Berlin - 2009 hat BP das Sommerfest des Bundespräsidenten gesponsert - dieses Jahr muss der Energieriese passen: Nach heftiger Kritik von SPD und Grünen zog der Energiemulti, der mit der Ölpest im Golf von Mexiko kämpft, sein Engagement zurück.
"Im Mittelpunkt des Sommerfestes stehen der Bundespräsident und das bürgerschaftliche Engagement der Gesellschaft", teilte das Unternehmen am Freitag mit. "BP möchte in keiner Weise Anlass zu Diskussionen im Umfeld des Sommerfestes geben und damit die eigentliche Intention des Festes stören."
BPs Plattform "Deepwater Horizon" war im April im Meer versunken und hatte elf Menschen in den Tod gerissen. Seitdem sprudeln Millionen Liter Öl ins Meer. Konzernchef Tony Hayward hat die Öffentlichkeit mehrmals mit taktlosen Bemerkungen zur Ölpest erzürnt.
Oppositionspolitiker hatten das geplante Sponsoring des Ölmultis deshalb scharf kritisiert. SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte, BP solle sein Geld lieber denen geben, die es dringend brauchten, nämlich den Opfern der Ölpest. "Jede Fischerfamilie braucht es dort mehr als die Gäste auf dem Fest des Bundespräsidenten." Er würde sich schämen, sich von BP bewirten zu lassen, sagte Gabriel der "Bild"-Zeitung.
"Es wäre obszön"
Grünen-Chefin Claudia Roth sagte, ihr sei es völlig unverständlich, wie das Präsidialamt auf diese Idee kommen könne. "Es wäre obszön, wenn auf dem Sommerfest des Bundespräsidenten von BP bezahlte Häppchen verspeist werden, während im Golf von Mexiko durch das Verschulden von BP unzählige Vögel und Meerestiere in der klebrigen Ölschlacke verenden", sagte sie dem "Handelsblatt".
BP wollte bei der Party im Park von Schloss Bellevue am 2. Juli eigentlich Projekte aus den Bereichen Schule, Zivilgesellschaft und Ehrenamt vorstellen. "Es lag in unserer Absicht, das Fest mit unserem Engagement zu stärken und Impulse hierzulande zu setzen", teilte der Konzern mit. "Dies erscheint uns so nicht mehr möglich zu sein."
Das Präsidialamt erklärte, man respektiere die Entscheidung. Die Vereinbarungen mit dem Konzern seien vor der Ölkatastrophe zustande gekommen.
Kosten für Beseitigung der Ölpest explodieren
Die Kosten der Ölpest werden für BP immer größer: Die offiziellen Ausgaben für die Beseitigung der schlimmsten Ölkatastrophe im Golf von Mexiko liegen jetzt bei 2,35 Milliarden Dollar. Anleger sind besorgt - die Aktie ist so billig wie seit 14 Jahren nicht mehr.
Einem Bericht der "Sunday Times" zufolge will das Unternehmen 50 Milliarden Dollar auftreiben, um sich gegen die Folgekosten der Ölpest zu wappnen. Zunächst hatte BP 20 Milliarden Dollar für einen Treuhandfonds zugesichert, der den Opfern der Ölpest helfen soll. Bisher hat BP 104 Millionen Dollar an Entschädigungen ausgezahlt. Allerdings sind noch 64.000 Klagen anhängig. Inzwischen geht der Konzern nun offenbar davon aus, dass die Folgekosten der Katastrophe zweieinhalbmal so groß ausfallen könnten, wie ursprünglich geschätzt.
BP ist es noch nicht gelungen, das Loch zu schließen. Auch eine Verschlechterung des Wetters könne die Versuche behindern das Ölleck zu schließen, erklärten Händler. BP beteuert dagegen, man mache weiterhin Fortschritte beim Stopfen der Quelle und der Beseitigung des Öls. Die Arbeit an den Entlastungsquellen, die den Ölfluss umleiten sollen, laufe nach Plan.
ssu/apn/dpa
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