Europäischer Preisvergleich Wo Butter und Bier am wenigsten kosten

Zum Haareschneiden nach Polen, zum Biertrinken nach Tschechien: Eine neue Studie zeigt, wo sich deutsche Urlauber besonders viel leisten können - und dass sich die sprichwörtliche Butterfahrt nicht mehr lohnt.

Getty Images

Von und (Grafik)


In vielen Bundesländern beginnen die Herbstferien. Die Urlaubszeit nutzen Reisende gern auch zum Einkaufen. Wie viel man sich dabei leisten kann, hängt nicht nur von den deutschen Einkommen ab, sondern auch von den Preisen im Ausland.

Wo das Geld besonders viel wert ist und wie das Preisniveau in Deutschland im Vergleich abschneidet, zeigt der neue Verteilungsmonitor des WSI (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut der Hans-Böckler-Stiftung). Die Studie wertet Daten des EU-Statistikamts Eurostat aus.

Im Ländervergleich entspricht das Preisniveau in Deutschland mit einem Wert von 101,5 laut WSI Verteilungsmonitor etwa dem Durchschnitt der Europäischen Union (EU), den die Studie als Referenzwert bei 100 ansetzt. Besonders hoch ist das Preisniveau in den skandinavischen Ländern und in der Schweiz.

Betrachtet man einzelne Waren, so fällt in Deutschland besonders der günstige Preis für Butter auf. Der Preiskampf der Discounter sorgt bereits seit Monaten für Schlagzeilen. Das Streichfett ist in Deutschland mit durchschnittlich 1,20 Euro für ein halbes Pfund billiger als in den anderen europäischen Staaten. Ginge es also nur um dieses Lebensmittel, könnte man sich sogenannte Butterfahrten, die Deutsche bis in die Neunzigerjahre in Länder wie Dänemark oder die Niederlande unternahmen, also wirklich sparen.

Unter den verglichenen Ländern gibt es sogar einige, in denen Butter doppelt so viel kostet wie in Deutschland: Dazu zählen etwa die Türkei mit 2,48 Euro, die Schweiz mit 2,59 Euro, Malta mit 2,60 Euro und Zypern mit 2,68 Euro.

Doch wie sieht es bei Würstchen aus, bei Gouda, Zigaretten, Bier oder Dienstleistungen wie Damen- und Herrenhaarschnitten? Die Preise in den folgenden Grafiken zeigen, wohin Deutsche reisen können, um etwa besonders günstig in die Kneipe zu gehen - und für welchen Einkauf sie besser zu Hause bleiben.


Die Preise in der EU und einigen anderen Ländern zum Vergleich:

Preisniveau der Konsumausgaben der privaten Haushalte

Land Preisniveau
Europäische Union (28 Länder) 100,0
Dänemark 138,0
Schweden 124,7
Finnland 123,2
Vereinigtes Königreich 121,6
Irland 120,7
Luxemburg 120,1
Niederlande 110,7
Belgien 109,2
Frankreich 107,8
Österreich 106,8
Italien 101,9
Deutschland 101,5
Spanien 92,7
Zypern 89,4
Griechenland 86,2
Slowenien 82,6
Malta 82,5
Portugal 81,1
Estland 79,4
Lettland 72,0
Slowakei 68,6
Kroatien 66,6
Tschechische Republik 64,2
Litauen 64,0
Ungarn 57,1
Polen 55,8
Rumänien 54,3
Bulgarien 48,4
Weitere Länder
Schweiz 154,1
Norwegen 148,1
Island 116,8
Japan 100,4
Vereinigte Staaten 93,0
Türkei 60,9
Montenegro 57,0
Serbien 52,8
Bosnien und Herzegowina 52,7
Albanien 50,1
Ehemalige jugosl. Rep. Mazedonien 46,7

Quelle: Eurostat / WSI

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insgesamt 33 Beiträge
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Seite 1
fritzausDA 16.10.2015
1. ich glaube keiner Statistik ,
die ich nicht selbst gefälscht habe . Wir waren gerade im Sommer wieder in Schweden . Schweden ist mit Sicherheit kein Billigland , liegt aber - im Gegensatz zu vor 30, 40 Jahren - inzwischen im Schnitt auf deutschen Niveau , was den "täglichen Bedarf" betrifft . Und wir fahren fast jedes Jahr nach Schweden , konnten also die Entwicklung verfolgen . Wie es IN Schweden FÜR den dortigen Berufsttätigen (in Relation zum Einkommen) aussieht , kann ich natürlich nicht beurteilen . Jedenfall bekomme ich nirgends in Deutschland für umgerechnet 6 bis 8 EUR eine 32-cm-Pizza mit Salat (unbegrenzt) , Brot , Butter (meist Margarine) - ebenfalls unbegrenzt -, einem alkoholfreien Getränk und Kaffee (unbegrenzt) . Und das selbst in Großstädten wie Göteborg ! Und wenn ich noch ein Cola oder Fanta will , kostet das gerade mal 5 Kronen (also etwa 50 Cent) , in Deutschland locker EUR 1,50 oder mehr !
acybergogo 16.10.2015
2. Mittelmass
Wer in den siebziger und achtziger Jahren im Ausland war und sich an die Kaufkraftunterschiede erinnert sieht´in der Statistik vor allem eins: Das Abrutschen Deutschlands in die Mittelmässigkeit. Eine ganze Reihe Länder sind an uns vorbeigezogen, eine ganze Reihe haben deutlich aufgeholt. Das deutsche Preisniveau stagniert seit Jahren im Vergleich = die Kaufkraft stagniert seit vielen Jahren. Wir sind nur deshalb nicht ganz unten, weil viele aufgeführte Länder damals noch zum Ostblock gehörten.
spitzaufknoof 16.10.2015
3. Entscheidend
bei der Betrachtung ist doch was genau wo kostet. Warum kosten Aspirin im teuren Norwegen nur ein Bruchteil von dem was es im Herstellerland Deutschland kostet ? Keine Ahnung? Ich leider auch nicht.
scheera 16.10.2015
4.
..die Frankreichdaten glaube ich nicht.Bin dort 2 x pa und kaufe ein,gehe auch essen.Einkauf liegt sicher mehr als 50% höher für Nahrungsmittel. Restaurantbesucher sind eher gleich teuer bei weitaus besserem Niveau.Tankstellen sind billiger.Campingplätze ebenfalls.Hotels nur knapp teuerer als in D.
Finnländer 16.10.2015
5. Äpfel mit Birnen verglichen?
Also das Finnland bei den Fleischwaren (Wurst) billiger sein soll als Deutschland, halte ich für ein Gerücht. Hat man da vielleicht die berühmten "nakki", welche früher mit erheblichen Mengen Milchpulver gestreckt waren und auch heute echtes "Fleisch" vermutlich nie zu Gesicht bekommen haben, mit "Halberstättern" oder "Deutschländern" verglichen?
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