Interesse an Standorten: Praktiker-Pleite zieht Konkurrenten an

Hornbach, Obi, Hagebau - mehrere Baumarktkonzerne haben Interesse an Filialen des insolventen Konkurrenten Praktiker bekundet. Allzu große Expansionspläne dürfte aber derzeit niemand schmieden: Das schlechte Frühjahrswetter bescherte der Branche laut neuen Zahlen einen starken Umsatzeinbruch.

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Im Angebot: Praktiker-Filialen könnten demnächst neue Eigentümer bekommen

Neustadt/Köln - Einen Tag nachdem die Baumarktkette Praktiker Insolvenz anmelden musste, feilschen ihre Konkurrenten bereits um den möglichen Nachlass. Nach Hagebau und Obi erklärte am Freitag auch die Hornbach Chart zeigen-Gruppe ihr Interesse an einzelnen Standorten. Falls diese auf den Markt kämen, werde man prüfen, ob sie ins Konzept passten, sagte Vorstandschef Albrecht Hornbach. Sein Unternehmen sei aber nur an Einzelstandorten interessiert, die das eigene organische Wachstum ergänzen könnten. "Wir haben grundsätzlich Interesse und trauen uns da einiges zu", sagte auch Hagebau-Chef Heribert Gondert Handelsblatt Online.

Praktiker war vor allem an einer unrentablen Rabattstrategie gescheitert, den Rest gab dem Unternehmen dann das schlechte Frühjahrswetter. Dieses macht auch der Konkurrenz zu schaffen, wie am Freitag vorgelegte Zahlen des Branchenverbandes BHB zeigen. Demnach sank der Gesamtumsatz der Bau- und Heimwerkermärkte zwischen Januar und Ende Mai um 6,2 Prozent auf gut 7,4 Milliarden Euro brutto.

Ausschlaggebend für den starken Rückgang waren Kälte und Regen im März, welche die Nachfrage im Gartensortiment verhagelten. Bei Pflanzen, Gartengeräten und Gartenmöbeln sank der Branchenumsatz in den ersten fünf Monaten prozentual leicht zweistellig. Von einzelnen Unternehmen hieß es zu den Daten, man habe deutlich besser abgeschnitten.

Die Insolvenz von Praktiker Chart zeigen werde die Branche vermutlich etwas entlasten, sagte Hornbach. Seine Kette sei aber nicht auf diesen Effekt angewiesen. Die Umsatzdelle aus den ersten Monaten werde man im Jahresverlauf voraussichtlich größtenteils aufholen können.

Verkauf bei Praktiker geht weiter

Trotz der Pleite schließen die Praktiker-Filialen in Deutschland laut dem vorläufigen Insolvenzverwalter vorerst nicht. "Zunächst müssen wir den Geschäftsbetrieb der Unternehmen stabilisieren, um so die Voraussetzung dafür zu schaffen, möglichst viele Filialen und Arbeitsplätze zu sichern", sagte Christopher Seagon. Er wolle dann in den kommenden Wochen Möglichkeiten für ein Sanierungskonzept prüfen. Der Verkauf gehe mit allen Beschäftigten unverändert weiter. Seagon ist Insolvenzverwalter für acht Praktiker-Gesellschaften. Die Tochtermarke Max Bahr und das Praktiker-Auslandsgeschäft sind von den Insolvenzanträgen nicht betroffen.

Praktiker ist gemessen an der Verkaufsfläche das drittgrößte Baumarktunternehmen in Deutschland. 15.000 Menschen arbeiten hier für den Konzern. Schon vor einem Jahr hatte Praktiker mit Finanzspritzen von insgesamt 210 Millionen Euro vor dem Aus gerettet werden müssen.

dab/dpa/Reuters

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insgesamt 4 Beiträge
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1. Praktiker gehörte doch vor Jahren zur Metro Gruppe
Pedro1000 12.07.2013
Man(n) sollte genau überlegen zu kaufen was andere abstoßen! Die Strategie war klar! Mit den Niedrigpreisen die Konkurrenz vernichten und danach Preise erhöhen. Sie ging allerdings nicht auf! MediaMarkt hatte die gleiche Strategie. Heute haben die kaum noch Konkurrenten!!!!!! Und das wird weitergehen! Jedes Jahr neue Rabattforderungen werden die Lieferanten nicht durchstehen. Alles auf Kosten der Qualität!
2. Denkfehler?
breeze.block 12.07.2013
"Zunächst müssen wir den Geschäftsbetrieb der Unternehmen stabilisieren, um so die Voraussetzung dafür zu schaffen, möglichst viele Filialen und Arbeitsplätze zu sichern", sagte Christopher Seagon." Hier wird wohl vergessen, daß es sich bei Praktiker um ein Handelsunternehmen handelt und keinen Dienstleistungsbetrieb. Wie soll der Geschäftsbetrieb denn stabilisiert werden, wenn die Lieferanten keine Ware mehr liefern? Also, ich als Lieferant von Praktiker würde Vorauszahlung erwarten damit meine Forderungen nicht in der Insolvenzmasse untergehen. Und jetzt die Quizfrage: Was hat Praktiker nicht? Genau: Geld!
3.
berufskonsument 12.07.2013
Zitat von sysopEr wolle dann in den kommenden Wochen Möglichkeiten für ein Sanierungskonzept prüfen.
Oh. Ein Sanierungskonzept. Das gab es ja noch nie bei Praktiker.
4.
nick999 12.07.2013
Zitat von sysopHornbach, Obi, Hagebau - mehrere Baumarktkonzerne haben Interesse an Filialen des insolventen Konkurrenten Praktiker bekundet. Praktiker-Konkurrenten interessieren sich für Standorte - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/praktiker-konkurrenten-interessieren-sich-fuer-standorte-a-910880.html)
Interessanter ist die Frage, seit wann sich Praktiker auf die Insolvenz vorbereitet hat. Wie viele der Kronjuwelen wurden noch schnell zu Max Bahr? Ich kenne eine. Der Gosener (bei Berlin) Baumarkt wurde seit mehreren Wochen ausverkauft, um zu Max Bahr zu werden. Obwohl es am Ende fast nichts mehr gab, was mit bis zu 75% Rabatt verramscht werden konnte, wurde der Baumarkt offen gehalten. Vermutlich wurde der Übergang in Max Bahr so gelegt, das er "insolvenzgünstig" gelegt wurde. Weit und breit ist um diesen Baumarkt kein Wettbewerb. Damit ist er interessant für Max Bahr.
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