Preisschub: Eine Million Deutsche müssen mehr für Gas zahlen

Der Gaspreis zieht an, und die Verbraucher müssen mit steigenden Kosten rechnen: 28 Versorger werden bis Juli ihre Tarife erhöhen - in der Spitze um fast 18 Prozent. Rund eine Million Deutsche sind betroffen.

Gasventil in Tschechien: Teure Lieferung Zur Großansicht
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Gasventil in Tschechien: Teure Lieferung

Hamburg - In Deutschland wird es allmählich sommerlich warm, und der nächste Winter ist noch weit weit weg. Für Gasversorger ist das ein guter Zeitpunkt, um die Preise zu erhöhen. Schließlich bemerken die Kunden die steigenden Kosten erst, wenn sie die Heizung wieder aufdrehen müssen.

Tatsächlich kündigen aktuell viele Unternehmen Preiserhöhungen an. Bis zum 1. Juli planen 28 Grundversorger ihre Tarife anzuheben, darunter große Versorger wie die Stadtwerke München und die Nürnberger N-ERGIE. Das teilte das Verbraucherportal Check24 am Montag mit. "Insgesamt sind rund eine Million Verbraucher von den Erhöhungen betroffen", sagte eine Sprecherin auf Anfrage.

Im Schnitt liegen die Preiserhöhungen bei rund zehn Prozent. Einem durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden Gas entstehen dadurch Mehrkosten von gut 137 Euro pro Jahr. In der Spitze werden die Preise um bis zu 17,95 Prozent erhöht, einen Durchschnittshaushalt würde das 226 Euro pro Jahr extra kosten.

Hauptgrund für den Preisschub sind laut Check24 die Auswirkungen der Krisen in Nahost und Nordafrika. Diese hätten zunächst zu steigenden Ölpreisen geführt - was in der Folge auch dem Gaspreis Auftrieb gibt. Grund ist die sogenannte Ölpreisbindung.

Diese regelt, dass die Erdgasproduzenten ihre Preise an die Entwicklung des Ölpreises angleichen - in der Regel mit einem zeitlichen Abstand von einem halben Jahr. Eingeführt wurde die Koppelung, um Gas dauerhaft wettbewerbsfähig mit Öl zu machen. Steigt der Ölpreis, folgt auch der Gaspreis - und andersherum. Offiziell existiert eine Ölpreisbindung für Privatkunden nicht mehr, große Gasversorger orientieren sich aber noch immer an ihr.

Während die Gaspreise in die Höhe schnellen, fallen die Ölpreise schon wieder. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Montag knapp 110 Dollar - zu Spitzenzeiten waren es fast 130 Dollar gewesen. Händler begründeten die jüngsten Preisabschläge vor allem mit dem stärkeren Dollar, der die Öl-Nachfrage aus vielen Ländern belastet. Die Commerzbank verweist zusätzlich auf die hohe Unsicherheit an den Märkten wegen der europäischen Schuldenkrise.

