch verlängern. Sonst ist bald Schluss mit den schönen Überraschungen. (http://www.ftd.de/politik/deutschland/:kolumne-thomas-fricke-kein-wunder/50147652.html)
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Welches Wachstum Experten vorhersagen
Fünf Wirtschaftsweise
Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ("Fünf Wirtschaftsweise") rechnet für 2010 mit einem Wachstum der deutschen Wirtschaft von 1,5 Prozent. Für 2011 liegt die Prognose bei 1,4 Prozent.
Bundesregierung
Die schwarz-gelbe Regierungskoalition geht für 2010 von einem Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent in der Bundesrepublik aus. Im nächsten Jahr erwartet die Regierung einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,6 Prozent.
Führende Wirtschaftsinstitute
In ihrer Gemeinschaftsdiagnose sagen die führenden Wirtschaftsinstitute (u.a. Kieler Institut für Weltwirtschaft, Münchner ifo-Institut und RWI Essen) für 2010 ein Plus der deutschen Wirtschaft in Höhe von 1,5 Prozent voraus. Für 2011 rechnen sie mit einem Anstieg von 1,4 Prozent.
EU-Kommission
Brüssel prognostiziert für Deutschland ein Plus von 1,2 Prozent im Jahr 2010.
Internationaler Währungsfonds
Auch die Experten des Internationalen Währungsfonds (IWF) rechnen für 2010 nur mit einem Wachstum von 1,2 Prozent in Deutschland. Für 2011 erwarten sie einen Anstieg in Höhe von 1,8 Prozent.


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