Preisexplosion Wie das globale Rohstoff-Roulette funktioniert

Gold, Öl, Weizen - die Rohstoffpreise schnellen in die Höhe, auch in Deutschland werden Lebensmittel immer teurer. Was ist der Grund, wer profitiert von der Entwicklung und wer leidet am meisten darunter? Ein Überblick über die Märkte und Akteure.

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Hamburg - Klar: Wir jammern auf hohem Niveau. Gerade einmal elf Prozent unseres Einkommens geben wir Deutschen für Lebensmittel aus. In den sechziger Jahren waren es noch 50 Prozent. Trotzdem tut es weh, wenn die Preise im Supermarkt explodieren. Denn erstens treffen teure Nahrungsmittel vor allem Geringverdiener und Arbeitslose. Zweitens bleibt den Bürgern dadurch weniger Geld für andere Produkte. Und drittens - noch wichtiger - trübt die sogenannte gefühlte Inflation, also die Angst vor steigenden Preisen, die Kauflaune.

Wie real das Problem ist, wurde gerade deutlich: Kaffee ist innerhalb eines Jahres 33 Prozent teurer geworden, Butter sogar 35 Prozent. Auch die Preise für Margarine, Käse und Softgetränke haben die Supermarktketten deutlich erhöht. Damit kommt eine Entwicklung beim deutschen Verbraucher an, die Hilfsorganisationen und Wirtschaftsverbände seit Monaten umtreibt: Der weltweite Kampf um Rohstoffe treibt die Preise in die Höhe. Weizen, Mais, Reis, Sojabohnen - alle wichtigen landwirtschaftlichen Produkte sind teurer geworden.

Weltweit trifft das vor allem die Kleinbauern, sie machen die Hälfte der hungernden Weltbevölkerung aus. Klingt widersprüchlich, schließlich könnte man denken, dass Kleinbauern von steigenden Preisen profitieren. Doch Fehlanzeige: Denn die Ärmsten der Welt sind Opfer der internationalen Finanzmärkte. Zum einen bekommen die kleinen Landwirte Probleme, wenn sie Saatgut kaufen müssen und Nahrungsmittel, die sie nicht selbst anbauen. Zum anderen können sie ihre Produkte nur zu einem bestimmten Zeitpunkt verkaufen - nämlich dann, wenn Ernte ist. Was aber, wenn die Preise gerade da im Keller sind?

Eine logische Begründung gibt es nicht mehr

Tatsächlich sind die starken Schwankungen auf den globalen Rohstoffmärkten ein Riesenproblem. Finanzprofis sprechen von einer hohen Volatilität. Das bedeutet: Die Preise entwickeln sich extrem rasch in die eine oder andere Richtung. Das war gerade in der vergangenen Woche zu beobachten, als die Preise für zahlreiche Rohstoffe dramatisch einbrachen.

Für Spekulanten ist das ideal - je stärker der Markt in Bewegung ist, desto mehr Geld kann man mit Wetten verdienen. Für die Bauern jedoch ist das ein Desaster: Sie haben keinerlei Planungssicherheit.

Doch nicht nur bei Nahrungsmitteln spielen die Märkte verrückt. Auch andere Rohstoffe wie Metalle oder Energieträger sind längst zum Zockerobjekt geworden. Gold, Öl, Kupfer, Silber: Überall geht es munter rauf und runter. Und so entwickeln sich immer wieder Blasen - also Preisniveaus, für die es keine logische Begründung mehr gibt.

Manchmal gibt es auch reale Ursachen für einen bestimmten Preistrend - die steigende Nachfrage in China und Indien zum Beispiel ist ein Fakt. Der weltweite Rohstoffverbrauch könnte sich laut Angaben der Vereinten Nationen bis 2050 verdreifachen.

Doch die steigende Nachfrage allein kann die enormen Preissprünge an den Rohstoffmärkten nicht erklären. Ohne Profi-Spekulanten wären solche Schwankungen nicht denkbar, wie sie derzeit zu beobachten sind. Und alle anderen Anleger laufen den steigenden oder fallenden Preisen herdenmäßig hinterher. Das gilt etwa für institutionelle Investoren wie zum Beispiel Rentenfonds. So werden die Märkte gigantisch aufgebläht - bis die Blase platzt.