Diese Versorger erhöhen die Preise
Versorger Datum Alter Preis in Euro Neuer Preis in Euro Plus in Euro Plus in Prozent
Stadtwerke Schwarzenberg GmbH 01.07.2011 1.109,32 1.204,64 95,32 8,59
LSW LandE-Stadtwerke Wolfsburg GmbH & Co. KG 01.06.2011 1.250,50 1.426,50 176,00 14,07
VSW Verbundstadtwerke Südwestsachsen 01.07.2011 1.304,48 1.472,12 167,64 12,85
Stadtwerke Osnabrück 01.07.2011 1.306,17 1.414,17 108,00 8,27
Stadtwerke Gunzenhausen GmbH 01.07.2011 1.159,06 1.252,59 93,53 8,07
Emscher Lippe Energie GmbH 01.06.2011 1.304,24 1.399,08 94,84 7,27
Stadtwerke Finsterwalde 01.07.2011 1.163,63 1.246,93 83,30 7,16
Stadtwerke Dorfen 01.07.2011 1.584,56 1.798,56 214,00 13,51
Agger Energie 01.07.2011 1.191,19 1.385,76 194,57 16,33
Stadtwerke Bitterfeld-Wolfen 01.07.2011 1.148,07 1.314,07 166,00 14,46
EVD Energieversorgung Dormagen GmbH 01.07.2011 1.113,88 1.213,88 100,00 8,98
Gasversorgung Hünxe GmbH 01.07.2011 1.345,18 1.461,80 116,62 8,67
Bocholter Energie- und Wasserversorgung GmbH 01.07.2011 1.437,52 1.634,52 197,00 13,70
Osterholzer Stadtwerke 01.07.2011 1.324,47 1.491,07 166,60 12,58
WEVG Salzgitter 01.07.2011 1.360,12 1.506,88 146,76 10,79
Gasversorgung Essingen-Oberkochen GmbH 01.06.2011 1.495,59 1.643,89 148,30 9,92
Stadtwerke Nettetal 01.07.2011 1.473,22 1.608,88 135,66 9,21
Stadtwerke Kaarst GmbH 01.07.2011 1.273,78 1.381,12 107,34 8,43
Stadtwerke Itzehoe 01.06.2011 1.435,89 1.555,89 120,00 8,36
N-ERGIE 01.07.2011 1.337,36 1.424,36 87,00 6,51
Stadtwerke München 01.07.2011 1.549,38 1.654,80 105,42 6,80
Stadtwerke Aue 01.06.2011 1.258,78 1.484,78 226,00 17,95
Energieversorgung Main-Spessart 01.07.2011 1.454,66 1.673,62 218,96 15,05
Zwickauer Energieversorgung 01.07.2011 1.558,78 1.678,78 120,00 7,70
Stadtwerke Lichtenfels 01.07.2011 1.479,17 1.586,27 107,10 7,24
Stadtwerke Bexbach GmbH 01.07.2011 1.401,82 1.556,80 154,98 11,06
Stadtwerke Wesel 01.07.2011 1.343,55 1.421,35 77,80 5,79
Halberstadtwerke 01.07.2011 1.202,65 1.303,05 100,40 8,35
Quelle: Check 24, Stand: 23. Mai 2011

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insgesamt 18 Beiträge
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1. Stadtwerke
Petra 23.05.2011
Zitat von sysopDer Gaspreis zieht an, und die Verbraucher müssen mit steigenden Kosten rechnen: 28 Versorger werden bis Juli ihre Tarife erhöhen - in der Spitze um fast 18 Prozent. Rund eine Million Deutsche sind betroffen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,764275,00.html
Dann ist es doch wunderbar und sehr passend, daß wir bei insgesamt steigenden Gaspreisen aus den Förderländern so viele neue Gaskraftwerke bauen müssen, um die stochastische WEA-und Solareinspeisung auszugleichen. Übrigens sind das nach SPON-Liste derzeit die Stadtwerke, die die Preise erhöhen.
2. 18 Prozent
kdshp 23.05.2011
Zitat von sysopDer Gaspreis zieht an, und die Verbraucher müssen mit steigenden Kosten rechnen: 28 Versorger werden bis Juli ihre Tarife erhöhen - in der Spitze um fast 18 Prozent. Rund eine Million Deutsche sind betroffen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,764275,00.html
Diese hätten zunächst zu steigenden Ölpreisen geführt - was in der Folge auch dem Gaspreis Auftrieb gibt. Grund ist die sogenannte Ölpreisbindung. (aus dem artikel) Hallo, ach ne ist klar und wo bleiben die senkungen wenn der ölpreis fällt? Hier werden die gaskunden doch PIP (selbstzensur)!
3. Gas statt Atom
panit 23.05.2011
Statt Atomkraftwerken will die Bundesregierung auch auf Gas umsteigen. Der Gaspreis steig dauernd. Das Gas kommt aus Rusland. Tolle Aussichten :-(
4. Anbieter wechseln
Crom 23.05.2011
Wer kann, sollte den Anbieter wechseln. Durch LNG können unabhängige Anbieter günstig über den Spotmarkt Gas kaufen und daher günstigere Preise anbieten.
5. Bundesländer verdreht ...
ing.mark 23.05.2011
In der Liste wurde einiges verdreht: Die Stadtwerke München wurden ins Saarland verfrachtet, Energieversorgung Main-Spessart ist in Sachsen gelandet - statt Bayern zugeordnet zu sein. Gibts noch mehr Fehler in der Liste? Lichtenfels klingt auch eher nach Bayern, Lippe und Finsterwalde hören sich nicht nach Bayern an, Osnabrück sowie Wolfsburg und Verbundstadtwerke Südwestsachsen gehören keinesfalls nach Bayern! Ist diese Liste keiner Prüfung unterzogen worden? Wurde sie 1:1 von Check 24 übernommen? Wehe wenn die jemand kopiert!
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Fotostrecke
Fotostrecke: Gasförderung rund um die Welt

