New York - Der Flugzeughersteller Boeing bekommt die Pannenserie seines Vorzeigemodells Dreamliner auch an der Börse zu spüren. Zum Handelsstart in New York gab die Aktie am Mittwoch zeitweise mehr als vier Prozent nach. Experten sehen das Image des Fliegers durch die jüngste Pannenserie beschädigt. "Der Vertrauensverlust wird die Fluggesellschaften genauso treffen wie die Hersteller", sagte ein Luftfahrtanalyst.
Die Dreamliner-Pannenserie der vergangenen Wochen hatte am Mittwoch einen neuen Höhepunkt erreicht. In Japan musste eine Maschine der Fluggesellschaft All Nippon Airways (ANA) notlanden, nachdem Rauch in der Kabine bemerkt worden war. Alle 137 Passagiere und Besatzungsmitglieder mussten das Flugzeug über Notrutschen verlassen. Fünf Menschen wurden leicht verletzt, ein Passagier wurde wegen Rückenbeschwerden ins Krankenhaus gebracht.
Erste Anzeichen deuten auf ein Batterieproblem hin. Japans Verkehrsministerium wertete die Geschehnisse als schweren Zwischenfall, der auch zu einem Unfall hätte führen können.
Der Dreamliner ist ein Verkaufsschlager
Einige Boeing-Kunden reagierten umgehend. Die Fluggesellschaften ANA und Japan Airlines (JAL) strichen alle für Mittwoch und Donnerstag geplanten Dreamliner-Flüge.
Die Japaner waren die Erstkunden für Boeings Top-Model 787. Neben ANA und JAL sind United Airlines, Qatar Airways, Ethiopian Airlines, LAN Airlines, Air India und die polnische LOT mit dem Flugzeugtyp unterwegs. Die indische Luftfahrtbehörde hat bereits eine Überprüfung der sechs Air-India-Maschinen eingeleitet.
Die polnische LOT lässt am Mittwochnachmittag unterdessen einen Dreamliner zu seinem ersten Langstreckenflug abheben. Alle Tests seien positiv verlaufen, sagte ein Unternehmenssprecher. Außerdem handle es sich bei der Maschine um das 61. fertiggestellte Exemplar des Modells. Im Vergleich zu früher gebauten Maschinen anderer Fluggesellschaften habe dieses Exemplar bereits mehrere technische Verbesserungen erfahren.
Deutsche Fluggesellschaften haben die Maschine noch nicht im Bestand. Die Tui-Veranstaltertochter Tui Travel
will 13 Dreamliner abnehmen. Zudem hat Air Berlin
15 Exemplare bestellt, wollte sich zu den jüngsten Problemen mit dem Modell aber nicht äußern.
In der Entwicklung hatte der Dreamliner große Probleme bereitet. Die erste Maschine wurde im September 2011 und damit dreieinhalb Jahre später ausgeliefert als anfangs geplant. Auch im Betrieb häuften sich die Pannen.
Für Boeing ist das Flugzeug bislang dennoch ein Verkaufsschlager. Insgesamt lagen bis Ende vergangenen Jahres Bestellungen für 848 Maschinen vor. Davon sind inzwischen 50 ausgeliefert. Konkurrent Airbus will gegen die 787 mit seinem neuen Jet A350 antreten. Dessen Jungfernflug soll nach Verzögerungen aber erst Mitte dieses Jahres erfolgen.
Trotz der Pannenserie zeichnen sich bei Boeing
bisher keine Stornierungen ab. Sowohl die japanische ANA als auch die französisch-niederländische Air France-KLM halten an ihren Bestellungen fest. Allein die ANA hat bei Boeing noch 49 weitere 787-Jets bestellt, Air France-KLM 25.
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