Aber wie teuer sind die einzelnen Rohstoffe wirklich? Was sind die Unterschiede auf den Gold-, Weizen- und Ölmärkten? Aus welchen Ländern stammen die Rohstoffe - und wo werden sie nachgefragt? Die wichtigsten Daten im Überblick.

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insgesamt 112 Beiträge
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Seite 1
elily 18.05.2011
1. Pack die Nahrung in den Tank!
(...) Weizen - die Rohstoffpreise schnellen in die Höhe, auch in Deutschland werden Lebensmittel immer teurer. ... und dann soll mit Bio-Sprit aus Nahrungsmitteln getankt werden. Wie absurd ist das denn?
Methados 18.05.2011
2. abschaffen
sogar ich als liberaler neokapitalist sage: auf grundnahrungsmittel darf es keine wetten geben. angebot & nachfrage, ja. aber keine wetten oder sonstwelche "fingierten" finanzprodukte.
ABN 18.05.2011
3. Schlechter Artikel
Zitat von sysopGold, Öl, Weizen - die Rohstoffpreise schnellen in die Höhe, auch in Deutschland werden Lebensmittel immer teurer. Was ist der Grund, wer profitiert von der Entwicklung und wer leidet am meisten darunter? Ein Überblick über die Märkte und Akteure. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,762140,00.html
Was fuer ein mieser und oberflaechlicher Artikel. Die Moral von der Geschicht, Spekulanten sind schuld am Preisanstieg der Rohstoffe. Nicht etwa schlechte Ernten, Bevoelkerungswachstum, Ethanol Fuel oder Nachfrage aus Emerging Markets. Nein, der poehse Spekulant ist Schuld. Wie bitte soll das funktionieren? An den Finanzmaerkten werden Futures gehandelt, die irgendwann faellig werden. Da der Spekulant natuerlich nicht tonnenweise Weizen oder Kakao in Empfang nehmen will und kann, stellt er vor/bei Faelligkeit glatt. ETFs und andere grosse Akteure rollen dann jeweils in den naechsten Future. D.h. egal wie viele Akteure sich am Futures-Markt tummeln und evtl. auch spekulative Blasen erzeugen, einzig der Spotmarkt ist entscheidend fuer den Preis, den wir fuer unsere Rohstoffe bezahlen. Und am Spotmarkt entscheidet eiskalt physisches Angebot und physische Nachfrage ueber den Preis, nicht der poehse Spekulant. Mal ganz abgesehen von all den anderen Kalauern, wie z.B. je mehr Volatilitaet, desto mehr kann der Spekulant verdienen (er verliert natuerlich nie, dieser poehse Spekulant).
EchoRomeo 18.05.2011
4. Mich irritiert vor allem eine Kleinigkeit
Bei uns begründen die Röstereien den teuren Kaffeepreis mit gestiegenen Erzeugerpreisen. In Frankreich kostet dagegen ein Kilo Kaffee das gleiche wie bei uns ein Pfund. Der Unterschied ist jedenfalls sehr, sehr viel höher als es die Kaffeesteuer ausmachen könnte. Bekommen die Franzosen ihren Kaffee etwa geschenkt? Noch etwas: Die von der Börse gespiegelten Preise siehe Öl, das sind doch nicht die, die von den Konzernen bezahlt werden. Das sind nur die Preise der Restchen die jeweils über bleiben. Die Großen haben "langfristige" Verträge über Mengen und Preise. Stunden-, Tages, Wochen oder Monatsschwankungen kann es gar nicht geben.
tomtomtomtomtom 18.05.2011
5. Alles viel zu billig
Lebensmittel sind bei uns einfach viel zu billig, was sich auch in mangelnder Wertschätzung ausdrückt. Rhetorische Frage: Wieviel Arbeit macht es, 1 kg Mehl, 1 l Milch und 1 kg Äpfel zu produzieren und in den Supermarkt zu transportieren? Und wie lange muß ich arbeiten, um mir das kaufen und meine Familie einen Tag ernähren zu können? Antwort: Überhaupt nicht, denn alleine für die Zeit, die ich jeden Tag während der Arbeitszeit auf dem Klo sitze, zahlt mir mein Arbeitgeber genug, um die genannten Lebensmittel in Bio-Qualität kaufen zu können. Da stimmt doch was nicht im System...
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