Die Koppelung von Öl - und Gaspreis
Private Verträge
Die Ölpreisbindung ist nicht staatlich festgelegt. Sie ist vielmehr eine bilaterale Vereinbarung zwischen den großen Gasunternehmen. Auf der einen Seite stehen die Lieferanten aus den Niederlanden, Norwegen und Russland, auf der anderen die deutschen Importgesellschaften wie Wingas oder E.on Ruhrgas. Die Ölpreisbindung reicht zurück bis zum Beginn von Erdgaslieferungen nach Deutschland in den sechziger Jahren.
Halbes Jahr Abstand
Die Ölpreisbindung regelt, dass die Erdgasproduzenten ihre Preise an die Entwicklung des Ölpreises angleichen - in der Regel mit einem zeitlichen Abstand von einem halben Jahr. Eingeführt wurde die Koppelung, um Gas dauerhaft wettbewerbsfähig mit Öl zu machen. Steigt der Ölpreis, folgt auch der Gaspreis - und andersherum.
Versorgungssicherheit
Die Energiebranche begründet die Ölpreisbindung mit dem Argument der Versorgungssicherheit: Da die großen Importverträge in der Regel sehr langfristig angelegt sind, brauche es einen Preismechanismus, der für beide Seiten fair sei - auch noch fünf Jahre nach Vertragsabschluss. Laut Gaswirtschaft ist die Erschließung der Rohstoffvorkommen nur dank dieser Sicherheit rentabel. Das Gleiche gelte für den Bau von Pipelines, der sich sonst nicht lohnen würde. Die Ölpreisbindung garantiere außerdem, dass die wenigen ausländischen Produzenten ihre Marktmacht nicht ausspielen.
Untersuchung des Kartellamts
Die Ölpreisbindung gerät immer wieder in die Kritik - vor allem bei steigenden Preisen. Gegner argumentieren, die Koppelung habe nur wenig mit Wettbewerb und vernünftiger Konkurrenz zu tun. Das Bundeskartellamt hat die Koppelung bereits unter die Lupe genommen, allerdings wurde offiziell kein Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht festgestellt.
Andere Länder - andere Gaspreise
In anderen Ländern wie Großbritannien ist die Koppelung abgeschafft. Dort wird Gas nicht über langfristige Lieferverträge gehandelt sondern über die Börse. Die deutsche Energiebranche weist darauf hin, dass der Gaspreis in Großbritannien keineswegs niedriger liege als in Deutschland - sondern eher höher.
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Fotostrecke: Energiemacht Russland

Energieträger Erdgas
Erdgas ist nach Mineralöl der zweitwichtigste Bestandteil des deutschen Energiemix. Fast jede zweite Wohnung in Deutschland wird nach Angaben des BDEW inzwischen damit beheizt. Insgesamt sind es mehr als 18 Millionen Haushalte - Tendenz steigend. Zudem wird mit Erdgas Strom erzeugt, und umweltfreundliche Autos werden mit Erdgas angetrieben. Die Erdgas-Lagerstätten sind auf wenige Regionen begrenzt - mehr als die Hälfte der globalen Vorkommen befinden sich in den Ländern Russland, Iran und Katar.

Erdgas ist der am wenigsten klimaschädliche aller fossilen Brennstoffe. Bei seiner Verbrennung werden etwa 200 Gramm CO2 pro Kilowattstunde freigesetzt. Dies ist im Vergleich zu Erdöl (270 g/kWh) und Kohle (je nach Qualität 330 bis 400 g/kWh) gering.
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Gas aus der Tiefe: Unkonventionelle Vorkommen

LNG
Die LNG-Technik hat den Gasmarkt revolutioniert - die wichtigsten Fakten im Überblick.
Das Verfahren
Die Abkürzung LNG steht für liquefied natural gas, zu Deutsch: Flüssiggas. Der Rohstoff wird auf bis zu -164 Grad Celsius abgekühlt und dadurch auf ein Sechshundertstel seines Volumens komprimiert. Gas kann so per Schiff statt per Pipeline transportiert werden.
Vorteile
Liegen zwischen Erdgasquelle und Verbraucher mehr als 2000 Kilometer, rentiert sich der Transport per LNG. Der Rohstoff kann plötzlich große Distanzen kostengünstig überwinden. Neue Handelsrouten entstehen. Der Gasmarkt wird flexibler.
Geopolitische Folgen
Staaten mit Terminals zum LNG-Import werden unabhängiger von regionalen Großversorgern. Sie können ihr Gas jetzt aus der ganzen Welt importieren. Energiemächte wie Russland verlieren tendentiell an Bedeutung. ssu