Private-Equity-Studie Finanzinvestoren kaufen mehr als 200 deutsche Firmen pro Jahr

Internationale Finanzinvestoren sind offenbar heiß auf deutsche Firmen. Laut einer Studie übernahmen sie im Jahr 2016 insgesamt 212 heimische Unternehmen - so viele wie seit der Finanzkrise nicht mehr.

Blackstone-Chef Stephen Schwarzman
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Blackstone-Chef Stephen Schwarzman


Sie heißen KKR, Blackstone, Permira oder Ardian - und ihr Geschäftsmodell ist es, Firmen aufzukaufen und später mit Gewinn wieder zu veräußern. Finanzinvestoren sind laut einer neuen Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung in Deutschland so aktiv wie lange nicht mehr. Die sogenannten Private-Equity-Gesellschaften kauften im Untersuchungsjahr 2016 in Deutschland 212 Firmen auf. Das ist so viel wie seit dem Rekordjahr 2007 nicht mehr. Insgesamt 106.000 Beschäftigte waren davon betroffen.

139 Private-Equity-Gesellschaften waren laut der Auswertung im Jahr 2016 in Deutschland aktiv. Mit acht Transaktionen stand dabei die französische Gesellschaft Ardian an der Spitze der Rangliste, gefolgt von Auctus aus Deutschland mit sieben. Aber auch internationale Schwergewichte wie die US-Investoren Carlyle oder KKR sowie die schwedische Gesellschaft EQT Partners waren mit mehreren Übernahmen dabei.

40 Prozent der Käufe zielten demnach auf den "industriellen Kernsektor" ab, zu dem die Autoren die Bereiche Chemie, Elektrotechnik, Fahrzeugbau und Maschinenbau zählen.

Private-Equity-Gesellschaften finanzieren ihre Übernahmen meist über Fonds, in denen institutionelle Investoren und vermögende Privatpersonen Geld anlegen. Anschließend übernehmen sie im Namen dieser Fonds oft auch die unternehmerische Leitung des gekauften Unternehmens. Nach einigen Jahren verkaufen sie ihre Anteile dann wieder - am besten mit hohem Gewinn. Im Jahr 2016 veräußerten die Investoren so 101 zuvor gekaufte deutsche Unternehmen - im Schnitt nach etwa sechs Jahren.

Die Studie, die der Experte Christoph Scheuplein vom Institut Arbeit und Technik (IAT) in Gelsenkirchen für die Böckler-Stiftung erstellt hat, beleuchtet erstmals auch die Finanzierung der Übernahmen durch die Fonds. Demnach wickelten die 99 in Deutschland aktiven Fonds knapp zwei Drittel ihrer Übernahmen über Offshore-Standorte ab. Am häufigsten über Steueroasen wie Guernsey und Jersey, die Cayman-Inseln oder den US-Bundesstaat Delaware. Nur 17 Prozent der Fonds hatten ihren rechtlichen Sitz in Deutschland. Das lege nahe, dass "Möglichkeiten der Steueroptimierung und die geringe Transparenz dieser Finanzplätze ein wesentliches Kriterium für die Standortwahl der Fonds darstellen", schreibt Studienautor Scheuplein.

stk/Reuters



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